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Stereovox Colibri-R und Firebird

Amerikanische Turbos

Text von: Michael Vrzal

Stereovox Colibri-R und Firebird

Manchmal braucht Gutes etwas länger.

Stereovox ist eben nichts für Hektiker.

Da erhält man also neue Kabel, schließt sie an und fällt erstmal vom Stuhl. Weil zwar Einspieleffekte bekannt sind, das nun aber definitiv eine neue Kategorie ist. Eine Präsenzbetonung, die sich gewaschen hat – na, wenn das mal gut geht. Unterdessen weist der Vertrieb darauf hin, dass die anthrazitgrauen Gewebeschlauchleitungen auf Bewegung verschnupft reagieren. Nun denn, ruht und spielt, meine Lieben, ich gebe euch eine Woche.

Stereovox ist in Deutschland bislang ein unbeschriebenes Blatt. Wer allerdings mit den Namen Sommovigo, Illuminati und Kimber etwas anfangen kann, ist schon auf der richtigen Spur. Chris Sommovigo gründete 1992 die Kabelfirma Illuminati. Die machte sich einen dermaßen guten Namen mit Digitalverbindern, dass sich bald eine Kooperation mit den analogen Mitbewerbern um Ray Kimber ergab. 1999, nachdem sich die Wege von Sommovigo und Kimber getrennt hatten, entwickelte Sommovigo aus einem Labelprojekt heraus die Kabelmarke Stereovox. Nach höchst erfreulichem Medienecho in den USA erfolgt nun der Schritt nach Deutschland – ausgerüstet mit nicht alltäglicher Technologie, einer gehoben und einer exklusiv bepreisten Produktlinie, ja sogar eigens entwickelten Steckern wähnt man sich bestens gerüstet für die Konfrontation mit der Konkurrenz.

Chris Sommovigo war Mitte 20, bediente in Bands die gerade anfallenden Instrumente und dilettierte als Tontechniker, als er erstmals erlebte, dass es Klangunterschiede zwischen Digitalkabeln gibt. Das traf einen Nerv. Im kalifornischen Pendant der Gelben Seiten stieß er auf John Bauer, Ingenieur der Mikrowellentechnik und willens, den jungen Audiophilen zu unterstützen. Gemeinsam entwickelten sie das, so die Legende, erste Audio-Digitalkabel mit normgerecht angepasstem Wellenwiderstand. Das Produkt namens „DataStream Reference“ schlug ein wie eine Bombe, Illuminati wurde gegründet, Sommovigo hatte einen Einstand nach Maß.

Stereovox ist in gewisser Weise eine Fortsetzung, womöglich gar, das wird sich zeigen, die Vollendung dessen, was Sommovigo mit Illuminati begonnen hat. Das Jahr 1996 brachte eine Zäsur in dessen Schaffen. Seine und Ray Kimbers Vorstellungen von Kabeldesign hatten sich zu weit auseinanderentwickelt. Die beiden trennten sich freundschaftlich, Illuminati blieb bei Kimber als Digitalprodukt. Sommovigos heutige Arbeit baue trotz der erfolgreichen Zeit bei Kimber auf den früheren Entwürfen auf – es führten viele Wege nach Rom, erklärt er, derjenige von Ray Kimber, den er als Menschen sehr bewundere, sei eben nicht der seine.

Was an den Stereovox-Kabeln Colibri-R und Firebird sofort auffällt, ist die Güte der Steckverbinder. Die Fabrikate der mir bislang unbekannten Marke Xhadow erteilen der derzeitigen „Low-mass“-Mode ungeniert eine Absage. Denn sie sind massiv – auf intelligente Weise. Alle signalführenden Teile bestehen aus versilbertem, sauerstofffreiem Kupfer. Der Korpus des Cinch-Steckers ist aus Aluminium gefräst und matt eloxiert. Kontaktiert wird intern ­mittels ISC-Technik, im Klartext „intimately stressed contact“, was die audiophile Umschreibung dafür ist, dass der eigentliche leitende Kontakt durch Verpressung von Leiter und Steckerpol hergestellt wird. Die darauf folgende Verlötung dient nurmehr der Versiegelung, denn: „Lötzinn ist ein schlechter Leiter“, betont Sommovigo.

Anfass- wie Steckqualität von Cinch- und Bananensteckern sind exquisit und vermitteln den beruhigenden Eindruck jahrhundertelanger Pflichterfüllung. Dafür einen herzlichen Dank an den Mitentwickler Chris Sommovigo. Xhadow ist ein gemeinsames Baby von ihm und Stuart Marcus. Die beiden kennen sich aus frühen Illuminati-Tagen, als Marcus in ähnlich pionierhafter Weise erste Erfolge mit dem Label Vampire Cable verbuchte.

Wer mit Militärzulieferern kooperiert, dem ist Aufmerksamkeit sicher. Schließlich gilt „military grade“ als höchste erreichbare Qualitätsstufe. Sommovigos Kontakte dorthin bestehen schon länger, nun nutzt er sie, um seine Kabel­ideen adäquat umsetzen zu lassen. Kann man sich einen zivileren Einsatz von Wehrtechnik denken?

Signaltransportierender Kern der Kabel aus Stereovox’ Studio-Baureihe sind dünne Kupferleiter in Röhrchenform. Der Begriff Hohlleiter drängt sich auf, führt aber in die Irre, da er eigentlich für die Hochfrequenztechnik reserviert ist und dort Rohrgebilde gänzlich anderer Dimension und Funktionsweise beschreibt. Hier aber handelt es sich gewissermaßen um Massivleiter ohne Kern. Sommovigo erzählt denn auch, dass er die ersten Muster von einem deutschen Hersteller von Injektionsnadeln erhalten habe. Nun bezieht er seine flexiblen OFC-Röhrchen aus den USA. Seine Forschungen zum Thema Stromverdrängung, auch bekannt als „Skin-Effekt“, führten ihn zu dieser Bauform.

Im Cinchkabel bilden zwei dieser Röhrchen den positiven und negativen Leiter. Jeder der beiden Röhrchenleiter des Colibri-R – das R steht für „RCA“, die amerikanische Bezeichnung der Cinch-Steckernorm – ist einzeln isoliert und geschirmt, beide Stränge sind miteinander verdrillt. Das schirmlose Firebird bekam im Zuge der jüngsten Überarbeitung – erkennbar am grauen statt blauen Gewebemantel – eine Verdopplung der Leiterzahl und somit des effektiven Querschnitts spendiert. Überhaupt transferierte der Hersteller im Zuge der Revision so manches technische Merkmal der Reference-Baureihe in die deutlich günstigere Studio-Linie. So musste das konventionelle extrudierte Teflon-Dielektrikum einem teureren, präzise gewickelten Teflonband weichen. Ein Wendelschirm statt der üblichen gewebten Bauform soll die Schirmwirkung verbessern. All das resultiert auch in einer deutlich kompakteren Bauform der Endprodukte.

Wie war das nun mit dem Einspielen? Den ersten Tag ertrug ich mit zusammengebissenen Zähnen. Am zweiten Tag war ich mir nicht sicher, ob meine Ohren abgestumpft waren oder sich doch erste Anzeichen von Harmonisierung einstellten. Am dritten Tag wurden die Dinge interessant. Ab dem vierten war klar, dass hier Weltklassekabel zu Gast waren. Beide Stereovoxe liefen lange Zeit in meiner Kette und bei Elektroniktests mit, ohne dass mir jemals der Sinn nach Austausch war. Erwähnte ich schon, dass der Vertrieb davor warnt, die Kabel umherzubewegen, da die unvermeidlichen Biegevorgänge die klangliche Perfor­mance kurzzeitig beeinträchtigten? Wie auch immer, rein aus dem Bauch heraus kann ich bestätigen, dass sich später, während verschiedener Querchecks mit Konkurrenten, niemals mehr ein so harmonisches, von Raumeinsicht, Timingsicherheit und feingliedriger Auflösung geprägtes Gesamtbild einstellen wollte wie während der ersten Hörwochen.

Stereovox Colibri-R und Firebird

Die Raumdarstellung gelang gar so verblüffend, dass ich sie anfangs glatt als hervorstechendes Hauptmerkmal präsentieren wollte – bevor dann die Stereovox nach einer Woche Einspielzeit rundum zufriedenstellten. Aber die US-Strippen sind schon ungemein durchlässig. So lassen sie all die feinen Schwingungen intakt beim Hörer ankommen, auf dass sie das Ohr zum 3-D-Abbild zusammensetze. Einmal mehr zeigt sich dabei, dass nichts über Live-Aufnahmen oder zumindest Studiomitschnitte mit unretuschierter Akustik geht. Deren Detailreichtum im ahn- und fühlbaren Bereich ist immens, und genau dort kann ein gutes Kabel brillieren.

Eine andere Paradedisziplin der Amerikaner: Impulswiedergabe. Den Stereovox fehlt völlig, was der Engländer „leading edge“ nennt: das Klirren eines hart angeschlagenen Klaviertons, das nicht von den Obertönen der Stahlsaiten herrührt, sondern von der reproduzierenden Kette aufgesetzt wird und etwa so angenehm ist wie ein Fotoblitz. Auf die Art meistern Sommovigos Kabel komplexe und laute Musikpassagen völlig stressfrei.

Obwohl sich meine Klangerlebnisse beim raschen Kabelwechsel zu Vergleichszwecken nicht ganz mit denen während der ausgedehnten Hörphase decken, möchte ich sie dem Leser doch nicht vorenthalten.

Einzeln profilierten sich beide Kabel als komplementäre Charaktere. Dem Colibri-R kommt dabei die Rolle des auf den Bauch ­zielenden Musikanten zu. Es spielte, einzeln gehört, konzentriert, dabei kernig und mit wohldosierter Wucht. Die runde Diktion gereicht ihm im direkten Vergleich mit ausgesprochenen Analytikern etwas zum Nachteil – bis die souveräne, plastische Wiedergabe zum Zuge kommt und nachhaltig für sich einnimmt. Das Firebird agiert kaum weniger kraftvoll, bringt aber eine gerade im Zusammenspiel mit dem Stallkollegen sehr angenehme glasklare Note mit ein. Ich habe mir notiert: „Im besten Sinne gnadenlos“ und „rockig, auf Zack“. Auf Deutsch: Es macht riesigen Spaß.

Das Fazit kann eigentlich nur lauten: Wirken lassen! Die extremen Einspielphänomene habe ich nirgends sonst so dokumentiert gesehen, sie mögen auch damit zusammenhängen, dass die Testmuster praktisch direkt aus den USA zu mir fanden und wirklich nigelnagelneu waren. Auf keinen Fall sollte sich deswegen jemand von einem Probehören abschrecken lassen. Dafür dann aber bitte eine Woche Dauerbetrieb einplanen. Die Geduld wird überreich belohnt.

Stereovox Colibri-R und Firebird

Produktinfo

NF-Kabel Stereovox Colibri-R

Konfektionierung: Xhadow-Cinchstecker

Garantiezeit: 2 Jahre

Preis: 550 Euro (2 x 1 m)

Lautsprecherkabel Stereovox Firebird

Konfektionierung: Xhadow-Banane mit aufsteckbarem Kabelschuhadapter

Garantiezeit: 2 Jahre

Preis: 700 Euro (2 x 3 m)

Kontakt

www.bauer-audio.de