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Van den Hul D-502 Hybrid

Analoge Feinkost aus den Niederlanden

Text von: Stefan Fahrnholz

Die Tonabnehmer des Niederländers Aalt van den Hul gehören schon seit jeher zu den audiophilen Leckerbissen. Namen wie „Grasshopper“, „The Frog“ oder „DDT“ zergehen auf der Zunge. Und auch das breit gefä­cher­te Kabelprogramm des Holländers hat einige Schmankerl zu bieten.

Das D-502 Hybrid ist bereits ein Oldie auf der Speisekarte und zählt beispielsweise bei SME seit 1987 zum serienmäßigen Lieferumfang der prestigeträchtigen Tonarme vom Typ V. Entwickelt zur Blütezeit der Analogtechnik, ist es immer noch auf der Höhe der Zeit. Die zweipolige, mit der Bezeichnung „D-501 Hybrid“ auch als einpolige Version lieferbare, symmetrisch aufgebaute schwarze Leitung ist hochflexibel. Dadurch eignet sich das Kabel auch hervorragend für Subchassis-Laufwerke, da durch die enorme Elastizität deren Schwingverhalten nicht beeinträchtigt wird. Zwischen den beiden Polen verläuft ein separater, dünner Stahldraht, der hauptsächlich zur Stabilisierung dient, aber auch als Masseleiter verwendet werden kann. Die Leiter selbst bestehen aus 19 einzelnen hochreinen, mechanisch versilberten Kupferlitzen. Diese sind mit einem L.S.C. („Linear Structured Carbon“) genannten Karbongeflecht ummantelt. Dieser als „Hybrid“ bezeichnete Aufbau soll verhindern, dass die Leitfähigkeit von Metall, insbesonders bei niedrigen Pegeln, alterungsbedingt abnimmt. Das Ganze verläuft zwecks mechanischer Beruhigung in einem Bündel Kunstfasern, darüber liegt die elektrische Schirmung, die wiederum aus versilbertem Kupfer plus L.S.C.-Mantel besteht. Für die äußere Isolierung schließlich kommt ein besonderer Werkstoff namens Hulliflex zum Einsatz. Dieses Material absorbiert im Gegensatz zu normalem PVC keine elektrische Energie und ist außerdem halogenfrei, was nicht zuletzt der Umwelt zugute kommt. Das Kabel ist auch als Meterware erhältlich und durch seinen Aufbau relativ leicht selbst zu konfektionieren, so dass man hier auf Stecker eigener Wahl zurückgreifen kann. Selbst der schwer zu lötende fünfpolige SME-Stecker, für mich der Beste auf dem Markt, kann mit Übersicht und Ruhe bewältigt werden, die Außendurchmesser des Kabels passen perfekt zu den Aussparungen am Steckergehäuse!

Van den Hul D-502 Hybrid

Nun gut, das Rezept hört sich ja recht vielversprechend an, aber mundet es auch? Als Amuse-Gueule: Johnny Cash’s musikalisches Vermächtnis A Hundred Highways. Aufgenommen in dem Wissen um seinen baldigen Tod, klingt die sonore Stimme des Altmeisters bereits brüchig und schwach. Cash steht klar umrissen im Raum, die Bässe kommen straff und exakt konturiert, ohne aufzudicken. Dann die Hauptspeise: „Steady As She Goes“ von den Raconteurs, der Indie-Supergroup um White-Stripes-Mastermind Jack White. Staubtrockenes Schlagzeug am Anfang des Stückes, verzerrte und übersteuerte Gitarren und über allem der heisere Gesang von White, die Dynamik und Rohheit der Aufnahme wird hier sehr gut vermittelt. Zum Dessert etwas Ruhigeres: Kenny Burrell’s „Midnight Blue“, der Jazzklassiker des Ausnahmegitarristen aus dem Jahre 1963 in der perfekt gemasterten 45er-Blue-Note-Faksimileedition. Die Saiten flirren, die Finger tanzen über das Griffbrett, die mit dem Besen bearbeiteten Becken klingen sauber aus. Der Klang perlt leicht und luftig aus den Lautsprechern, man vergisst die Technik und taucht völlig in die Musik ein.

Alles in allem tendiert der Klang leicht in Richtung Höhenbetonung bei einer sehr ausgeprägten Feinauflösung. Das 502er sollte also nicht unbedingt mit einem bassschwachen Tonabnehmer kombiniert werden, da sonst die höheren Lagen schnell eine Spur zu aufdringlich werden könnten. Mit meinem Denon DL-103, einem weiteren Analogklassiker, geht das van den Hul eine perfekte Symbiose ein. Aber auch andere Tonabnehmer, die sehr dynamisch zu Werke gehen, wie zum Beispiel ein Dynavector 10X5 oder ein Decca London, werden sich mit dem van den Hul 502 auf Anhieb verstehen. Übrigens, wer bereit ist, etwas mehr für seine Phonoverbindung auszugeben, für den haben die Niederländer noch das D-501 Silver Hybrid im Angebot, eine Version mit massiven Silberleitern, ansonsten ist der Aufbau identisch mit dem des 502er.

Und das Fazit? Ganz klar: feinste Analogkost für alle Gourmets zum Fastfood-Preis!

Produktinfo

Phonokabel Van den Hul D-502 Hybrid Phono

Kabelaufbau: symmetrisch; Leiter und Schirm aus großkristallinem, versilbertem Kupfer, Alu-Schirm

Kabelaußenmaß: 9,8 x 4,7 mm

Widerstand: 113 Ω/m

Kapazität: 75,0 pF/m

Preis: 32 Euro (2 x 1 m, unkonfektioniert)

Kontakt

www.vandenhul.com