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NF- und LS-Kabel von Shindo und Auditorium 23

Alles im grünen Bereich

Text von: Roland Kraft

NF- und LS-Kabel von Shindo und Auditorium 23

Von einem, der auszog, um alles ganz anders zu machen. Und von ­einem, der sein Kabel nicht immer liefern kann ...

Diese Geschichte handelt von einem Lautsprecherkabel, das besser klingt, wenn man es länger macht. Und von einem NF-Kabel, das es nur zeitweise zu kaufen gibt, so wie etwa manches Obst im Winter. Interessiert?

Hab ich mir doch gedacht. Und Kenner der Szene, insbesondere Freunde von Röhrenverstärkern und wirkungsgradstarken Lautsprechern, werden sich über die Herkunft dieser Kabel nicht wundern. Entstammen sie doch einer Quelle, die immer wieder für Innovationen gut ist und mit schönster Regelmäßigkeit neue Trends kreiert. Gemeint ist natürlich das Auditorium 23 in Frankfurt mit seinem Chef Keith Aschenbrenner. Der stellt im Falle unserer Kabel einmal den Vertrieb und einmal den Hersteller dar. Genauer gesagt stammt das NF-Kabel aus der röhrentechnischen Hexen­küche des japanischen Altmeisters Ken Shindo, während das Lautsprecherkabel eine A23-Kreation ist. Beide Strippen sind übrigens schon seit Jahren zu haben, also alles andere als Newcomer. Und natürlich sind beide Kabel fester Bestandteil aller A23-Installationen, weshalb sie scheinbar auch diesem Rahmen ein wenig verhaftet blieben. Was schade ist, entpuppten sich doch sowohl Shindos NF- als auch Keith Aschenbrenners LS-Kabel als universell verwendbar.

Stürzen wir uns zuerst auf den Cinchverbinder, dessen zugegeben saftiger Preis zunächst für Kopfschütteln gut ist. Sogar Shindo selbst scheint damit nicht ganz glücklich zu sein, befindet sich mit seinem Kabel aber in genau jener Falle, die auch andere kennenlernen, die sich mit der Materie enger beschäftigen. Wer von einer Strippe ein paar Meter angefertigt haben möchte, erntet in den üblichen ­(Groß-)Produktionsstätten nur ein müdes Lächeln. Es sind die so genannten „Rüstkos­ten“, also das Auf- und Umbauen komplexer Maschinerie zur Herstellung eines bestimmten Kabels, die schon die erste Hemmschwelle darstellen – das Ganze lohnt sich letztlich nur, wenn kilometerweise gefertigt wird. Sind zudem die Ingredienzen eines Kabels von Haus aus nicht billig – Reinsilber als Leiter in unserem speziellen Fall –, so entstünden für solche Riesenmengen erst einmal Herstellungskosten, die astronomisch hoch sind. Einzige Alternative ist einer der in Japan häufig anzutreffenden kleinen, aber hoch spezialisierten Betriebe, der bereit ist, mit viel Handarbeit beispielsweise 50-Meter-Strecken zu bauen. Zu immer noch hohen Kosten, versteht sich. Da wird erst dann nachbestellt, wenn die Menge verkauft ist. Ergebnis: Lieferzeit. Damit besitzt Shindos Reinsilberkabel inzwischen ­so etwas wie Raritätenstatus, die optisch unscheinbare Strippe wird höchst zurückhaltend verteilt und man knausert mit der Länge, was das Zeug hält …

Shindo NF-Kabel

Intern symmetrisch aufgebaut, besitzt das Shindo-Kabel zwei Innenleiter aus besagtem Reinsilber, es handelt sich dabei nicht um „Solid Core“, sondern um feinste Einzeladern, so genannte Litzen, die mit Teflon isoliert sind. Die Isolation ist relativ aufwendig, die Abschirmung, von der niemand weiß, ob sie ebenfalls aus Silber oder aus versilbertem Geflecht besteht, wird einseitig angeschlossen, womit das Kabel eine „Richtung“ aufweist. Was im Klartext lediglich bedeutet, dass das Ende mit der Schirmung, dem berühmten „sternförmigen“ Prinzip folgend, am Vorverstärker angeschlossen wird. Bezüglich weiterführender Informationen zu seinem Kabel hält es Shindo-san wie mit seinen Verstärkern. Anders formuliert: Er ist ungefähr so auskunftsfreudig wie eine Schweizer Bank. Immerhin ist noch in Erfahrung zu bringen, dass Auditorium 23 die Kabel konfektioniert und dazu üblicherweise SWC-Stecker benutzt, ein Foto ist auf der A23-Website zu sehen. Unser hier abgebildetes Kabel entstammt dem Bestand des Autors dieser Zeilen und ist schon etwas älter, damals wurden andere, rhodium-plattierte Stecker angelötet. Unterschiedliche Kabel für unterschiedliche Anwendungen – so etwa spezielle Phonokabel – gibt es in dieser „Philosophie“ übrigens nicht; der sehr flexible Shindo-Verbinder reicht folglich auch zum Tonarm und wird bei mir ohne viel Feder­lesens gleich an den Kontakten des EMT angelötet.

Okay, die Gretchenfrage: Wie klingt’s? Aber genau das ist in diesem Fall schwer zu sagen. Enthalten sich die Shindo-Kabel doch jeder irgendwie zu schildernden Auffälligkeit. Die Wahrheit tritt erst dann zu Tage,

wenn man einmal die Verkabelung wechselt und dann Unruhe, weniger Schwärze im Hintergrund und kleine tonale Ungereimtheiten bemerkt – au weia.

Das Gefühl wie vorher, nämlich jenes befriedigte Zurücklehnen mit der Gewissheit, dieses Thema höchst erfolgreich abgeschlossen zu haben, will sich einfach nicht mehr ­einstellen. Die kleinen Bösartigkeiten und Miss­helligkeiten mit „Fremdkabeln“ reichen dabei von nunmehr mangelnder Homogenität bis hin zu etwa echten Dynamikeinbußen. Wie gesagt: erst am Negativbeispiel stellt sich heraus, welche Klasse Shindos Kabel-Design eigentlich besitzt. Ein kompletter Austausch aller relevanten NF-Verbindungen (Vor-/Endstufe, Player/Vorstufe, Tonarm/Übertrager/Vorstufe) gegen andere Kabel provoziert einen regelrechten Klang-Absturz, der, müsste ich das Unglück beziffern, vielleicht 30 Prozent der Qualität der Anlage ausmacht. Dass ich meine teils unpraktisch kurzen Shindo-Verbinder nicht einmal mehr gegen verlockende Röhren-Schätze herausrücke, sollte damit sonnenklar sein.

Das A23-Lautsprecherkabel funktioniert, wen wundert’s, im Teamwork mit Shindos ­Silberstrippen geradezu magisch gut. Das musste sogar der stolze Japaner einsehen, der zwar kein Wort über das Thema verlor, Keith Aschenbrenners Kabel aber inzwischen selber benutzt. Für Shindo-Verhältnisse, so die Gerüchteküche, das Äquivalent zu höchs­tem Lob. Rein optisch und zugegeben auch (kabel-)technisch läuft das in grüne Baumwolle gehüllte Lautsprecherkabel eher unter der Rubrik „Seltsames & Merkwürdiges“. Verwendet werden insgesamt vier Solid-Core-Drähte unterschiedlicher Stärke, die sehr eng miteinander verdrillt sind und schließlich zwei verschieden dicke „Stricke“ formen, die jeweils in einem engen grünen Baumwoll­überzug stecken. Was weitere Infos betrifft, etwa zu den verwendeten Leitern: natürlich Fehlanzeige. Die Enden des Kabels münden in hohlen Berylliumkupfer-Bananen-Rollsteckern, die guten Kontaktdruck aufweisen und notfalls nachgebogen werden können. Und der einzige Tipp zum Anschluss: Es funktioniert – noch – besser, wenn man die beiden Leiter möglichst weit auseinanderlegt.

Rein empirisch mit der alten Try-&-Error-Methode entwickelt, so zumindest die trockene und leider so ziemlich einzige Aussage von Keith Aschenbrenner zum Thema, weist dieses Lautsprecherkabel noch eine Eigenart auf, die fast allen Erfahrungen und der technischen Einsicht zuwiderläuft: Seine sofort als positiv empfundenen klanglichen Eigenschaften scheinen sich sogar noch zu verstärken, wenn man längere Stücke verwendet. Bei mir waren es ursprünglich und versuchshalber verwendete vier Meter, die quer durchs Zimmer liefen und sich schließlich recht großzügig verlegten sechs Metern klar geschlagen geben mussten. Ein seltsamer Effekt!

Vergegenwärtigt man sich die extrem unterschiedliche Leistung, die einerseits zu Lautsprechern mit weniger als 90 Dezibel Wirkungsgrad, andererseits zu solchen mit etwa 96 Dezibel transportiert werden muss, so bildet man sich schnell eine diffuse Theorie über Kabelkonstrukte, die sich für durchschnittlich weniger als ein Watt besser eignen, als wenn es darum geht, die fünf- oder zehnfache Energie zu transferieren. Bestärkt durch die Erfahrung, dass durch Lautsprecherkabel verursachte Klangunterschiede bei „lauten“ Lautsprechern deutlich drastischer ausfielen als gewohnt, landete mein permanent verwendetes, schlicht als perfekte Lösung empfundenes A23-Kabel vorschnell in der Kontext-Kiste „Röhren und laute Lautsprecher“. Ein Fehler, wie sich während der Testarbeit mit vielerlei Lautsprechern letztlich herausstellte – das „Grüne Ding“, der Name, den das Kabel schließlich von mir bekam, erwies sich als zuverlässiges, stetig die besten Ergebnisse ablieferndes Werkzeug, welches sich mit praktisch allen anderen Schallwandlern ebenso gut zu vertragen scheint.

Tja, jetzt sind Sie, was diese beiden Kabel des Herrn Shindo und des Herrn Aschenbrenner betrifft, genau so klug wie ich. Mit tieferen technischen Infos vermag ich nicht zu dienen. Und der eine verteilt sein Kabel notgedrungen in homöopathischen Dosen, während der andere ein Bündel Drähte baut, die besser klingen, je mehr man davon benutzt. Das alles ist entweder total komisch oder total schlau oder beides. Machen Sie sich Ihren eigenen Reim darauf. Ich persönlich kann Ihnen nur dringend dazu raten, diese Kabel zu probieren. Tun Sie es. Unbedingt.

Produktinfo

NF-Kabel Shindo Laboratory

Typ: parallelsymmetrischer Reinsilber-Leiter mit ­Abschirmung

Konfektionierung: in üblichen Längen auf Bestellung

Preis: 900 Euro (2 x 1 m) plus Stecker und ­Konfektionierung

Lautsprecherkabel Auditorium 23

Typ: Solid Core

Konfektionierung: in üblichen Längen auf Bestellung

Preis: 70 Euro/Monometer bis 5 m, 80 Euro/Monometer ab 5 m; Beispiel: 2 x 3 m (Stereo) 420 Euro

Kontakt

www.auditorium23.de