Tara Labs NF- und Lautsprecherkabel
Sein Name ist Bond. Matthew Bond
Text von: Uwe Heckers

Matthew Bond ist Gründer und Vizepräsident von Tara Labs Incorporated. Anstatt wie sein berühmter Nachnamens-Vetter Wodka-Martinis zu schlürfen, mit todschicken Frauen in teuren Casinos Geld zu verprassen oder mit edlen Luxussportwagen durch die Pampa zu kacheln, beschäftigt er sich mit den unterschiedlichen Einflüssen auf Kabel und ihrer Bedeutung für den Klang.
Der Australier Matthew Bond gründete 1984 die Tara Labs Inc. Mittlerweile sitzt die Firma in Ashland (Oregon) und bietet ein sehr umfangreiches (und ziemlich unübersichtliches) Sortiment an, das von preisgünstigen
NF-Verbindungen und Lautsprecherkabeln für den HiFi-Einsteiger bis hin zu exorbitant teuren Strippen der Aston-Martin-Klasse reicht. Der Vergleich mit Aston-Martin-Automobilen ist hier durchaus angebracht, denn – und jetzt halten Sie sich bitte fest – zweimal acht Fuß (2,44 Meter) des Omega, des teuersten Lautsprecherkabels von Tara Labs, kosten läppische 15900 Euro. Wenn Sie dann noch ein paar Sparstrümpfe von Oma im Nachlass gefunden haben, können Sie auch gleichzeitig einen Meter des entsprechenden NF-Kabels (The Zero) für sagenhafte 19900 Euro mit dazubestellen. Nun, man gönnt sich ja sonst nichts …
Jetzt wird bestimmt dem einen oder anderen Leser die Zornesröte ob dieser Maßlosigkeit ins Gesicht steigen. Kann denn ein Kabel so aufwendig gefertigt und klanglich so hervorragend sein, dass es derart viel Geld wert ist? Die Frage kann ich auch nicht beantworten; ich habe es weder gesehen noch gehört. Aber es ist schon ein gewisses Maß an Ironie im Spiel, wenn
man – wie im Falle des Zero – besonders viel Geld für im wahrsten Sinne des Wortes nichts ausgibt. Denn das verwendete Dielektrikum, das die Leiterbahnen voneinander trennt, ist ein Vakuum, sozusagen das Nichts. Ein Vakuum dürfte innerhalb eines Kabels nicht so einfach herzustellen, geschweige denn dauerhaft zu halten sein, und das kann zumindest ansatzweise den Preis erklären.
Die Spectrum-Serie ist eine der Einsteigerklassen von Tara Labs. Ich habe mir das Prism Spectrum 1a (NF) und das Prism Helix 6 (LS) herausgesucht, da in ihnen schon einige wesentliche der konstruktiven Merkmale der größeren Serien verwirklicht werden. Die bestehen in der Verwendung so genannter Solid-Core-Leiter (also massiver Drähte) und deren optimierter Anordnung mit möglichst großem Abstand zueinander, wobei man das Dielektrikum Luft durch hohle Röhren maximal ausnutzt. Auf das letztere Feature muss man freilich im Spectrum 1a noch verzichten. Sein Leitermaterial besteht aus drei schraubenförmig umeinanderlaufenden speziellen Solid-Core-Drähten aus hochreinem Kupfer (99,999999 Prozent), die nach dem von Tara Labs patentierten „Super Annealed“- Verfahren hergestellt werden. Es handelt sich dabei um eine Wärmebehandlung, um definierte physikalische Eigenschaften im Material zu erzeugen. Im Spectrum 1a liegen zwei Leiter auf Masse, während auf eine weitere Schirmung des hellgrauen Kabels verzichtet wird. Die Cinch-Stecker sind vergoldet und von ordentlicher Qualität.

Tara Labs RSC Vector 1 LS

Tara Labs Prism Spectrum 1a

Tara Labs RSC Vector 1 RCA

Tara Labs Prism Helix 6
Wie der Name schon verrät, tummeln sich im Lautsprecherkabel Prism Helix 6 gleich sechs Solid-Core-Drähte, die sich wie eine Spirale um eine mit Luft gefüllte Teflonröhre winden. Die Leiter sind in der Weise angeordnet, dass drei nebeneinanderliegende Signalleiter auf jeder Seite mittels drei nicht leitenden „Spacern“ (Abstandshaltern) von den Masseleitern räumlich getrennt werden. Der Kunde muss zusammen mit seinem Händler beim Kauf die Entscheidung treffen, ob er lieber Bananenstecker oder Kabelschuhe benutzen möchte. Das Kabel wird nämlich als Meterware unkonfektioniert geliefert und erst durch den Händler in die endgültige Form gebracht. Es widerspricht zwar dem konstruktiven Grundgedanken des Helix 6, aber denkbar wäre auch, dass man dieses Kabel für Bi- oder gar Tri-Wiring als eine elegante „Ein-Kabel-Lösung“ verwendet, indem man halt verstärkerseitig nur ein Paar, lautsprecherseitig aber bis zu drei Paar Stecker anlöten lässt. Dann schlängelt sich nur jeweils ein dunkelgrauer und mäßig dicker Schlauch hinter jeder Box hervor.
Die RSC-Serie ist schon deutlich teurer. So kostet ein Meter des RCA-Kabels 396 Euro. Die circa zweieinhalb Meter fertig konfektionierter Lautsprecherkabel schlagen mit 1990 Euro zu Buche. Nicht gerade wenig, aber man bekommt auch mehr Kabel fürs Geld. Obwohl, eigentlich stimmt das nicht. Denn im NF-Kabel Vector 1 sind nur zwei Leiterbahnen anstatt derer drei wie im Spectrum 1a. Der Grund liegt darin, dass die beiden Kabel sich wie eine Spirale um einen Hohlleiter winden, dabei aber zueinander immer einen rechten Winkel einhalten. Auf diese Weise sollen sowohl möglichen Störeinflüssen zwischen Signal- und Masseleiter begegnet werden als auch die Empfindlichkeit gegenüber Störungen von außen verringert werden. Ansonsten sieht das Vector 1 dem Spectrum 1a auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich. Es hat halt einen größeren Querschnitt und ist statt mit einem grauen mit einem weißen Gewebeschlauch versehen. Auch die Cinchstecker sind aufwendiger. Sie können durch Verdrehen der äußeren Hülse wirklich bombenfest über den Buchsen der Geräte arretiert werden.
So richtig highendig kommen die Vector-1-Lautsprecherkabel daher. Hier wird für jeden Leiter bereits ein eigener, goldfarbener Schlauch verwendet, der von einem schwarzen Netzschlauch umgeben ist. Die Optik erinnert ein wenig an eine „Plasmaleitung“ aus einem Sciencefiction-Film … Zumindest ist das Kabel ähnlich komplex aufgebaut, wie man sich Energieleitungen in Raumschiffen der Zukunft wohl vorstellt. Insgesamt laufen 24 einzelne Solid-Core-Kabel um einen luftgefüllten Hohlleiter aus Teflon. Am Kabelende befinden sich spezielle Steckhülsen von Tara Labs, die es gestatten, ganz nach Bedarf entweder Bananenstecker oder Kabelschuhe aufzuschrauben. Eine sehr praxisgerechte Lösung, denn das Kabel kann aufgrund seiner Komplexität nur konfektioniert angeboten werden. So einfach sind 24 Einzelleiter eben nicht perfekt zu verlöten, als dass man diese delikate Angelegenheit einem Händler überlassen möchte.
Ich habe mir zuerst die Produkte aus der Spectrum-Serie angehört und anschließend auf die Vector-Linie umgeschaltet. Macht man das, stellt man einen eindeutigen Familienklang fest. Den würde ich mit sehr offen, transparent und schnell beschreiben wollen. Dies scheinen Eigenschaften der Solid-Core-Technik zu sein, da man nämlich sehr ähnliche klangliche Eigenschaften zum Beispiel auch bei den Produkten von Vovox entdecken kann – allerdings mit unterschiedlichen Nebenwirkungen.
Im Vergleich des Spectrum 1a mit meinen bisherigen NF-Kabeln gewinnt das Klangbild an Durchzeichnung, die Frequenzenden werden quasi hörbar und die räumliche Abbildung gewinnt an Größe. Die mittleren Tonlagen werden dabei nicht vernachlässigt, und somit kommen auch Stimmen besser akzentuiert herüber. Dieser Effekt verstärkt sich noch drastisch, wenn auch das Helix 6 zwischen Verstärker und Lautsprecher gesteckt wird. Dass diese Wirkung so drastisch ausfällt, hängt wohl damit zusammen, dass meine bisherigen Lautsprecherkabel offenbar gar nicht in meine Anlage passten. Wen wundert es, habe ich mich doch bisher so rein privat um das Thema Kabelklang gerne herumgedrückt. Aber es lässt sich nicht wegdiskutieren: Da passiert etwas.
Die teureren Vectoren aus der RSC-Serie von Tara Labs können es freilich noch um ein gutes Stück besser. Vor allem der Raum macht noch weiter auf, und man erliegt der Illusion, auch einzelne Staubflöckchen in den hintersten Ecken eines Konzertsaales hören zu können. Jaja, ich weiß. Ein zweifelhaftes sprachliches Bild, denn wen interessiert schon, ob das Reinigungspersonal irgendwo Wollmäuse vergessen hat … Aber dieser große, offene, detaillierte Raum ist schon eindrucksvoll und – jawohl – es macht Spaß, sich in diesen unendlichen Weiten zu verlieren.
Gleichzeitig scheint es so zu sein, als würde einzelnen Tönen mehr Zeit und Raum gegeben werden, um genauer und scheinbar länger an- wie auszuklingen. Natürlich ist dieser Effekt nicht mit einer Stoppuhr zu messen. Solche zeitlichen Unterschiede liegen schließlich innerhalb von Zeitfenstern, die deutlich kleiner als die menschliche Reaktionszeit sind. Ich stelle mir die Erklärung für diesen Effekt so vor, dass gute Kabel – und die Tara Labs gehören für mich dazu – einfach besser in der Lage sind, kleinste elektrische Ströme fehlerfreier zu übertragen als einfachere Strippen. Und deshalb kommen feinste Ausschwingvorgänge deutlicher herüber.
Verwendet man sowohl Lautsprecher- als auch NF-Strippen, homogenisiert sich das Klangbild. Das gilt auch, wenn man die konzeptionell ähnlichen Kabel aus unterschiedlichen Produktreihen von Tara Labs verwendet. So kann man ohne Weiteres das NF-Kabel Vector 1 mit dem LS-Kabel Prism Helix 6 kombinieren, ohne dass Inhomogenitäten auftreten.
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Die Kabel der Vector-Serie sind sehr ehrlich, beschönigen tun sie nichts. Das heißt aber auch, dass sie dem Hörer die eventuell vorhandenen Unzulänglichkeiten der Kette ziemlich unverblümt um die Ohren hauen. Aber da man ja davon ausgehen kann, dass Interessenten für die Produkte aus der Vector-Linie auch schon eine qualitativ hochwertige Anlage besitzen, sollte sich das Risiko, einen Fehlkauf zu tätigen, in Grenzen halten. Das Spectrum 1a und Helix 6 kann man dagegen guten Gewissens auch Besitzern von kleinen, aber feinen Anlagen empfehlen. Und mit nur 89 Euro für einen Stereometer kann man dem Spectrum 1a schon so etwas wie einen Best-Buy-Aufkleber verpassen. Es muss also nicht immer die Aston-Martin-Klasse sein!
Produktinfo
NF-Kabel Tara Labs Prism Spectrum 1a
Konfektionierung: mit Cinch-Stecker (nicht als XLR-Version)
Preis: 89 Euro (2 x 1 m, erhältlich von 0,6 bis 2 m)
Lautsprecherkabel Tara Labs Prism Helix 6
Preis: 44 Euro (2 x 1 m, unkonfektioniert)
NF-Kabel Tara Labs RSC Vector 1 RCA
Preis: 396 Euro (2 x 1 m; lieferbar von 0,6 bis 3 m), 492 Euro als XLR-Version (2 x 1 m)
Lautsprecherkabel Tara Labs RSC Vector 1 LS
Konfektionierung: je nach Wunsch mit Bananensteckern oder Kabelschuhen
Preis: 1990 Euro (8 Stereofuß = 2 x 2,44 m), jeder weitere Stereofuß (0,31 m) 160 Euro
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