Error icon

Keine Berechtigung! Sie werden zum Login weitergeleitet...

Naim Hi-Line

DIN besser denn je

Text von: Michael Vrzal

Antiquierte Steckernormen, simpel wirkende Kupferstränge: Zu Kabeln hatte Naim schon immer eine eigenwillige Meinung. Daran wird sich offenbar auch nie etwas ändern …

Die Zeit war schon lange reif, doch erst als man bei Naim beschloss, die audiophile Welt mit einer Über-Signalquelle zu erschüttern, fiel der Startschuss: Ein angemessenes Kleinsig­nal-Kabel musste her. Eines, das des ultimativen CD-Spielers CD555 würdig war. Naim wäre allerdings nicht Naim, verlöre man dabei die Mechanik aus dem Auge. So be­ließen es die englischen Entwickler nicht bei der Kabelforschung, sondern konstruierten gleichzeitig den wohl aufwendigsten, sicher aber außergewöhnlichsten DIN-Stecker aller Zeiten: den Air-Plug.

Oberflächlich betrachtet, handelt es sich dabei um einen DIN-Stecker mit extralangem Knickschutz. Die gürteltierartige Kunststoffmanschette dient aber der Dämpfung, sie soll nämlich eine Übertragung von Körperschall zwischen den Geräten verhindern. Zudem fand auch das Postulat vom rechten Cable-Dressing Berücksichtigung: Die überlange Manschette lässt das Kabel weit genug hinter das Gerät ragen, so dass es mit etwas Verlege-Geschick ohne Kontakt zum Rack frei hängen kann.

Naims Trick: Quellenseitig ist die Abschirmung über einen Widerstand mit der Masse verbunden

Außerdem bemerkenswert: Die fünf Kontaktpins stecken flexibel in einer Weichplastik-Aufnahme, und schließlich fehlt beim Air-Plug der bisher übliche Bajonettring, mit dessen Hilfe sich das Kabel an der Buchse arretieren ließ. Als Argument dafür wird jeweils Mikrofonie genannt: In die Leiter induzierte Gerätevibrationen beeinträchtigten den Klang, weshalb jede Entkopplungsmaßnahme willkommen sei. Gegen diesen Aufwand wirkt das eigentliche Kabel reichlich unspektakulär. Pro Kanal verantwortet jeweils ein eigener Kabelstrang den Signaltransport. Als Leiter dienen je zwei Litzen aus OFC-Kupfer, die mit mehreren Lagen Teflon und Kapton ummantelt und zu Paaren verseilt werden. Naim legt größten Wert auf eine effektive Schirmung, weshalb unter dem Kupferschirm noch eine Lage eines leitfähigen Schirmmaterials aufgebracht ist. Im fertigen Hi-Line sind beide Kabelstränge parallel geführt, eine mehrlagige Umwicklung mit Teflonband und der schützende Gummimantel ergeben schließlich ein mechanisch äußerst robustes Kabel.

Wer neugierig oder hifi-tunes-Autor ist, der schraubt vor Inbetriebnahme die Cinch-Stecker auf – und siehe da: Innen ist ein Widerstand zwischen Stecker-Minuspol und Kabelschirm eingelötet. Eine Maßnahme, um kapazitive Effekte des Schirms abzumildern und der Quelle „den Betrieb des Kabels zu erleichtern“, erklärt Naim-Entwickler Roy George.

Naim bietet das Hi-Line auch mit ein- und beidseitiger Cinch-Ausrüstung an. In ersterer Variante verband es den Meridian-CD-Player des Autors mit dessen Naim-Verstärkern. Komplett cinchbewehrt, ist das Hi-Line das allererste Naim-NF-Kabel für alle. Eine NF-Strippe unter vielen ist es deswegen noch lange nicht. Im übertragenen Spektrum ist kein Unterschied zu den DIN-Geschwistern zu hören. Einzig die Organisation des Klangbildes gelingt dem Naim mit Air-Plug schlüssiger, ruhiger, ganzheitlicher. Trotzdem beherrscht das Cinch-Hi-Line eben diese Disziplinen immer noch so gut, dass sich ähnlich bepreiste Cinch-Konkurrenten an ihm die Zähne ausbeißen.

Das Naim Hi-Line überzeugt mit Talenten, wie manche sie auch der Elektronik des Hauses zuschreiben. Die Musik kommt intakt beim Hörer an. Ganz krass führt das ein Vergleich mit Vertretern der Kabel-Einsteigerklasse vor Ohren: Tönten die ohne direkte Gegenüberstellung noch erträglich, entpuppen sich nun Klänge als regelrecht ausgehöhlt, von musikalischer Aussage befreit, bis hin zu einem nach Bass und Höhen zerlegten tonalen Spektrum.

Dem setzt das Hi-Line einen vollständigen Verzicht auf Übertreibungen entgegen. Nach längerem Hören dann die Erkenntnis: Alles ist da, nichts fehlt geschweige denn stört. Die hohe Kunst des unverdeckenden Spiels ohne Tricks ist die Domäne des englischen Kabels: Es lässt sich beim besten Willen nicht sagen, wie genau es diese Balance zwischen musikalischer Spannung und stressfreiem Charakter erreicht. Im Bass und Grundton schnell, locker und bedingungslos linear, in den Stimmregistern offen und „echt“, dazu der nahtlose Anschluss an die Höhen, die vollkommen integriert sind und das ohne auch nur den Anflug einer Abrundung erreichen – da bleiben keine Wünsche übrig.

Für Betreiber von Naim-Elektronik stellt das Hi-Line wie erwartet eine rundum stimmige Aufrüstmöglichkeit dar. Eine echte Überraschung aber ist die Leistung der cinchbestückten Variante: Ab sofort muss jeder, der ein endgültiges Kleinsignalkabel sucht, den englischen Verbinder in die engste Wahl ziehen. Effektvoller geht es bestimmt – natürlicher dagegen kaum.

Nicht nur bei der DIN-, sondern auch bei der Cinchbestückung verzichtet Naim auf massive Metallstecker. Der klangliche Gewinn soll für den Verlust an mechanischer Rigidität entschädigen

Produktinfo

NF-Kabel Naim Hi-Line

Konfektionierung: DIN/DIN, DIN/Cinch, Cinch/Cinch

Garantiezeit: 5 Jahre

Preis: 850 Euro

Kontakt

www.naim-audio.de