PrimeTime Phonoflex Mk II
Phono-Tipp für Einsteiger
Text von: Stefan Fahrnholz
PrimeTime? Nie gehört – so ging es jedenfalls mir zuerst, als ich auf dieses Kabel mit dem klingenden Namen „PrimeTime Phonoflex“ aufmerksam wurde. Und 129 Euro für einen Meter mit Fünfpolstecker?
Das machte mich dann endgültig neugierig …
Der äußere Eindruck ist zunächst unspektakulär, jedoch sehr solide. Aber schließlich will man sich so ein Kabel ja nicht in die Vitrine legen, sondern es soll die schwachen Signale eines Tonabnehmers möglichst verlustfrei und neutral zum Phonoverstärker weiterreichen. Der Tonarm-Fünfpolstecker aus eigener Fertigung macht einen sehr stabilen und hochwertigen Eindruck. Sein Steckergehäuse besteht aus einem speziellen, aber nicht näher definierten weißen Kunststoff. Alle fünf tonarmseitigen Einzelkontakte sind hartvergoldet, und es lässt sich alles sehr präzise stecken. Das andere Ende der mit einem handelsüblichen schwarzen Geflechtschlauch ummantelten Leitung ist mit vergoldeten Cinch-Steckern vergleichsweise einfacher Art versehen. Dennoch baut sich ausreichend Kontaktdruck auf, um eine einwandfreie und störungslose Verbindung zu gewährleisten. Auf Wunsch – und gegen entsprechenden Aufpreis – kann hier freilich auch höherwertiges Steckermaterial zum Einsatz kommen. Jeder nur erdenkliche Steckertyp, vom Eichmann-RCA über XLR oder Mini-XLR bis hin zu Spezialsteckern wie Lemo oder BNC, ist machbar. Die Leiter selbst bestehen aus OFC-Kupfer, sind symmetrisch aufgebaut und einzeln geschirmt. Darüber liegt noch ein abschirmendes Kupfergeflecht gegen Einstreuungen von außen; aufgrund des extrem kleinen Nutzsignals ist ein Phonokabel ja bekanntermaßen sehr empfindlich. Eine Masseleitung in Form einer separaten Litze ist ebenfalls vorhanden. Übrigens bleibt die Kapazität des Kabels gering genug, um es mit den üblichen Längen betreiben zu können.

Das Phonoflex kann gegen entsprechenden Aufpreis mit jedem erdenklichen Stecker geordert werden
Laut Aussage von PrimeTime-Chef Horst Insten war das Ziel bei der Entwicklung des Phonoflex, eine neutrale und verfärbungsfreie Verbindung zu schaffen, die den Charakter der Kombination Tonabnehmer-Tonarm-Laufwerk nicht beeinflusst und obendrein auch noch bezahlbar sein sollte. Außerdem wurde Wert auf möglichst große Flexibilität gelegt, um das Kabel auch an Subchassis-Laufwerken wie etwa einem Thorens TD-160 einsetzen zu können.
Das PrimeTime erledigt seine ihm zugedachte Aufgabe zuverlässig: Der Bass auf Michelle Shockeds „Quality of Mercy“ aus dem fantastisch klingenden Soundtrack zum Film Dead Man Walking kommt sonor und trocken, die Stimmen werden sehr plastisch und fein aufgelöst wiedergegeben. Ein weiterer Soundtrack zeigt ebenfalls gut die Stärken dieses Phonokabels: Das von Ralph Stanley a capella vorgetragene „O Death“ aus O Brother, Where Art Thou? offenbart die hervorragende Qualität dieser Aufnahme; der Gesang wird äußerst überzeugend dargestellt, der Raum realistisch weit über die Lautsprecherebene hinaus aufgespannt. Die Signale werden offenkundig genau so weitergereicht, wie sie in die Rillen gepresst wurden, schlechte Aufnahmen dadurch natürlich auch als solche entlarvt. Die allseits bekannte Dynamik und Rhythmik des renommierten und vor allem bezahlbaren Denon DL-103 kommt hier ebenso gut zur Geltung wie die akkurate Auflösung und der Detailreichtum eines Benz Glider. Das PrimeTime ist also durchaus in der Lage, die Unterschiede zwischen verschiedenen Tonabnehmern akkurat zu präsentieren. Es fügt offenkundig nichts hinzu und verschleiert nichts, es begnügt sich mit simpler Weiterleitung – so soll es sein! Unbestritten bleibt, dass es auf dem Markt etliche Phonokabel gibt, die im Hinblick auf Transparenz und Feinzeichnung noch eine Schippe drauflegen können. Aber schließlich ist da ja noch der Preis, und in Bezug auf den bleibt nur übrig, dem Phonoflex eine Preis-Leistungs-Relation der Spitzenklasse zu bescheinigen. Ganz klar: Das ist unser Tipp für anspruchsvolle Sparfüchse!
Produktinfo
Phonokabel PrimeTime Phonoflex Mk II
Konfektionierung: mit SME/Cinch-Stecker, Kabellänge 1 m; andere Steckerkombinationen und Längen gegen entsprechenden Aufpreis möglich Kabelaufbau: symmetrisch
Material Leiter: OFC-Kupfer
Kabeldurchmesser: 7 mm
Kapazität: 149 pF/m
Preis: 129 Euro (1 m)
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