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Oehlbach NF 12 HPOCC und XXL Series 1

Die Beipackstrippenkiller

Text von: Stephan Schmid

Oehlbach NF 12 HPOCC und XXL Series 1

Manfred Oehlbach, der Firmengründer und Inhaber, setzt sich seit 30 Jahren mit dem Thema Kabelverbindungen auseinander. Sein Ziel sind erstklassige Kabel zu fairen Preisen.

Zur qualitativen Einstufung seiner Kabelverbindungen hat Oehlbach ein System von Sternen entwickelt: Ein Stern bedeutet Einstiegsliga, fünf Sterne markieren die Topklasse des Herstellers. Allerdings: Für weniger als drei Sterne gibt sich Oehlbach erst gar nicht her. Und wie groß der Schritt von vier auf volle fünf Sterne ausfällt, soll anhand zweier Kabelsets geklärt werden.

Der erste getestete NF-Verbinder heißt „XXL Series 1“. Das dreifach geschirmte Cinchkabel mit einem Teflon-Dielektrikum stellt den Einstieg in die hauseigene Fünf-Sterne-Liga dar. Es ist parallelsymmetrisch aufgebaut, besteht folglich aus zwei Innenleitern, bei denen der eine als „heißer“ Leiter geschaltet ist und der zweite Leiter auf Masse liegt. Die Abschirmung wird bei einem derartigen Aufbau immer auf der Empfängerseite auf Masse gelötet, womit dieses Kabel grundsätzlich richtungsgebunden einzusetzen ist. Mit einem Durchmesser von 14 Millimetern gehört dieser Verbinder nicht gerade zu den Grazien seiner Zunft – die meisten Kabel, die bisher in meiner Anlage aufspielen durften, haben sich jedenfalls leichter verlegen lassen als Oehl­bachs XXL Series 1. Doch bei noch vernünftigen Biegeradien muss man keine Sorgen haben, dass Verstärker oder CD-Player förmlich vom Rack gezogen werden könnten.

Oehlbach konfektioniert dieses Kabel mit seinen Cinch-Steckern „Hyper Cut Cool Gold“, ein sehr aufwendiges Produkt mit einer Masseklemmung, die aus vielen feder­ähnlichen Lamellen besteht und einen festen Sitz auf der Buchse garantiert. Um eine im wahrsten Sinne klitzekleine Kritik komme ich aber dennoch nicht herum: Die Kennzeichnung der Kanäle erfolgt über die farbliche Kodierung eines winzigen Firmenlogos auf der Hülse. Ich vermute, dass der Designer des Steckers in der Regel wohl eher stecken lässt, also nicht selbst verkabelt, sonst hätte er sicher bemerkt, dass beim Stöpseln an Gerätschaften in einem engen Rack mit schummriger Beleuchtung die Unterscheidung der Kanäle fast unmöglich ist. Mein Lösungsvorschlag: Der Cool-Gold-Stecker besitzt drei schwarze O-Ringe, die einen guten Griff ermöglichen; sofern der O-Ring-Lieferant auch eine rote Ausführung im Programm hat, ließe sich das kleine Identifizierungs­problem recht unkompliziert aus der Welt schaffen.

Ein wenig weiter unten in der oehlbachschen Hierarchie stößt man auf das NF 12 HPOCC. Es repräsentiert die mittlere Qualitätsstufe und passt mit einem Preis von 115 Euro gut zu Gerätschaften im weiteren Umkreis von 500 Euro. Das Kabel besteht aus praktisch sauerstofffreiem Kupfer, das nach einem von Oehlbach entwickelten Verfahren – eben HPOCC – hergestellt wird. Genaue Details dieses Herstellungsprozesses werden aber nicht genannt, um eifrigen Ideendieben keine Gelegenheit zum Abkupfern zu geben. Ähnlich den höherwertigen Kabel von Oehlbach ist auch das NF 12 parallelsymmetrisch aufgebaut. Wie es sich für ein Kabel der gehobenen Einsteigerklasse gehört, ist das NF 12 kein sperriges Abmessungsmonster, sondern lässt sich mit seinem Durchmesser von acht Millimetern sehr gut verlegen. Die Cinch-Stecker vom Typ „Hyper Cut Cool Gold“ hat das NF 12 von seinen größeren Brüdern geerbt, daher gilt meine kleine Kritik an der Kanal-Kennzeichnung auch hier.

Deutlich zu sehen ist der parallelsymmetrische Aufbau beider Kabel. Das NF 12 HPOCC (links) besitzt den klassi- schen Aufbau mit zwei Innenleitern, daneben das deutlich aufwendigere XXL Series 1

Oehlbach hat auch dem preisgünstigen Modell hochwertige Cinch-Stecker spendiert, die durch ihre Klemmvor- richtung bombenfest auf den Buchsen sitzen

Die „Cool Gold“ getauften Stecker mit den charakteristischen drei Markierungsringen kommen natürlich auch beim XXL Series 1 zum Einsatz

Ein Wort noch zur Einstufung von Kabeln in Klassen respektive Sternchen: Die Abstufungen halte ich für gewagt, weil insbesondere der Einstieg in die oberste Liga sicherlich stark von persönlichen Vorstellungen abhängig ist. Für so manchen solventen HiFi-Fan beginnt die Topklasse in qualitativen und auch pekuniären Sphären, die sich der durchschnittliche Highender möglicherweise nie wird leisten können. Zudem spielt die individuelle Anlagenkonfiguration ja auch eine entscheidende Rolle. Deshalb müssen sich Oehlbach XXL Series 1 und NF 12 HPOCC bei mir in einem Umfeld beweisen, das zu ihren moderaten Preisen passt. Und dort schlagen sich beide in beachtlicher Weise.

Zunächst wieder das XXL: Aufbauend auf einem soliden, wuchtigen Bassfundament geht es mit geradezu preußischer Korrektheit durch die darüberliegenden Frequenzspektren, zwischen tiefstem Bass und höchsten Höhen fehlt nicht die kleinste Kleinigkeit. Die räumliche Abbildung findet zwar eher in der Breite denn in der Tiefe statt, auch scheint zwischen einzelnen Akteuren ab und zu die Luft etwas dünn zu werden, doch insgesamt gerät die Abbildung auch bei großen Besetzungen und in Fortissimo-Passagen immer präzise und korrekt. Dabei pflegt das XXL Series 1 keine Vorliebe für irgendeine besondere Stilrichtung. Es reicht stattdessen alles, was ihm anvertraut wird, in gleichbleibend hoher Qualität weiter. Es macht weder mit Effekten auf sich aufmerksam noch heischt es nach Applaus, es lädt vielmehr – eine stimmige Kette selbstverständlich vorausgesetzt – zum stressfreien Langzeithören auf hohem Niveau ein.

Das gegenüber dem XXL Series 1 erheblich preisgünstigere NF 12 bietet sich durchaus als attraktive Alternative zu den üblichen Beipackstrippen an. Es ist aber kein kleiner Schritt nach vorn – das Oehlbach NF 12 HPOCC spielt vielmehr in einer anderen Liga: voluminös im Bass, mit ordentlicher Hochtonauflösung und insgesamt recht ausgewogen. Sein minimaler Loudness-Charakter kann bei vielen Einsteigergeräten sogar segensreich sein, neigen diese an den extremen Enden des Frequenzbandes doch gern ein wenig zum Schwächeln. Das NF 12 scheint genau dafür abgestimmt zu sein, es lässt das ganze Klangbild vernehmlich erwachsener wirken. Verbunden mit einer sehr guten räumlichen Abbildung führt das zu einer weit mehr als nur zufriedenstellenden Lösung der Verbindungsfrage zwischen CD-Player und Verstärker.

Produktinfo

NF-Kabel Oehlbach XXL Series 1

Aufbau: parallelsymmetrisch

Kabelmaterial: versilbertes Kupfer

Leitungswiderstand: 0,045 Ω/m

Wellenwiderstand: 110 Ω/1MHz

Kapazität: ca. 45 pf/m

Induktivität: ca. 0,37 µH/m

Preis: 225 Euro (2 x 1 m, konfektioniert mit „Cool Gold“-Cinch-Steckern)

NF-Kabel Oehlbach NF 12 HPOCC

Aufbau: parallelsymmetrisch

Kabelmaterial: Kupfer sauerstofffrei

Leitungswiderstand: 0,04 Ω/m

Kapazität: ca. 90 pf/m

Induktivität: ca. 0,3 µH/m

Preis: 115 Euro (2 x 1 m, konfektioniert mit „Cool Gold“-Cinch-Steckern)

Kontakt

www.oehlbach.de