Triostyle NF-Kabel und Lautsprecherkabel
Ohne „Philosophie“, aber zu vernünftigen Preisen
Text von: Heinz Gelking
Wer nicht an Kabelklang „glaubt“, ist mit den„hifi-tunes“ 3 eigentlich auf das falsche Magazin abonniert. Doch wie wäre es mit einem Kabel ohne „Philosophie“ und aus Profi-Materialien?
Damit wir uns recht verstehen: Ich bin fest davon überzeugt, dass Kabel einen Einfluss auf den Klang einer HiFi-Anlage haben. Die in den hifi-tunes 3 behandelten Verbindungen unterscheiden sich teilweise erheblich in der Wahl des Leitermaterials, den Querschnitten und dem grundsätzlichen Aufbau. Darum gleichen sich die Kandidaten auch nicht in messbaren Parametern wie Widerstand, Kapazität und Induktivität. Ein NF-Kabel mit dem Leitermaterial Silber und niedriger Kapazität wie das Sun Audio Reference klingt – zumindest für meine Ohren – vollkommen anders als eine NF-Verbindung von TMR mit einer Kupferfolie als Leitermaterial und hoher Kapazität. Und beide Kabel klingen wiederum erheblich besser als die sprichwörtliche Beipack-Strippe mit fest angegossenen Cinch-Steckern. Ich spreche hier übrigens nicht als Blinder von der Farbe, sondern weiß aus eigenem Erleben, wie so ein Beipack-Kabel klingt. Ich bewahre nämlich immer noch eines auf – aus dem Zubehör meines ersten, längst verschrotteten CD-Players … Aber ich gebe zu, dass sich die Frage nach dem Sinn oder Unsinn von Hochpreis-Kabeln auch mir häufig aufdrängt, wenn drei Meter Lautsprecherkabel mehr kosten als der Laptop, an dem ich den Artikel über sie schreibe.
Der Lautsprecherentwickler Andreas Rullmann aus Gladbeck teilt sich einen Vorführraum mit der SAC-GmbH in Essen und stand oft vor einer blöden Situation: Wenn ein Kunde sein Erspartes gerade in ein Pärchen Monoblöcke vom Typ SAC Igel 60 für 1300 Euro oder eine Rullmann’sche Lautsprecher-Entwicklung zum Paarpreis ab 800 Euro gesteckt hatte, wurde es schwierig, wenn es ihm noch an Kabeln fehlte – es gibt kaum gute und preiswerte Kabel am Markt. Um die SAC Igel 60 in einem normalen Wohnzimmer zu nutzen, braucht man schnell mal vier Meter NF-Kabel als Verbindung zwischen der Vorstufe und den kräftigen kleinen Stacheltieren. Und NF-Kabel sind meistens noch teurer als Lautsprecherkabel.

Andreas Rullmann fand eine Lösung abseits der HiFi-Welt. Er bezieht von einem großen Hersteller professioneller Kabel für Studio- und Bühnenanwendungen Rollenware, die er auf den jeweiligen Bedarf seiner Kunden hin konfektioniert. Um seinen Vorlieferanten macht er überhaupt kein Geheimnis; kann ja sowieso jeder am Aufdruck erkennen, dass er von der Firma Sommer Cable beliefert wird. Seine Geschäftsidee besteht nicht im Vertuschen und Umlabeln eines im Einkauf erstaunlich günstigen Massenprodukts von unbestritten hoher Qualität – was dem Anspruch von Rundfunkanstalten an die Betriebssicherheit und die Klangqualität genügt, das sollte in der Heimanwendung zumindest nicht zum Reinfall werden –, sondern darin, aus einer 100-Meter-Rolle Mikrofonkabel rund fünfzig Stereometer NF-Kabel zu machen und sich dabei weniger das Grundmaterial als die Arbeit, nämlich das Konfektionieren mit Steckern, bezahlen zu lassen.
Beim NF-Kabel fiel seine Wahl auf das eigentlich als Mikrofonkabel gedachte Galileo 238 von Sommer Cable. Es verfügt über zwei Adern aus Kupferlitze in OFC-Qualität (das bedeutet: „sauerstoffrei“) mit einem Querschnitt von 0,38 Quadratmillimetern, die in PVC eingebettet und mit einem doppelten, gegenläufigen Wendelschirm ausgerüstet sind. Einschließlich brauchbarer Cinch-Stecker kostet das NF-Kabel fix und fertig als Stereometer gut 40 Euro, für jeden weiteren Stereometer kommen gerade einmal 6 Euro dazu.
Als Lautsprecherkabel setzt Andreas Rullmann das Eclipse SPQ 240 von Sommer Cable ein. Dessen beide Leiter haben einen Querschnitt von je vier Quadratmillimetern und bestehen aus feinen, eng verseilten Kupferlitzen, ebenfalls in OFC-Qualität. Beim Lautsprecherkabel kostet der Stereometer rund zehn Euro zuzüglich 32 Euro fürs Konfektionieren – drei Meter zwischen Verstärker und Lautsprechern sind also mit gut 60 Euro überbrückt. Beide Kabel machen mechanisch einen unglaublich guten Eindruck. Sie sind für den harten Bühneneinsatz gemacht, und das merkt man vor allem ihren schlicht-grauen beziehungsweise schlicht-schwarzen Kunststoffummantelungen an. Hier zählt nicht das Design, sondern die Haltbarkeit, auch wenn ein Flightcase mal unsanft auf dem Kabel landet. Nicht besonders gut gefällt mir die Verarbeitungsqualität im Detail. Dass die schwarzen beziehungsweise roten Schrumpfschläuche zur Kennzeichnung der jeweils linken oder rechten Leitung etwas schief und wie mit dem Taschenmesser abgesäbelt aussehen, mindert zwar nicht die Funktion, stört aber einen Perfektionisten ebenso wie der Längenunterschied von vielleicht zwei Zentimetern zwischen linkem und rechtem Kabel. In dem Zusammenhang sollte ich allerdings darauf hinweisen, dass es sich bei den Testexemplaren um Muster aus dem SAC-Vorführraum handelt, die ich Andreas Rullmann für die hifi-tunes 3 mehr oder weniger abgeschwatzt habe. Für Kunden misst er vermutlich genauer als für den Eigenbedarf. Ich hörte die Kabel, fragte nach ihrem Preis, konnte ihn nicht glauben und musste zweimal hinhören – schon hatte ich mein Budget-Thema.

Dies sind die richtigen Kabel für Skeptiker. Wenn nämlich alle Kabel gleich klingen (würden) und sich nur durch den Reibach unterscheiden (würden), den die Stufen der Wertschöpfungskette zwischen der Produktion und dem Kunden machen, dann sind diese Kabel konkurrenzlos gut. Für diese Skeptiker habe ich keine Klangbeschreibung vorgesehen, weil sie ja wissen, dass alle Kabel gleich klingen – also klingen auch diejenigen von Andreas Rullmann wie alle Kabel zwischen Baumarkt- oder Beipackstrippe und TMR Ramses oder Sun Audio Reference. Sie glauben nicht, dass es Leute gibt, die den Einfluss von Kabeln leugnen? Oh doch, die gibt’s. In diversen Internetforen laufen sie frei und unbeleckt von jeder Erfahrung herum. Ich stelle sie mir mit langen Schlappohren vor, auf denen sie beim Musikhören sitzen, und vielleicht auch während sie ihre Tiraden voller Eifer und Sendungsbewusstsein in die Tastatur hauen: „Alle Kabelhersteller sind Betrüger.“ Die anderen Leserinnen und Leser sind eingeladen, die Sache noch einen Abschnitt lang etwas differenzierter zu betrachten.
Erstklassige Kabel transportieren die Signale vom Quellengerät zum Verstärker oder vom Verstärker zum Lautsprecher so verlustarm, dass man als Hörer noch die allerfeinste atmosphärische Schwebung aus einem Aufnahmeraum vermittelt bekommt: Der Widerhall von Klängen an der Rückwand eines Studios oder eine Kopfbewegung des Sängers vor dem Mikrofon oder jenen fein schimmernden Glanz, der auf Orchesterinstrumenten liegen kann wie eine Aura. So etwas überträgt weder das NF-Kabel noch das Lautsprecherkabel von Andreas Rullmann so gut wie die Verbindungen von Harmonix oder TMR – jedenfalls dann nicht, wenn man den Vergleich in einer ziemlich ausgereizten und „auf den Punkt“ gebrachten Anlage vornimmt. Ich will offen sein: Zwischen einem Lindemann 820 SACD-Player und der Vorstufe 830 macht das 40 Euro teure Cinchkabel des Robin Hoods von der Kabelfront keinen Sinn. Da spart man nicht, sondern man verliert – nämlich an Klangqualität, die man beim Kauf des überragenden SACD-Players teuer bezahlt hatte. Allerfeinste Informationen (die mancher für vollkommen unwichtig halten mag, weil sie aus seiner Sicht nicht zum Kern der Musik gehören, sondern zum Drumherum) bleiben ein wenig auf der Strecke. Wenn man Andreas Rullmanns Kabel aber im Zusammenhang mit preisangemessenen Komponenten wie dem (an und für sich fantastischen) 750-Euro-CD-Player Creek Evolution oder einem Vollverstärker vom Typ Marantz PM-14 Mk II nutzt, ergibt sich ein vollkommen anderes Bild: Die „Basics“ stimmen bei Andreas Rullmanns Budget-Offerten nämlich, jene Aspekte, die für das Erlebnis von Musik besonders wichtig sind. Die Musik spielt dynamisch, die Klangfarben sind glaubwürdig, die Ordnung auf der Stereo-Bühne wirkt schlüssig, und vor allem: Nichts nervt – das NF-Kabel setzt sich auch in dieser Hinsicht klar von meiner für solche Versuche in Reserve gehaltenen Beipack-Strippe ab. Auch das Lautsprecherkabel klingt weitaus weniger „raubeinig“ als eine versuchsweise probierte Baumarkt-Strippe: Sänger werden klar fokussiert, ein Schlagzeug kann mächtig Rabatz machen, eine E-Gitarre strahlt Energie in den Raum – aber weniger matschig und weniger polternd als mit 2,5 Quadratmillimeter Kupferlitze im durchsichtigen Plastikschlauch von Obi, Bauhaus, Hornbach oder Praktiker. Neutraler, dynamischer und involvierender spielende Verbindungen wird man zu diesem Preis schwerlich finden.
Produktinfo
Triostyle Lautsprecherkabel
Preis: 9,90 Euro (2 x 1 m), Konfektionierung 32 Euro (einschließlich Hülsenstecker)
Triostyle NF-Kabel unsymmetrisch
Preis: 5,90 Euro (2 x 1 m), Konfektionierung 35 Euro (einschließlich Stecker)
Triostyle NF-Kabel symmetrisch
Preis: 6,70 Euro (2 x 1 m), Konfektionierung 39 Euro (einschließlich Stecker)
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