Vovox Klangleiter
Preiswerte Kabel aus der Schweiz – nicht nur für den professionellen Studiobedarf
Text von: Uwe Heckers

Jetzt ist es passiert! Selbst Tonmeister beschäftigen sich mit den Klangeigenschaften von Kabeln. Wie konnte es nur so weit kommen?
Der Schuldige heißt Jürg Voigt, kommt aus der Schweiz und ist ein Mensch, dem man ohne weiteres ein gebrauchtes Auto abkaufen würde. Und deshalb (aber nicht nur deshalb) glaube ich ihm die Geschichte, wie er auf die Idee kam, eigene Kabel herzustellen. Dem Hobbymusiker fiel irgendwann auf, dass es nicht egal war, mit welchem Kabel er seinen
E-Bass und den Verstärker verstöpselte. Diese Erkenntnis hat wohl derart an dem Werkstofftechniker genagt, dass er sich vor etwa neun Jahren entschloss, mit verschiedenen Kabeltypen zu experimentieren. Wie üblich erfolgte die Forschung rein empirisch, also durch Versuch und Irrtum, und wurde vor allem mit den Ohren durchgeführt. Von seinen Ergebnissen überzeugt, gründete er vor drei Jahren die Vovox AG, die sich zuerst einmal auf Produkte für den professionellen Studiobereich beschränkte. Und tatsächlich gelang es ihm, die skeptischen Studioprofis von den Vorzügen seiner Kabel zu überzeugen. Mittlerweile haben sogar einige renommierte Studios ihre gesamte (!) Verkabelung auf Vovox Klangleiter umgestellt. Das Überzeugen der Profis kann natürlich nicht über von Marketingstrategen glatt gebügelte Werbeprospekte und Verkaufsgespräche erfolgen. Die wollen Beweise hören. Jürg Voigt scheut sich daher nicht, die Kabel vor angehenden Toningenieuren und Tonmeistern vorzuführen, die vormals davon überzeugt waren, dass es keinen Unterschied mache, mit welchem Kabel Mikrofone, Mischpulte, Endstufen, Abhörmonitore und weiß der Geier, was sonst noch so alles in einem Studio rumkreucht und -fleucht, zu verbinden. Sein Vertrauen in die Vorzüge seiner Klangleiter ist sogar so groß, dass er sich traut, zusammen mit der Dirk Brauner Röhrengerätemanufaktur – Hersteller äußerst kostspieliger Röhrenmikrofone – eine CD herauszubringen. Die gestattet es dem Interessenten, die Klangqualität der Vovox-Kabel (und natürlich der von Brauner hergestellten Mikrofone) an der heimischen HiFi-Anlage anzuhören. Wer’s selbst ausprobieren will, kann sich übrigens die Klangbeispiele von der Internetseite von Vovox herunterladen und so sein eigenes Urteil bilden.

LS Single Wiring: Bananenstecker mit Federkraft und dünne Leiter mit definiertem Abstand zueinander
Übrigens hat der professionelle Hintergrund für den normalen Heimanwender einen ganz praktischen und materiellen Vorteil. Die Vovox Klangleiter sind nämlich allesamt bezahlbar. Denn natürlich kann man Studiobesitzern nicht mit Kabeln kommen, deren Preis pro Meter im vierstelligen Bereich liegt. In einem Studio geht es eben nicht nur mal eben um ein Cinchkabel, das man sich zu Weihnachten gönnt, sondern meistens um insgesamt einige hundert Meter unterschiedlichster Kabeltypen, die schließlich auch bezahlt und vor allem amortisiert werden wollen.

IC Protect: Beide Leiter sind spiralförmig umeinander geschlungen, einer davon ist zusätzlich mit einem versilberten Schirmgeflecht versehen; diese ariante gibt es auch als Phonoversion
Neben diversen Kabeln – Entschuldigung – Klangleitern, die wirklich nur ausschließlich im Profibereich von Interesse sind, bietet Vovox ein praktisch vollständiges Sortiment für den Heimanwender an. Dazu gehören symmetrische und unsymmetrische, geschirmte wie ungeschirmte NF- sowie Lautsprecherkabel (auch für Bi-Wiring fix und fertig konfektioniert), ein Netzkabel sowie ein Phonokabel.
Die ungeschirmten NF-Kabel Vovox IC Direct sowie das LS-Kabel Vovox Single Wiring erinnern in ihrem Aussehen stark an die Kabelfamilie von DNM. Zwei massive Leiter („solid core“) werden mit einem definierten Abstand zwischen Quelle und Empfänger geführt. Bei dem LS-Kabel beträgt der Abstand circa zwei Zentimeter, während er bei dem NF-Kabel nur etwa halb so groß ist. Das Leitermaterial besteht aus je zwei versilberten Kupferdrähten, die in einem flachen Kunststoffband eingefasst sind. Von der Idee her, möglichst wenig Metall zu verwenden, erscheint es nur konsequent, dass die NF-Kabel mit Bullet Plugs konfektioniert angeboten werden. Die Lautsprecherkabel sind mit einfachen, aber vergoldeten Bananensteckern ausgerüstet, wie sie auch im Labor Verwendung finden. Die XLR-Stecker der symmetrischen Variante (Vovox IC balanced) bestehen ebenfalls aus Kunststoff. Hier müssen natürlich drei Leiter mithilfe des ungefärbten Kunststoffs auf Abstand gehalten werden. Über die Wahl dieses milchig-weißen, fast transparenten Polymers hüllt sich Jürg Voigt in Schweigen, gehört es doch zu seinen Betriebsgeheimnissen, da dieser Isolator einen entscheidenden Anteil am Klang der Kabel haben soll. Lassen wir ihm dieses Geheimnis und sehen uns die geschirmte Variante des NF-Kabels an, die sich deutlich von der ungeschirmten unterscheidet. Hier gibt es nämlich keinen Steg, der den Abstand zwischen Signal- und Masseleiter festlegt, sondern beide Leiter sind in einer Spirale umeinander gewickelt, wobei einer der beiden von einem versilberten Schirmgeflecht umgeben ist. Laut Vovox eignet sich dieses Kabel auch als Phonokabel. Deshalb gibt es davon auch eine Variante mit einem geraden, fünfpoligen Stecker, um auch die Tonarme mit der weit verbreiteten SME-Norm anschließen zu können. Der Fünfpolstecker wird übrigens von Clearaudio zugeliefert. Das Phonokabel erscheint mir darüber hinaus flexibel genug, um auch in Subchassis-Plattenspielern eingesetzt werden zu können.

IC Direct: Entsprechend der Prämisse, möglichst wenig Metall zu verwenden, dürfen Bullet Plugs als konsequente Lösung gelten. Das kleine Vovox-Schildchen gibt immer einen Hinweis auf die Laufrichtung des Kabels

Power: Auch das Netzkabel folgt der Solid-Core-Idee und ist mit drei versilberten Kupferleitern aufgebaut. Die stramme stoffummantelte Strippe fällt relativ steif aus, was wiederum große Radien zur Folge hat

IC Phono: Am Quellen-Ende des Plattenspielerkabels kommt ein vergoldeter Stecker mit SME-Anschluss zum Einsatz, den Clearaudio zuliefert. Das Kabel (IC Protect) ist selbst für viele Subchassis-Laufwerke flexibel genug
Selbstverständlich sind alle Kabel laufrichtungsgebunden und entsprechend markiert. Das Ende, das an die Quelle angeschlossen wird, ist durch ein Stoffschildchen mit Vovox-Logo markiert. Mit ihrer eher schlichten Optik eignen sich die Vovox-Kabel herzlich wenig zum stolzen Herzeigen. Der Protzfaktor ist furchtbar niedrig. Das gilt übrigens auch für das Verpackungsmaterial, das aus transparenten, etwas wabbeligen, durchsichtigen Kunstoffschächtelchen besteht. Das finde ich sogar gut, denn was habe ich von edlen Kistchen aus seltenen Tropenhölzern, die nur im Regal herumstehen, dort vollstauben und ganz nebenbei dazu beitragen, dass der Regenwald weiter dezimiert wird?
Das Netzkabel sieht hingegen auf den ersten Blick ziemlich gewöhnlich aus, wird es doch von dem allgegenwärtigen schwarzen Gewebeschlauch umhüllt. Doch auch hier fühlt sich Jürg Voigt der Solid-Core-Idee verpflichtet, und daher bestehen die drei Leiter wieder aus versilberten Kupferdrähten. Da diese natürlich ganz andere Energiemengen transportieren müssen, sind sie selbstverständlich auch dicker und sorgen somit dafür, dass das Netzkabel ungewöhnlich steif ist. Das hat den Nachteil, dass das Kabel gebührenden Platz braucht und womöglich das ein oder andere leichtgewichtige Gerät verschieben möchte. Andererseits hat der starre Charakter auch Vorteile. Es ergeben sich quasi von allein größere Bögen – so kann den empfindlichen NF- und Phonokabeln aus dem Weg gegangen werden.

IC Balanced: milchig-transparenter Kunststoff für die Führung der drei Leiter, schwarzer für die XLR-Stecker
Auf der Promotion-CD ist ein interessantes Klangbeispiel. Aufgenommen wurde die Wirkung, die erzeugt wird, wenn man ein Vovox-Kabel mittels Stecker in ein bereits vorhandenes Mikrofonkabel einschleift. Man kann überraschenderweise eine geringfügige, aber dennoch wahrnehmbare Zunahme der Durchhörbarkeit vernehmen.
Aber ist das wirklich so erstaunlich? Es ist doch in jeder Stereoanlage so, dass nur ein Bruchteil aller Leiterstrecken mit speziell vom Kunden ausgesuchten Kabeln bestritten wird. Wie viele Meter stecken denn in den Verstärkern, Phonostufen oder CD-Spielern von vornherein drin? Hat das jemand mal gemessen? Oder haben Sie etwa auch nur jede freie Verdrahtung beispielsweise in Ihren Lautsprechern zwischen den Chassis und der Frequenzweiche gegen Ihre gerade aktuellen Lautsprecherkabel ausgetauscht? Sehen Sie, ich natürlich auch nicht. Aber immerhin kann man sich mit einem vollständigen Satz von Vovox Klangleitern ein Stück in Richtung Vovox Purum vorarbeiten, das Gütesiegel für vollständig mit Produkten von Vovox ausgerüstete Studios.
Zuerst habe ich mit den Lautsprecherkabeln Vovox LS Single Wiring begonnen. Zwischen meinem Heed Obelisk und der in Ehren ergrauten Spendor BC 1 ist – verglichen mit meinem bisherigen Lautsprecherkabel – unmittelbar eine auffallende Klarheit im Bassbereich zu hören, die gerade dem alten BBC-Monitor richtig guttut. Die BC 1 ist bekannterweise nicht gerade das letzte Wort in Sachen Tiefbasspräzision. Hier räumt das Vovox Single Wiring das musikalische Kellergeschoss tüchtig auf. Und so nimmt es nicht Wunder, dass ein zu Besuch anwesender BC-1-Kenner behauptete, er habe die BC 1 noch nie so straff gehört.
Mit dieser Zunahme an Straffheit oder Durchhörbarkeit im Bass ergibt sich sozusagen wie von selbst auch eine Zunahme an Transparenz in den Mittellagen, die dazu führt, dass Stimmen oder Soloinstrumente deutlicher herausgearbeitet und von den Hintergrundinstrumenten klarer abgegrenzt werden. Daran schließt sich ein sauberer, völlig offener Hochtonbereich an, der weit von dem entfernt ist, was man gelegentlich versilberten Kupferkabeln nachsagt – da nervt nichts, da werden keine Plomben gezogen und es treten auch keine Hochtondetails zu Lasten einer in sich geschlossenen, glaubwürdigen Gesamtdarstellung ungebührlich in den Vordergrund.
Das alles geschieht vor einem leisen Hintergrund, denn Störgeräusche, die durch die mangelnde Schirmung auftreten könnten, sind im Vergleich zu meinem bisher benutzten geschirmten NF-Kabel nicht wahrzunehmen. Es scheint eher so zu sein, dass sich gerade hier das Vovox-Kabel besonders erfreulich hervortut. Gleichwohl geht es noch ein Stückchen besser, wie ein unfairer Vergleich der NF-Kabel Vovox IC Direct mit dem HMS Gran Finale Jubilee offenbart. Das ist schön für diejenigen, die sich ein Gran Finale Jubilee oder ein ähnliches State-of-the-Art-Kabel leisten können (und wollen), aber ganz gewiss kein Grund zur Traurigkeit bei Otto-Normal-Verdienern (wie mir). Denn tatsächlich ist das Vovox IC Direct sehr viel näher am circa zehnmal so teuren HMS-Kabel als an meinem bisher verwendeten NF-Kabel.
Bei mir kam nie das Gefühl auf, dass die Vovox-Kabel irgendwelche besonders auffälligen Effekte erzeugen, die mit der eigentlichen Aufnahme nichts zu tun haben. Es ist nur so, dass die musikalische Darbietung einfach besser artikuliert wird. Diese Artikulationsfähigkeit nimmt etwas ab, wenn man das ungeschirmte IC Direct gegen das geschirmte IC Protect austauscht. Die klangliche Tendenz ist zwar grundsätzlich dieselbe, aber die ungeschirmte Variante scheint mir ein kleines Stückchen transparenter zu klingen. Aber Vovox empfiehlt ja selbst – wenn es keine wirklich zwingenden anderen Gründe gibt –, zur ungeschirmten Variante zu greifen.
Die beschriebenen Wirkungen gelten genauso für das Phonokabel und – mit Abstrichen, denn schließlich liegt es nicht direkt im Signalweg – für das Netzkabel. Die ganze Familie hat einen durchgehenden, gleichen Klangcharakter, den man mit transparent, straff und sehr offen zusammenfassen kann. Das heißt, es könnte in hell bis analytisch kühl abgestimmten Ketten vielleicht etwas des Guten zu viel tun. Aber da ist das Problem wohl eher
in den angeschlossenen Komponenten zu suchen als bei den Verbindern von Vovox. Mit ehrlichen Kabeln kann man halt keine Fehler kompensieren, sondern nur die Vorzüge der hoffentlich sorgfältig ausgesuchten und aufeinander abgestimmten Geräte besser zur Geltung bringen.
Übrigens: Dass das Phonokabel ungefähr doppelt so teuer wie das IC Protect ist, welches ja die Basis für das IC Phono darstellt, erklärt sich durch die Verwendung des hochwertigen, von Clearaudio zugekauften Fünfpolsteckers und durch den Arbeitsaufwand, der mit dem Verlöten verbunden ist. Sein Geld ist es, genau wie die anderen Klangleiter von Vovox, allemal wert und dürfte so manch teuren Konkurrenten in Rechtfertigungsnöte bringen. So ist es nur verständlich, warum selbst Studioprofis sich von nun an mit dem Thema Kabelklang beschäftigen und auf die Kabel von Vovox zurückgreifen.
Produktinfo
NF-Kabel Vovox IC Direct
Konfektionierung: mit Cinch-Steckern (Bullet Plugs)
Preis: 158 Euro (2 x 1 m)
NF-Kabel Vovox IC Protect
Konfektionierung: mit Cinch-Steckern (Bullet Plugs)
Preis: 195 Euro (2 x 1 m)
Phonokabel Vovox IC Phono
Konfektionierung: mit Fünfpolstecker nach SME-Standard (Clearaudio)
Preis: 325 Euro (2 x 1 m)
NF-Kabel Vovox IC Balanced
Konfektionierung: mit XLR-Steckern
Preis: 160 Euro (2 x 1 m)
Lautsprecherkabel Vovox LS Single Wiring
Konfektionierung: mit Bananensteckern
Preis: 165 Euro (2 x 2,5 m)
Netzkabel Vovox Power
Preis: 105 Euro (1 m)
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