Straight Wire Serenade und Rhapsody-S
Alarm für Cobra Zwölf
Text von: Cai Brockmann

Hat die Feuerwehr was liegen lassen? Gibt’s ein Schlupfloch im Terrarium? Dass Kabel Komponenten sind, zeigt niemand besser als Straight Wire …
Da liegen sie, die glänzenden Schlangen. Ganz ruhig verhalten sie sich. Wahre Prachtexemplare aus dem High-End-Terrarium von Straight Wire. Haben einen wohlfeilen Platz gefunden, sich in die richtigen Buchsen verbissen und möchten von jetzt an nicht mehr gestört werden. Besser also, man lässt die neuen Haustiere in Ruhe. Was einem nicht wirklich schwerfallen sollte, war bis hierhin doch eine gehörige Portion Umsicht angesagt …
Aber nein, der Familienhamster auf Freigang schwebt mit Ankunft dieser Kupferreptilien nicht plötzlich in akuter Gefahr. Vielmehr achte man aufs werte Interieur. Die griffigen Straight-Wire-Strippen sind nämlich, sofern es ihr Besitzer ein wenig an Umsicht mangeln lässt, in der Lage, Vasen oder andere nicht
festgeschraubte Einrichtungsgegenstände per Handstreich zu (z)erlegen. Ja, man könnte im weiteren Sinne von Rückgrat sprechen.
So. Nun ist’s gut mit dem Angstmachen. Denn außer der (wie ich finde: sympathischen) Männer-Mechanik gibt’s keinen weiteren Grund zur Aufregung. Ganz im Gegenteil: Ist es nicht beruhigend, für sein sauer verdientes Geld einen wirklich handfesten Gegenwert zu bekommen? Es ist.
Das hat bei Straight Wire Tradition. Die Spezialisten aus Hollywood, Florida, haben ein Kabelprogramm auf die Beine gestellt, das an Üppigkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Dimensionierungen und Auswahl sind wahrlich XXL, die dazugehörigen Preise eher nicht. Und so finden sich im Portfolio neben Spezialstrippen für Heimkino oder Hausinstallation auch zig klassische Verbindungen für High-End-Audio-Komponenten sowie zu Lautsprechern. Doch wer soll da noch durchsteigen?
Robert Ross steigt durch. Seit gut 20 Jahren vertreibt er Straight Wire in Deutschland, was ihm nicht nur den inoffiziellen Titel des konstantesten Kabelimporteurs einbringen könnte, sondern mir auch eine gehörige Portion Achtung und Respekt abringt. Denn mit High-End-Kabeln im Gepäck landet man unversehens im High-End-Haifischbecken. Nur allzu oft klaffen Umsatzerwartungen des Herstellers und realistische Aussichten auseinander, und bei der heutigen Geizhalsmentalität mehr denn je. Doch der Mann ist standhaft geblieben, hat sich in den zwei Jahrzehnten eingehend mit Straight-Wire-Produkten beschäftigt und gibt seine Erfahrungen und Empfehlungen gerne an alle Interessenten weiter (Hotline mit Rückrufservice unter 08466/905030).
Selbstverständlich hat Robert Ross auch das vierstufige Level-System des Hauses verinnerlicht, zum besseren Verständnis hier eine Kurzübersicht: Mit Straight-Wire-Kabeln aus Level 1 geht’s typischen Beipackstrippen gnadenlos an den Kragen. Level 2 soll auch „bessere Standardkabel“ – was immer das genau bedeutet – im Handstreich überholen. Level 3 trifft schon punktgenau den Geschmack des audiophilen Kenners – etwa mit polymerverlackten Einzeladern oder ausgefuchster Litzen- und Mantelstruktur – und strebt klanglich wie technisch nach ganz oben. Level 4 schließlich stellt im SW-Kabelkosmos schlichtweg Referenzniveau dar, was auch sonst. (Kleiner Hinweis: Dieses Level-System ist selbstverständlich nicht zu denen anderer Hersteller kompatibel – wär ja noch schöner!)
Im Vorgespräch empfiehlt Ross – angesichts meiner Anlagen und unseres Plans, gleich ein ganzes Buch über Kabel zu verfassen – zwei Sets, jeweils bestehend aus NF- und Lautsprecherstrippen. Diese hören auf die schönen Namen „Rhapsody-S“ und „Serenade“ und rangieren im Hausranking auf den oberen beiden Stufen, also auf Level 3 und 4. Dennoch sind beide Sets keineswegs sooo teuer, wie ihr Äußeres suggerieren mag (und Mitbewerber üblicherweise für derartige Kaliber aufrufen).
In puncto Griffigkeit und Farbgebung sind die beiden Sets locker auseinanderzuhalten. Die günstigere Rhapsody-S-Linie vermittelt haptisch und optisch einen zurückhaltenden, ja fast schon schlanken Eindruck – aber nur solange die Serenade-Geschwister aus Level 4 noch in Griffweite sind. Diese spielen nämlich noch hemmungsloser auf der klassischen Ami-Klaviatur: noch dicker, noch satter, noch mehr macho. Und wo Rhapsody-S mit bühnentauglichem Metallicblau glänzt, stellt Serenade ein Hahnentrittmuster-Geflecht in Schwarz-Grün dagegen, das speziell beim Lautsprecherkabel den Griff zum Reptilienhandbuch rechtfertigt, so kobraesk wirkt das Teil.
Zur Kontaktaufnahme montiert Straight Wire standesgemäße Hardware: Beide NF-Kabel sind (als Cinchversion) mit griffig verschraubbaren Massivsteckern ausgestattet. Das Serenade besitzt zudem besonders aufwendige Gold-Teflon-Exemplare, die mit einem äußeren Durchmesser von 15 Millimetern eng stehende Cinchbuchsen schon mal in die Bredouille bringen können. Ausprobieren ist aber kein Problem: Straight Wire bietet kostenlose Probefahrten zu Hause an, bei denen auch solche Dinge im Vorfeld getestet werden können. Zudem nimmt der Händler für ein markentreues Upgrade ein vorhandenes SW-Kabel innerhalb eines Jahres zum vollen Preis in Zahlung – einfach vorbildlich.
Serienmäßig werden beide Lautsprecherkabel mit Gabelschuhen ausgerüstet, gegen einen moderaten Aufpreis sind aber auch massive Bananenstecker lieferbar. Mittels Spitzdorn verspreizt sich hierbei der Anschlussstift in der Buchse – und man sollte es, so verlockend eine Kaltverschweißung auch sein mag, nicht übertreiben. Nach fest kommt hier nämlich nicht lose, sondern kaputt, und zwar die Buchse. Ein brutal überspannter Spreizstecker hat schon so manche Bananenhöhle derart überdehnt, dass nachfolgende Normalstecker haltlos aus dem geweiteten Kontaktschacht flutschen. Was natürlich kein spezifisches Straight-Wire-Problem ist, sondern für alle derartigen Konstruktionen gilt. Also: Spannung mit Gefühl, bitte, ansonsten greife man zum guten Gabelschuh.
Very straight wire ist der Aufbau der beiden Kabelserien. Für Rhapsody-S-Modelle werden silberbeschichtete OFHC-Litzen spiralförmig und mit hauseigener „compressed copper technology“ (CCT) gewickelt, mittels Schaumgeflecht mechanisch stabilisiert und von einem durchsichtigen PVC-Mantel umhüllt. Das NF-Kabel ist zudem mehrfach abgeschirmt. In der Serenade-Familie wird noch hochwertigeres Kupfer verwendet, bekommt jede Litze eine einzigartige Silber-Kupfer-Beschichtung verpasst, ist der gesamte Aufbau noch komplexer, superfeiner, ausgefeilter, teflonmikroporenumschäumter, irgendwie Level-4-artiger.
Und das kann man auch hören. Schon das Rhapsody-S-Set weiß den rechten Kick zu vermitteln, wenn Durchhörbarkeit und Offenheit ganz oben auf der Prioritätenliste stehen. Bühnen scheinen ein paar Dezimeter zugelegt zu haben, vor allem in der Breite. Rhapsody-S taucht das musikalische Geschehen zudem in ein strahlendes, feinkristallines Licht, das prima zum kraftvollen Bass passt. Es bereitet keine Mühe, auch feinste Details zu entdecken.
Die Serenade-Geschwister holen nochmals ein ordentliches Quantum mehr Auflösung, Definition und Raum ins Wohnzimmer. Jedes Instrument, jede Stimme profitiert hörbar von einer noch feineren Strukturierung; US-Amerikaner sprechen hier gern von „smooth“, das passt ausgezeichnet. Und im Frequenzkeller gibt’s mit den Serenades nicht einfach nur „mehr“ oder „weniger“ Dampf, sondern einen besseren, weil deutlicheren und besser konturierten Bass. Vor allem Anlagen mit muskulösen Verstärkern und basskompetenten Schallwandlern freuen sich über das entschlackte, straffere, noch klarer definierte Fundament.
Zwei dicke Tipps, im doppelten Sinne.

Produktinfo
NF-Kabel Straight Wire Rhapsody S
Konfektionierung: verschraubbare Cinch-Stecker, optional mit XLR-Steckern (ohne Aufpreis)
Preis: 250 Euro (2 x 1 m)
NF-Kabel Straight Wire Serenade
Konfektionierung: verschraubbare Gold-Teflon-Cinchstecker, optional mit XLR-Steckern (ohne Aufpreis)
Preis: 550 Euro (2 x 1 m) Lautsprecherkabel Straight Wire Rhapsody S
Konfektionierung: Single- oder Bi-Wiring-Ausführung mit Gabelschuhen oder Feder-Bananas; gegen Aufpreis mit XL-Gabelschuhen oder massiven Spreizbananas
Preis: 720 Euro (2 x 3 m), je ±10cm für ±20 Euro
Lautsprecherkabel Straight Wire Serenade
Konfektionierung: Single- oder Bi-Wiring-Ausführung mit Gabelschuhen oder Feder-Bananas; gegen Aufpreis mit XL-Gabelschuhen oder massiven Spreizbananas
Preis: 1500 Euro (2 x 3 m), je ±10 cm für ±40 Euro
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