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TMR Komplettverkabelung

Berliner Verbindungen

Text von: Heinz Gelking

TMR Komplettverkabelung

Fragt man Thomas-Michael Rudolph nach dem Arbeitsgebiet, könnte er das Transportgewerbe nennen. Seine Kabel sollen Signale verlustfrei vom CD-Player über den Verstärker bis zum Lautsprecher bringen – mehr nicht.

Wir werden ihnen in anderen Kapiteln noch begegnen, jenen Entwicklern, die bei Fragen nach Material, Aufbau und Preisgestaltung ihrer Produkte die große Nebelmaschine anwerfen. Der Inhaber der TMR Elektronik GmbH gehört zu den Kabel-Pionieren in Deutschland und verhält sich ganz anders. Darum ist ein Besuch seiner Internetseite (www.tmr-audio.de) oder ein direktes Ge­spräch mit ihm so lohnenswert. Man bekommt kein Marketing-Geschwätz vorgesetzt, sondern Technik, Physik und Praxistipps aus dem HiFi-Alltag. Auch hat er sich einen Spaß ­daraus gemacht, die untereinander widersprüchlichen Kabeltheorien verschiedener Hersteller in einer zum Download angebotenen Datei kommentarlos nebeneinanderzustellen. Das ist wohl eine höhere Form Berliner Humors … Thomas-Michael Rudolph beschäftigt sich seit 1975 professionell mit HiFi und baut derzeit vor allem Kabel und Lautsprecher. Seine Entwicklungsziele definiert er dabei betont nüchtern. Kein „musikalisches“ Ergebnis im Sinne eines Klangideals strebe er an, sondern die Bewältigung eines technischen Problems: Wie transportiere man ein Signal möglichst verlustfrei?

Meine gesamte Anlage ist ab der Wandsteckdose durchgehend mit Kabeln von TMR ausgerüstet, und zwar seit Jahren. Einzige Ausnahme: Das TMR Ramses vertrug sich zwar mit neun von zehn Verstärkern blendend (zuletzt mit dem Lindeman 850 und dem Krell FBI), aber leider nicht mit meinen il Piccolos von SAC. Die Essener Monoblöcke akzeptieren keine Kabel von hoher Kapazität an ihren Lautsprecherklemmen. Eine Schutzschaltung nimmt sie vom Netz, sobald sie die mit 1,3 nF/m enorm hohe Kapazität des TMR Ramses erkennt. Ich empfehle, sich bei Zweifeln an der Kompatibilität des TMR Ramses mit vorhandenen Verstärkern an Thomas-Michael Rudolph zu wenden. Er hält neuerdings eine Lösung für solche Fälle bereit; die stand mir aber erst am Ende dieses Kabeltests zur Verfügung.

TMR Komplettverkabelung

Das TMR Ramses besteht aus zwei mal zwei parallel geschalteten Kupferfolien von 0,07 Millimeter Stärke. Das hauchdünne Leitermaterial wird geschliffen und lackiert und an­schließend – wie eine Mumie, darum: Ramses – schichtweise in ein Dielektrikum gepackt. Zur Gewährleistung von Stabilität und Biegsamkeit werden die Schichten aus Leitermaterial und Dielektrikum von außen noch einmal umwickelt und gepresst sowie zum Schutz vor Beschädigungen mit einem schwarzen Gewebeschlauch versehen. Was das Dielektrikum angeht, fängt der sonst so offene Thomas-Michael Rudolph auf einmal doch ein wenig an zu mauern. Ich kriege nur heraus, was man im Internet sowieso lesen kann, nämlich dass dieses Dielektrikum aus einem Naturmaterial besteht, das eine bessere Dielektrizitätszahl als Teflon oder Teflonschaum besitzen und einen sehr hohen Luftanteil haben soll. Das von mir genutzte TMR Ramses ist beidseitig mit Gabelschuhen aus verzinntem Kupfer ausgestattet, worin die Kupferfolie als Leitermate­rial eine konsequente Fortsetzung erfährt. Stecker aus hartver­goldetem Messing lehnt Thomas-Michael Rudolph dagegen ab: „Die kosten mehr und klingen schlechter und sehen allenfalls besser aus. Meine Kunden kaufen Kabel zum Hören, nicht zum Gucken.“ Tatsächlich werden die verzinnten Gabelschuhe aus weichem Kupfer mit der Zeit etwas unansehnlich, weil sie anlaufen und aus der Form geraten. Man bekommt das TMR Ramses aber auch mit massearmen Bananensteckern oder Speakon-Steckern von Neutrik. Warum ist das TMR Ramses so teuer? – Weil der Bau eines Kabels vom Anschleifen der Leiterfolie bis zum Überziehen mit dem schwar­zen Gewebeschlauch anderthalb Tage dauert, wie Thomas-Michael Rudolph sagt.

Vom TMR Ramses gibt es auch eine Version für die Verbindungen zwischen Geräten. Sie unterscheidet sich hinsichtlich der Materialien und des Aufbaus kaum vom Lautsprecherkabel, allerdings kommen bei diesen NF-Kabeln nur zwei (statt vier) Folien zum Einsatz. Die Cinch-Version ist mit massearmen Eichmann Bullet Plugs ausgerüstet, die XLR-Version mit Steckern von Neutrik.

Im Vergleich zum Lautsprecherkabel sind die Netzkabel von TMR verhältnismäßig günstig, weil sie nicht „von Hand“ hergestellt, sondern in Berlin nur konfektioniert werden. Das Material, also Stecker und Leitung, kommt von Zulieferern. Ich nutze das einfachste Modell mit der Bezeichnung TMR NK 2 für alle meine Komponenten – nur die SAC En­trata Disco fällt wegen ihres externen Steckernetzteils und ein alter Sansui-Tuner wegen seines festen Netzkabels heraus. Das TMR NK2 ist mit guten Schuko- und Kaltgeräte-Steckern ausgestattet. Seine Leitung besteht aus drei mit Ferritpaste umgebenen, 2,5 Millimeter starken Litzen aus Kupfer, die wiederum von einem Schirm aus Aluminium-Polyester umgeben sind. Das Kabel dient auch als Zuleitung für die Netzleiste TMR STL 7as. Sie besteht aus einem robusten Metallgehäuse mit sieben Steckplätzen, die über 13 Millimeter starke Kupferleitungen miteinander verbunden sind. Thomas-Michael Rudolph setzt eine Schutzleiterschiene mit dem enormen Querschnitt von 18 Millimetern ein; davon verspricht er sich einen optimalen Potenzial­ausgleich. Schon beim Grundmodell TMR STL 7a sind jeder Dose verlustarme MKP-Impulskondensatoren, die parallel zum Netz liegen und den Stromfluss nicht beeinträchtigen sollen, als Filter zur Entstörung vorgeschaltet. Im Unterschied dazu verfügt die ­teurere TMR STL 7as über eine zusätzliche asymmetrische Filterung mit Keramikkondensatoren.

Dr. Uwe Heckers und ich haben eine Arbeits­teilung vereinbart, bei der ich gar nicht erst versuchen muss, die technisch-physikalischen Erklärungen der Hersteller nachzuvollziehen. Das kann der Naturwissenschaftler im hifi-tunes-Team nämlich viel besser. Ich beschränke mich auf meine (Klang-)Erfahrungen aus dem Alltag – und habe im Falle TMR gleich ein Problem. Es fällt mir nämlich nicht leicht, mich noch einmal in jene Situation einzufühlen, in der ich mich mit meiner Anlage „vor TMR“ befand. Ich betrieb ein Sammelsurium im einzelnen gut bis hervorragend beleumundeter Kabel verschiedener Hersteller, beginnend bei einer Steckdosenleiste von Music Line und endend im Blue-Reference-Lautsprecherkabel von Lua, bei Lautsprechern mit Bi-Wiring-Terminals gerne auch in das knallgelbe SC42 aus dem Zubehörprogramm von Rega mündend. Soll ich alles dahin „zurück“bauen und mich einen Monat lang eingewöhnen, um dann, wie zum ersten Mal, nach und nach die TMR-Kabel einzuschleusen? – Das geht erstens gar nicht und zweitens will ich nicht wochenlang schlechter Musik hören als gewohnt. Aber eigentlich befinde ich mich gerade in einer guten Ausgangslage, um die TMR-Kabel zu beurteilen. Seit dem Sommer hatte ich viele verschiedene Verstärker und Quellengeräte in meiner Anlage, von denen einige an Kabeln spielten, die der Hersteller empfohlen hatte (Lindemann) oder die man wegen proprietärer Anschlussbuchsen sowieso nicht tauschen konnte (Krell). Kurz­um, die Verkabelung meiner Anlage war nicht so ein Sammelsurium wie früher, vor „durchgehend TMR“, aber irgendwie doch ganz schön durcheinandergeraten. Und viel teurer war es inzwischen geworden …

Thomas-Michael Rudolph verspricht keine Filterwirkung der Netzleiste TMR STL 7as sowie der Netzkabel TMR NK 2 gegenüber Verschmutzungen des aus dem Netz eingehenden Stroms – die Filterwirkung der Netzleiste verhindere lediglich eine Neueinstrahlung durch die angeschlossenen Komponenten. Dennoch würde ich die Wirkung einer Stromversorgung per TMR-Zuleitungen mit genau diesen Begriffen und Bildern beschreiben: Das Klangbild wirkt wie gefiltert und vom Schmutz befreit. Die Musik erscheint ruhiger und besser strukturiert. So erlebe ich es heute. Ich erinnere mich aber auch an meine Ratlosigkeit vor vielen Jahren, als ich die ersten Netzkabel von TMR in meine damalige Anlage einschleuste: Für mein Empfinden klang alles etwas dumpfer und weniger brillant als vorher. Während ich den Schritt zur TMR-Verkabelung heute Morgen noch einmal zurückgehe, indem ich wie damals die Berliner Leiste anschließe und ein Kabel nach dem anderen gegen das TMR NK 2 austausche, wird mir klar, worin bei meinem ersten Kontakt mit den TMR-Kabeln das Problem lag: Ich verband „besser hören“ mit „mehr hören“ – mehr Details und mehr Informationen nämlich. Langjährige Leser wissen, dass ich ein kleiner Auflösungsfetischist bin … Außerdem empfand ich das Klangbild mit den TMR-Zuleitungen als arm an Hochtonenergie – matt irgendwie. Doch innerhalb weniger Tage wendete sich das Blatt (durch Begreifen und nicht durch Gewöhnung – da bin ich mir sicher!), und ich erlebte zum ersten Mal, dass „besser hören“ auch „weniger hören“ bedeuten kann – weniger Fehler nämlich, weniger Aufdringlichkeit, weniger Pseudo-Dynamik. Dabei musste ich nicht auf die winzigste Information verzichten – das hätte ich auch gar nicht akzeptiert. Heute empfinde ich viele Kabel als vorlaut, ganz so, als hätten ihre Entwickler es darauf angelegt, mich mit dem Firlefanz eines poppigen, neonbunten, nach vorne platzenden Spektakels einzuschüchtern. Wenn meine gesamte HiFi-Anlage ihren Strom über TMR-Komponenten bezieht, erscheint mir das Klangbild enorm balanciert, farbsatt, detailreich und dynamisch, und was ich damals für wenige Tage als etwas „mumpfig“ empfand, verstehe ich jetzt als einen klanglichen Hintergrund, der frei von Irritationen und Artefakten ist und darum so schwarz und leer wie der Weltraum wirkt. Die natürlichen Farben der Musik kommen darin umso schöner zur Geltung. Wer sich selbst mit den TMR-Zuleitungen beschäftigen will (und sie sind schon wegen ihrer Preise ein einfacherer Einstieg in die Kabelwelt des Berliner Herstellers als das teure TMR Ramses), der sollte diesen Tipp mit auf den Weg nehmen: Lassen Sie sich Zeit. Probieren Sie Kabel und Leiste eher zwei Wochen als zwei Tage lang aus.

Auch im NF-Kabel (hier die Ausführung mit XLR-Steckern) setzt Thomas-Micha- el Rudolph auf Kupferfolie als Leitermaterial

TMR gehörte zu den ersten Herstellern in Deutschland, die Cinchkabel serien- mäßig mit metallarmen Bullet Plugs von Eichmann ausstatteten

Die Kupferfolien im Lautsprecherkabel Ramses sind hauchdünn, erfordern aber eine ziemlich breite Bauweise

Im Vergleich zu den Stromzuleitungen war mir die Qualität des TMR Ramses von Anfang an klar. Es überzeugte mich unmittelbar. In meiner Anlage bewirkte es nämlich eine un­überhörbare Erweiterung des Frequenzbereiches nach unten. Ich würde den Zugewinn an Durchzeichnung und Farbwerten, den man beim Umstieg von einem guten und bezahl­baren Lautsprecherkabel wie dem Lua Blue Reference auf das TMR Ramses erzielt, ohne Zögern mit dem Austausch von Endstufen gegen das nächstgrößere Modell vergleichen. Aber es wäre nicht nur der phänomenale Bass­bereich erwähnenswert, denn beim TMR Ramses tritt kein Frequenzbereich gegenüber dem anderen hervor – alle sind voller Details und Energie. Mir macht das Hören mit dem TMR Ramses dabei vor allem so viel Spaß, weil diese Informationsfülle niemals vor­dergründig und hektisch wirkt. Und auch wenn man Farben grammatisch nicht steigern kann – akustisch kann man es offenbar schon: Mit dem TMR Ramses als Lautsprecherkabel und NF-Leitung wirkt das Schwarz des Hintergrunds noch einmal – tja, schwärzer? – wie zusätzlich entstört und von weißem Bildschirm-„Schnee“ gereinigt, und Instrumente und Sänger werden enorm griffig dort hineinprojiziert.

Doch Vorsicht! – Thomas-Michael Rudolph liegt vollkommen richtig, wenn er dem Kabel jede Kompensationsfunktion abspricht und es nur für HiFi-Anlagen empfiehlt, die selbst nahezu fehlerlos spielen. Mich hat das TMR Ramses in der Vergangenheit vor allem in offen, detailreich und neutral spielenden HiFi-Ketten überzeugt. Andere Elektronik überfordert man mit dem unbestechlichen TMR Ramses fast, und einem einfachen CD-Player bekommt ein gnädig-warm abgestimmtes Kabel ebenso besser wie ein scheinbar schnell und dynamisch klingendes Kabel einem schwachbrüstigen Verstärker wirkungsvoll Leben einhauchen mag. Dass man sich dabei immer auch ein wenig belügt, steht auf einem anderen Blatt. Während der vergangenen Jahre verschwanden die Kabel von Thomas-Michael Rudolph immer dann aus meiner Wahrnehmung, wenn in meiner Anlage von den Quellengeräten bis zum Lautsprecher gerade alles passte. Besseres lässt sich über ein Kabel nicht sagen, als dass man es vergessen kann.

Produktinfo

Netzleiste TMR STL 7as

Abmessungen: 616/60/40 mm (L/B/H), Zuleitung 1,5 m

Preis: 363 Euro

Netzkabel TMR NK 2

Konfektionierung: mit verschiedenen Steckern und in jeder gewünschten Länge lieferbar

Preis: 56 Euro (1 m), jeder weitere Meter 24 Euro

NF-Kabel TMR Ramses NF

Preis: 567 Euro mit Cinch-Steckern (2 x 1 m),

670 Euro mit XLR-Steckern (2 x 1 m)

Lautsprecherkabel TMR Ramses LS

Konfektionierung: mit Bananensteckern, andere Steckverbindungen möglich

Preis: 1648 Euro (2 x 3 m)

Kontakt

www.tmr-audio.de