PS Audio Power Plant Premier
Stromgenerator und Lebensversicherung
Text von: Uwe Heckers

Ist in den heimischen Gefilden keine ordentliche Stromversorgung vorhanden, dann muss man sich eben seinen eigenen Strom erzeugen!
Schon vor vielen Jahren bin ich über das Thema Stromversorgung gestolpert. Es gab in meiner Heimatstadt einen winzig kleinen HiFi-Laden, der von zwei Studenten so nebenbei betrieben wurde. Eines Abends sollte ich mir unbedingt den frisch eingetroffenen Tonabnehmer ART 1, das damalige Spitzenmodell von Audio Technica, anhören. Doch das klangliche Ergebnis sprach beileibe nicht für einen 2500 DM teuren Tonabnehmer. Man fing natürlich sofort an, hektisch die Justage des kleinen Juwels zu überprüfen. Das Ergebnis der hochnotpeinlichen Untersuchung ließ nur einen Schluss zu: Das System muss beim Einbau beschädigt worden sein. In der folgenden Woche stellte sich allerdings heraus, dass regelmäßig um Punkt 18 Uhr in der benachbarten Kneipe die Kühlaggregate eingeschaltet wurden. Offenbar verseuchte die Kühlanlage das Netz in dem Altbau, in dem sich sowohl der Laden als auch die Kneipe befand, derart, dass ab 18 Uhr kein Musikgenuss mehr möglich war. Keine Übertreibung: Hier ging es nicht um feinste Nuancen, die nur für goldbedampfte Fledermausohren relevant waren. Es klang wirklich unter aller Kajüte. Und das ließ sich pünktlich immer zur gleichen Uhrzeit nachvollziehen.

Verführt zum Draufstarren: Das hübsche Display des PS Audio lässt sich auch abschalten …
Gegen marode Stromleitungen in Altbauten oder hart belastete Stromversorgungen im Umfeld von Industriegebieten sind nur wenige Kräuter gewachsen. Manche HiFi-Freaks träumen deshalb gar vom eigenen Stromgenerator im Keller oder auch davon, die gesamte Anlage mit Akkus zu betreiben. Eine Möglichkeit, sich von den Imponderabilien der Stromversorgung weitestgehend unabhängig zu machen, ist der Power Plant Premier von PS Audio. Die amerikanische Firma PS Audio ist von jeher dafür bekannt, sich besonders auch um die Netzversorgung Gedanken zu machen. Lösungen nahmen zum Beispiel Gestalt in den mächtigen Power Plants an, die in unterschiedlichen Leistungs- und Preisklassen angeboten wurden. Doch laut PS Audio werden sie alle von dem völlig neu konstruierten Power Plant Premier übertroffen. Und tatsächlich ist der Premier auch – soweit mir bekannt – das einzige Gerät seiner Art, das mithilfe von Schaltnetzteilen den Strom aus der Steckdose erst „zerhackt“ und schließlich in sozusagen „neue“, blitzsaubere 230 Volt und 50 Hertz umwandelt. Mir erscheint es einleuchtend, dass allein durch dieses Prinzip alle Störungen außen vor bleiben müssen und dass man sich damit quasi unabhängig von der „Qualität“ des zugelieferten Stromes macht. PS Audio gibt an, dass der Premier mit etwa 1500 Watt belastet werden kann – wie man jedoch noch sehen wird, habe ich durchaus Grund zu der Annahme, dass hier vorsichtig untertrieben wird.

Wie eine gar nicht mal so kleine Endstufe – auch der PS Audio muss notfalls einiges an Verlustleistung „wegdrücken“ können
Die neu generierte Spannung steht an fünf voneinander unabhängigen Steckdosen zur Verfügung. Diese so genannten „Isozones“ verhindern ganz nebenbei auch, dass sich die angeschlossenen Geräte untereinander stören können. Vor allem ältere CD-Player stehen ja unter Verdacht, digitalen „Schmutz“ ins Netz abzusondern. Auf der Geräterückseite befinden sich drei kleine Knebelschalter, die dem Kunden die Wahl erlauben, ob man die in Gruppen A, B und C zusammengefassten Steckdosen „On“, „Switched“ oder „Delayed“ betreiben möchte. „On“ bedeutet, dass das entsprechende Gerät immer mit sauberem Strom versorgt wird; auch dann, wenn der Power Plant Premier selbst scheinbar ausgeschaltet ist. Das ist er nämlich im eigentlichen Sinne nie, gibt es doch keinen An/Aus-Schalter. Sobald der Stecker in der Steckdose ist, tut das Gerät seinen Dienst. Nur wenn die „Isozones“ auf „Switched“ oder „Delayed“ geschaltet sind, kann man mit dem zentralen, unter dem blau hinterleuchteten PS-Audio-Logo versteckten Schalter auf der Frontplatte alle angeschlossenen Geräte vom Netz trennen. Die Einstellung „Delayed“ ist dabei vorgesehen für Geräte, die man verzögert hochfahren möchte. Dies könnte zum Beispiel für große Verstärker sinnvoll sein.
Darüber hinaus bietet der Power Plant Premier die Möglichkeit, Antennensignale und – man höre und staune – sogar Telefonleitungen zu filtern. Das hört sich im ersten Moment etwas absurd an, macht aber durchaus Sinn. Schließlich können Überspannungsschäden auch Telefone oder Computer beschädigen. Deshalb stellt das Gerät so ganz nebenbei eine praxisnahe Lebensversicherung fürs elektronische Equipment dar.
Weiterhin verfügt die amerikanische Energiezentrale über eine Fernbedienung, die vor allem verschiedene Anzeigevarianten des Displays beeinflusst. So kann man sich zum Beispiel die Höhe der eingehenden Spannung (bei mir variierte sie im Laufe eines Abends regelmäßig zwischen 228 und 238 Volt) und die Verzerrungswerte der optimalerweise sinusförmig verlaufenden Netz-Wechselspannung in Prozent (bei mir 2,8 Prozent, bei einem Freund sogar 3,8 Prozent) anzeigen lassen und mit jenen Werten vergleichen, die der Power Plant Premier selbst erzeugt (bei mir 234 Volt, 0,2 Prozent THD). Oder man lässt sich ganz einfach die Differenz zwischen eingehender und ausgegebener Spannung anzeigen. Eine höchst interessante Spielerei, die freilich dazu verführt, dauernd auf das Display zu starren. Deshalb schaltete ich schließlich das ganze Lichtspektakel einfach ab. Alle beschriebenen Funktionen lassen sich übrigens auch mit den drei unter dem Display angebrachten Tipptasten einstellen.

Sorry, das ist (noch) die US-Version. Für uns gibt’s natürlich schöne Norm-Steckdosen
Allerdings ermöglicht nur die Fernbedienung, zwischen einer so genannten „Sine“- und einer „Multiwave“-Arbeitsweise umzuschalten. Hier geht es, so die kargen Informationen, offenbar um ein Verfahren, das den erzeugten Netz-Sinus so verändert, dass es Netzteilkondensatoren leichter fallen soll, sich nachzuladen. Mit genaueren Details des mit Hilfe eines Ingenieurs der Firma Northrup Grumman entwickelten Verfahrens rücken die Amerikaner allerdings nicht heraus. Mich machte diese Funktion etwas ratlos, denn zwischen beiden Einstellungen ließ sich kein Unterschied feststellen. Der deutsche Vertrieb bestätigte in einem Telefonat denn auch, dass hier die Ergebnisse je nach angeschlossenen Geräten durchaus unterschiedlich ausfallen könnten. Bei einigen Komponenten höre man deutlich einen positiven Effekt heraus, bei anderen nicht. Und einige wenige Komponenten quittierten die „Multiwave“-Schaltung gar mit Klangverschlechterung.
Übrigens: Was die Optik betrifft, so kann sich der Power Plant Premier durchaus im Gerätepark sehen lassen. Vermittelt er doch auch haptisch und verarbeitungstechnisch den Eindruck eines absolut vollwertigen HiFi-Gerätes. Er muss sich also keinesfalls hinter imposanten Verstärkern und hübschen CD-Spielern verstecken!
Zuerst wurde der Power Plant Premier natürlich in meiner eigenen Anlage ausprobiert. Momentan höre ich mit dem kleinen Vollverstärker Obelisk von Heed, der eine Spendor BC1 antreibt. Ob die Verwendung eines immerhin 2800 Euro teuren „Netzfilters“ mit so einem preiswerten Vollverstärker nun Sinn macht oder nicht, darüber lässt sich sicherlich prächtig streiten. Worüber man hingegen nicht diskutieren kann, sind die klanglichen Verbesserungen, die nun deutlich zu hören sind. Der neu generierte Strom sorgt für ein im besten Sinne sauberes Klangbild, einen enormen Zuwachs an Tiefenstaffelung sowie eine Zunahme der Auflösung im Bassbereich, die den Zuhörer ganz neue Nuancen der Musik erfahren lässt.

Praktisch: Hier schirmt das Aluminiumprofil nicht gegen Ein-, sondern gegen Abstrahlung – dafür verantwortlich ist ein Schaltnetzteil
Der Ausdruck „sauberes Klangbild“ ist natürlich erklärungsbedürftig. Schön hören kann man das bei laut aufgenommenen Trompeten, wie sie zum Beispiel auf James Last Live in London (Polydor) zu hören sind. Die Bläsergruppe trompetet sich die Lunge aus dem Leib, und es scheppert, wie es Blechinstrumente auch live nun mal zu tun pflegen. Ist der Power Plant in Betrieb, fällt aber auf, dass ein gewisser – nennen wir es mal: – „Klirr“ fehlt, der Trompeten-Wiedergabe so oft etwas nervig macht.
Überrascht war ich auch, als ich gar nicht mal zu Testzwecken, sondern nur für mein persönliches abendliches Chill-out Musik von Gandalf (Universal Play) auflegte. Die Darstellung des im Studio künstlich erzeugten Raumeindrucks gelingt derart groß, dass mir beim Hören in meinem abgedunkelten Wohnzimmer bei geschlossenen Augen fast ein wenig schwindlig wurde. Ich kenne diese Platte nun wirklich in- und auswendig und weiß deshalb ganz genau, wann welches Pling, Plong oder Bumm kommt. Doch mit dem Premier als Netzversorger werden gerade bei den Kesselpauken Nachschwinger der Membranen deutlicher herausgearbeitet. Und so wird klar: Das waren echte Kesselpauken und keine synthetisch generierten Soundeffekte. Sehr beeindruckend!
Nun ist der Heed Obelisk mit seiner Nennleistung von 35 Watt an acht Ohm gewiss kein ernsthafter Herausforderer bezüglich der Leistungsfähigkeit des Power Plant Premier. Ein Bekannter verfügt allerdings über Equipment, mit dessen Hilfe man dem Netz-Synthesizer viel besser auf den Beanspruchungs-Zahn fühlen kann. Dazu zählt insbesondere ein mächtiger McIntosh-Leistungsverstärker (MC 2600), der mit seinen 2 x 1500 Watt – laut Wattanzeige – eine stark modifizierte Martin Logan Ascent i plus aktiv angesteuerte Selbstbau-Subwoofer antreibt. Mit tatkräftiger Mithilfe von Michael Jackson und Hugh Masekela wurde diese Anlage zu Pegeln getrieben, die nun wirklich nicht mehr feierlich waren. Wir haben es tatsächlich geschafft, die Überlastanzeige der McIntosh zum Dauerleuchten zu bringen. Gleichzeitig blieb die Wattanzeige beider Kanäle bei 1500 Watt so lange stehen, dass man das Ganze bei einer Belichtungszeit von 1,2 Sekunden fotografisch festhalten konnte. Womöglich hat der McIntosh zu dem Zeitpunkt geschätzte 4000 Watt verbraten. Die hat er natürlich nicht zur Gänze gleichzeitig aus dem Netz gezogen, sondern die nötige Energie stand bereits in seinen riesigen Netzteilen gespeichert zur Verfügung. Wichtig ist aber: Der Power Plant Premier quittierte das zugegebenermaßen etwas kindische Treiben mit stoischer Gelassenheit. Sicherheitshalber sollten die Belastungsangaben des Herstellers natürlich beachtet werden. Übrigens: Auch Dynamikkompression, die man ja Netzfiltern gerne nachsagt, ließ sich nicht diagnostizieren. Moderatere Tests offenbarten aber die gleiche klangverbessernde Wirkung wie schon vorher – wirklich beachtlich!
Nach all diesen Erkenntnissen kann man nur zu der Schlussfolgerung kommen, dass der PS Audio Power Plant Premier sein Geld wert ist. Und in Fällen, wo ein nachweislich stark gestörtes Netz vorliegt, könnte sich der Synthesizer sogar als echte Wunderdroge erweisen. Dass auch anspruchsvolle Verbraucher getrost am Power Plant nuckeln dürfen, ist ein weiterer, nicht von der Hand zu weisender Vorteil.
Produktinfo
PS Audio Power Plant Premier
Funktionsprinzip: Netzfilter/Synthesizer, der mittels Schaltnetzteiltechnik die Netzspannung neu generiert
Ausstattung: fünf individuell konfigurierbare Steckdosen, Schutzfilter für Telefon und Antennenkabel
Preis: 2800 Euro
Kontakt