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Sun Wire Phono Reference

Minimale Kapazität, maximale Schirmung

Text von: Heinz Gelking

Auf die Frage, wie ein Phonokabel beschaffen sein muss, gibt es so viele, sich teils widersprechende Antworten wie Hersteller. Das Sun Wire ­­Pho­no Reference spielt seit über zehn Jahren vorn mit und bestätigt ­damit die Argumente seiner Entwickler …

… und die gehören – ebenso wie TMR und HMS – nicht zu den Nebelwerfern, welche bei Fragen nach der Materialauswahl und nach Konstruktionsmerkmalen auf Betriebsgeheimnisse verweisen oder mit Histörchen antworten. Nein, Philipp Krauspenhaar von Sun Audio ist ein Mann der Fakten, und er zieht ganz einfach eine detaillierte Schnittzeichnung aus den Tiefen der Festplatte seines Computers, während er am Telefon sagt: „Ich schicke die Infos jetzt per Mail. Wenn du noch weitere Fragen hast – ruf einfach an!“ Krauspenhaar kann sich diese Offenheit leisten, weil er richtig Ahnung hat. Der Münchner ist ein wandelndes Physikbuch, ach was: eine wandelnde elektrotechnisch-physikalische Bibliothek. Dass Vertriebsleute mit Verstärkerentwicklern „auf Augenhöhe“ über Platinenmaterialien und ähnliche Details fachsimpeln können, dürfte ziemlich einmalig sein. Krauspenhaar kann’s.

Bei der Materialauswahl und dem Aufbau des Sun Wire Phono Reference sind die Entwickler dem Grundsatz gefolgt, dass sich alles dem optimalen und ungestörten Signalfluss unterordnen müsse. Was braucht man? Zuerst einmal ein exzellentes Leiter-Material. Das Sun Wire Phono Reference besitzt zwei massive Reinsilber-Leiter. Silber hat einen noch geringeren Widerstand als Kupfer; es ist das beste Leitermaterial der Welt. Dann benötigt man ein sehr gutes Dielektrikum – im Sun Wire Reference Phono kommt Gore-Tex-Teflon mit einem hohen Luftanteil zum Einsatz, weil Luft eine noch niedrigere Dielektrizitätszahl als Teflon hat und dem Vakuum mit der optimalen Dielektrizitätszahl von eins bis auf Nachkomma-Stellen nahe kommt. Außerdem besitzt das Sun Wire Phono Reference eine extrem niedrige Kapazität; seine Entwickler nehmen in diesem Punkt eine Gegenposition zu TMR ein.

Sun Wire Phono Reference

Gerade die schwachen Phonosignale müssen besonders effektiv gegen Einflüsse von außen geschützt werden, wie die Entwickler meinen. Dazu dienen beim Sun Wire Phono Reference gleich mehrere Schichten. Zunächst einmal soll eine versilberte Kupferfolie eine Abschirmung gegen elektrische Felder bewirken. Darum herum befindet sich eine weitere Schicht aus kohlenstoffdotiertem Teflon, die vor allem das Eindringen der hochfrequenten Strahlungen von Mobiltelefonen verhindern soll. Die nächs­te Schicht, nämlich ein Mu-Metall-Schirm, soll das Eindringen magnetischer Störfelder verhindern. Eine weitere Teflonschicht, die zum Schutz gegen mechanische Beschädigungen mit einem Polyurethan-Mantel umgeben ist, bildet die Außenhülle. Wer mitgezählt hat, kommt auf sechs Schichten ab Leiteroberfläche.

Den Entwicklern war es wichtig, dass die ausgezeichneten elektrophysikalischen Eigenschaften ihres Phonokabels an den Übergabestellen vom Tonarm und in die Phonostufe nicht ausgebremst werden. Der Fünfpolstecker nach SME-Standard besitzt statt gewöhnlichen Plas­tiks ein Teflon-Dielektrikum und ist mit hochwertigen, vergoldeten Federkontakten ausgestattet. Die Cinch-Stecker sind aus Beryllium-Kupfer, weil dieses Material eine hohe Festigkeit besitzt und hervorragend leitet. Alle Stecker sind an den Kontaktstellen zuerst versilbert (nicht magnetisch und bestens leitend) und zum Schutz gegen Korrosion zusätzlich vergoldet. Die Konfektionierung des Sun Audio Phono Reference erfolgt ausschließlich durch Sun-Audio-Mitarbeiter und mit speziellem Silberlot.

Das Kabel ist trotz seines mehrschichtigen Aufbaus sehr flexibel und soll darum auch hervorragend für Subchassis-Plattenspieler geeignet sein – kein Wunder, gehört doch der meis­tens mit einem Oracle-SME-Tonarm aus­gestattete Oracle Delphi Mk V aus dem Vertriebsportfolio der Münchner zu den letzten Subchassis-Konstruktionen, die der Allgegenwart von Masselaufwerken in der Top-Liga noch Paroli bietet. Ich erinnere mich noch gut daran, wie groß der Sprung in der Klangqualität meines Transrotor Orfeo Doppio war, als ich vom Standardkabel des SME 3500 zum Sun Wire Phono Reference wechselte. Das Klangbild war detailreicher, dreidimensionaler und viel dynamischer.

Sun Wire Phono Reference

Während der Jahre habe ich das Sun Wire Phono Reference dann immer besser kennen und schätzen gelernt. Es unterscheidet sich tonal ein wenig von Kupferkabeln und verleiht bei Orchestermusik vor allem Instrumenten in mittlerer und hoher Lage eine faszinierende Präsenz. So erhebt sich beispielsweise eine Querflöte gleichsam wie freigeschält vor dem Streicherteppich und entfaltet ihre ganze Anmut. Noch die allerfeinsten Nuancen in der Tonerzeugung werden von diesem ungeheuer durchlässig und detailreich klingenden Phonokabel transportiert – übrigens auch bei ausklingenden Becken oder Klaviersaiten. Im Bass­bereich, wo manches teure Phonokabel eine Extraportion an Tiefe und Schwärze im Klangbild nachreicht, ganz so, als könne es erst dadurch seinen Preis rechtfertigen, da überzeugt mich das Sun Wire Phono Reference mit seiner unbestechlichen Neutralität, seiner perfekten Durchzeichnung und seiner weiten dynamischen Spanne. Weil es auf der betont schlanken, schnellen und spielfreudigen Seite bleibt, passt es hervorragend in HiFi-Ketten, deren übrige Komponenten eher neutral bis dunkel timbriert sind. Mit hell klingenden HiFi-Anlagen oder Tonabnehmern harmoniert es weniger gut. Übrigens, bei Tonarmen mit Cinchbuchsen als Schnittstelle zum Pho­nokabel, beispielsweise den VPI-JMW-Armen, habe ich das normale, mit wendelförmigen Leitern ausgerüstete NF-Kabel Sun Wire Audio Reference ebenfalls schon mit hervorragenden Ergebnissen eingesetzt.

Produktinfo

Phonokabel Sun Wire Phono Reference

Konfektionierung: mit Cinch-Steckern oder Fünfpolstecker (SME-Standard)

Garantiezeit: 5 Jahre

Preis: 650 Euro (75 cm)

Kontakt

www.sunaudio.de