Silent Wire NF II Reference und LS Reference
James, verkabeln Sie!
Text von: Cai Brockmann
Ihr persönlicher Assistent ist mit dem Bentley schon mal zum Landsitz vorausgeeilt. Er spielt dort das neue Kabelset ein – der High-End-Fachhändler schwört, das sei das Beste. Und schon bald liegt es an Ihnen, im Musikzimmer des Westflügels ein Urteil zu fällen und den treuen James erneut mit einem Koffer voller Bargeld loszuschicken …
Das LS Reference von Silent Wire kommt in einer stattlichen Holzkiste, sauber aufgerollt und von einem Paar weißer Handschuhe begleitet. Auch das passende NF II Reference reist behandschuht in hölzerner Schatulle.
Viel Aufwand für ein paar Kabel, meinen Sie? Nun, verschenkt wird hier nichts: Preisschilder und Modellbezeichnungen sprechen eine deutliche Sprache, ebenso das Äußere. Derlei Selbstbewusstsein vernahmen wir bisher nur aus den USA oder Japan. Silent Wire will ganz oben mitmischen – qualitativ, klanglich, preislich – und positioniert seine Top-Serie dort, wo der Gipfelstürmer einsam und die Luft dünn ist. Und „Luft“ ist ein gutes Stichwort, um sich dem LS Reference sachlich zu nähern. Im Team mit Hightech-Experten – die NASA lässt grüßen – verweben die Hanseaten unter reinraumähnlichen Bedingungen zweimal acht Hohladern aus „sauerstofffreiem“ Kupfer (OFC) mit einer speziellen Silberlegierung. Für definierte und größtmögliche Abstände sorgt idealerweise Luft, hier von Fluorkunststoffschaum in dauerhafte Position gebracht.
Das LS Reference erinnert mit seiner „dreiadrigen“ Optik entfernt an Modelleisenbahngleise, lässt sich aber immerhin etwas leichter verlegen. Kurz vorm jeweiligen Ende umfasst eine Metallmanschette die Dickstrippe. Gravuren verraten, ob die austretenden Kabelenden mit der Endstufe oder dem Lautsprecher verbunden gehören. Die Endstücke sind von Schrumpfschlauch umhüllt und wahlweise mit WBT-Steckern oder -Gabelschuhen oder versilberten Shark-Hohlbananas (Foto) bestückt.
Deutlich weniger auffällig, gleichwohl höchst aufwendig ist die passende Hochpegelverbindung gestrickt. Auch das Silent Wire NF II Reference besitzt eine ausgefuchste Verseilungstechnik, mit der die acht Hohladern aus höchstreinem, stark versilbertem Kupfer von Stecker zu Stecker streben. Cinchverbindungen laufen über WBTs 0152 Ag Nextgen, symmetrische Verbindungen stellt der Furutech FP-601M her. Rechter und linker Kanal sind mit farbigem Schrumpfschlauch gekennzeichnet, auch die aufgedruckte „Laufrichtung“ erleichtert das Leben des passionierten Vielstöpslers.

Für die Reference-Serie verspricht Silent Wire geringste Signalverluste dank minimaler Kapazitäten und Induktivitäten sowie minimale Fertigungstoleranzen. Aber mal ehrlich: Das ist wohl das Mindeste, was ein betuchter Cablemaniac von derart kostspieligen Signalverbindungen erwarten darf. Nach meinen Grundsätzen sollte die Verkabelung einer Anlage eigentlich nicht wesentlich mehr als 20 Prozent des Kaufpreises ausmachen. Demnach habe ich mir mit diesen Strippen ein echtes Luxus-Problem ins Haus geholt: Mein derzeitiges Equipment ist vor dieser nüchternen Berechnungsgrundlage schlichtweg zu billig – Player und Verstärker plus Lautsprecher kosten in beiden verwendeten Anlagen kaum das Doppelte der Verbinder.
Doch auch in vergleichsweise niederen Gefilden machen die teuren Hanseaten klar, wozu sie fähig sind: Mehr „Raum“, mehr Auffächerung, mehr dreidimensionale Entfaltung und, jawohl, auch mehr Luft um Instrumente und Stimmen herum sind mir bisher nicht zu Ohren gekommen. Die Silent Wires scheinen tatsächlich auf allerhöchstem High-End-Niveau zu spielen, wenngleich ich ahne, dass der perfektionistische Auftritt von adäquat(er)em Equipment aus der audiophilen Juwelierauslage noch deutlicher herausgestellt wird. Aber auch so genieße ich bravourösen Gourmet-Klang, reichhaltig, vollmundig und voller faszinierender Facetten, dazu eine geradezu spektrale Klarheit ohne jede Schärfe sowie gehaltvollen, konturierten Tiefbass ohne jedes Völlegefühl. Jawohl, so soll’s sein – das ist High End pur, ohne Nebenwirkungen!
Und der exorbitante Preis? Der könnte jetzt Ihr Problem werden. (Aber Silent Wire hat ja auch noch kleinere Serien im Programm …)
Produktinfo
NF-Kabel Silent Wire NF II Reference
Konfektionierung: mit WBT 0152 Ag Nextgen (Cinch) oder Furutech FP-601 M/F Rhodium (XLR)
Kabelaufbau: 8 Hohladern mit Schirmgeflecht
Material Leiter: 8N-OFC, stark versilbert
Preis: 3080 Euro (2 x 60 cm), weitere 2 x 20 cm je 257 Euro
LS-Kabel Silent Wire LS Reference
Konfektionierung: mit WBT 0645 oder 0680 oder Shark-Hohlbananas
Kabelaufbau: 8 Hohladern à 0,5mm2 mit Schirmgeflecht und Mittelhohlsteg (Luftisolation)
Material Leiter: 8N-OFC, stark versilbert
Preis: 4104 Euro (2 x 1 m), jeder weitere Stereometer 2052 Euro
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