Kabel – das Wo und das Wie
„Bitte nicht knicken!”
Text von: Roland Kraft
Hier kommt – unter anderem – eine kleine Auflistung von Dingen, die Sie NICHT tun sollten.
Um mit dem Profansten anzufangen: Man zieht immer am Stecker und niemals am Kabel. Ebenso gehen wir davon aus, dass Sie die Strippen weder unter den Teppich geklemmt noch sie zum Drauftreten in den Weg gelegt haben. Was wir ebenfalls noch beherzigen sollten, ist der Knick – genauer gesagt: eben kein Knick. Eine sanfte Rundung vertragen die meisten Kabel ganz gut, einen schroffen 90-Grad-Knick dagegen nicht. Lässt sich die Strippe dagegen mit Gewalt kaum biegen, so sollte man sich an den Erfinder wenden. Und dass ein dickes Kabel-Tau sogar imstande ist, Cinchbuchsen zu beschädigen, zeigt die Erfahrung. Falls Sie auf der Strippe bestehen, ist eine Zugentlastung (festbinden, mit Klebeband festkleben) sinnvoll, um die (Ver)Spannungen eines solchen Käbelchens nicht an den Buchsen auszulassen.
Was wir ebenfalls lieber sein lassen, ist das Aufrollen. Alles, was eventuell zu lang ist, wird schön brav ausgelegt. Baut man doch so nur eine Spule, die im Falle einiger Meter Netzkabel sogar warm werden könnte – heutzutage hat jede bessere Kabeltrommel eine Temperatursicherung. Und zwar aus gutem Grund.
Apropos Buchsen und Stecker: Cinch-Stecker mit „Spannzangen“-Sicherung der Außenkontakte mögen kontaktfreudig wirken, sind aber für ihr Gegenstück häufig ungesund. Zu viel Kontaktdruck reibt die Beschichtung kaputt. Außerdem neigen solche Stecker dazu, sich nie wieder öffnen zu lassen, zumal dann, wenn sie vorher zu fest angezogen wurden.
Bei allen Kabeln unterscheiden wir zwischen signalführenden Kabeln und Netzkabeln. Beide Sorten verlegt man immer voneinander getrennt. Falls Sie Ihr Phonokabel einen Meter lang eng parallel zu einem Netzkabel laufen lassen, brauchen wir uns über eine Brummeinstreuung nämlich nicht zu wundern … Das Gleiche gilt für Netztrafos jeder Art, Netzfilter und Steckerleisten – davon bleiben wir mit unseren Signalkabeln möglichst weit weg. Also die Kabel bitte nicht quer über Geräte laufen lassen. Ach ja, apropos Netztrafo: Nicht selten garniert man seinen HiFi-Altar gerne mit einer kleinen Halogenlampe, etwa für den Plattenspieler. Bitte dran denken, dass sich da in vielen Fällen der Lampentrafo im Fuß der Lampe befindet und ein mehr oder weniger kräftiges Streufeld verursacht. Ein zehn Zentimeter weiter weg befindliches Phonokabel oder auch der 20 bis 30 Zentimeter entfernte Tonabnehmer sind normalerweise die ersten Opfer solcher Beleuchtungen. Bei den ebenfalls extrem empfindlichen MC-Übertragern oder Phono-Pres reicht es meistens, die Komponenten ein kleines Stück weiter weg zu positionieren. Da ist Ausprobieren angesagt, etwa in dem Fall, dass Sie Ihren MC-Übertrager eng neben der Vorstufe stehen haben, dummerweise aber genau dort, wo sich im Gehäuseinneren deren Trafo befindet …
Als besonderes Kapitel müssen die Netzkabel gelten. Zwischen sinnvollen Lösungen und Voodoo tummelt sich auf diesem Feld inzwischen ein breites Angebot, das von billigen, aber immerhin gut abgeschirmten Computerstrippen bis hin zu exklusiven Spezialanfertigungen reicht. Erfahrungsgemäß mischen hier auch viele Importe und sogar mehr oder weniger laienhaft angefertigte Lösungen zweifelhafter Herkunft mit. Ein wenig Vorsicht kann also nicht schaden, geht es hier doch um ernsthaft gefährliche Netzspannung. Regel Nummer eins: Zweiadrige Kabel ohne Schutzleiter lassen wir aus Sicherheitsgründen bitte links liegen. Und die Regel Nummer zwei wird zwar einigen Anbietern weniger gut gefallen, gilt aber in der EU: So genannte „Solid Core“-Lösungen, also die Verwendung massiver Drähte, sind bei Netzkabeln eigentlich verboten. Wer dennoch auf ein solches Kabel schwört, der sollte zumindest darauf achten, keine Knicke zu verursachen und die Zugentlastung des Kabels nicht zu beanspruchen. Dann folgt Regel Nummer drei: Das Abkleben der Schutzleiterkontakte ist immer und unter allen Umständen verboten. Wer das lockerer sieht, hat noch keine „gewischt“ bekommen und sollte überdies darauf vorbereitet sein, das Corpus Delicti nach dem Brand, aber vor dem Besuch des Versicherungsgutachters verschwinden zu lassen …
Ein paar weitere Worte zur Netzversorgung sind erfahrungsgemäß angebracht. So werden ja gerne Geräte mit fest eingebauten Kabeln mit „besseren“ Netzstrippen modifiziert – in der Regel ist damit die Garantie beim Teufel, und eigentlich gehören solche Aktionen, falls überhaupt nötig, ausschließlich in die Hände von Fachleuten. Ebenfalls auf der Voodoo-Flur gesichtet wurden abenteuerliche Eigenbauten von Netzkabeln, die jeder Sicherheits- und insbesondere Isolationsvorschrift hohnlächelnd den Mittelfinger zeigten. Wer so etwas verwendet, bringt sich und andere in Gefahr!
Leider sind Brummstörungen durch herstellerseitig falsche Verschaltung zwischen Schaltungsmasse und Schutzleiter immer noch an der Tagesordnung, was letztlich über die Masse der Cinchverbinder für eine so genannte „Brummschleife“ zwischen den Geräten sorgt. Um die Brummstörungen zu minimieren, ist es sinnvoll, alle Komponenten über eine einzige Steckerleiste mit Strom zu versorgen. Falls es durch Plattenspieler oder
Phonoeinheiten separate Masseverbindungen „Erdungsdrähte“) anzuschließen gilt, ernennen wir je nach Konfiguration entweder den Vollverstärker oder den Vorverstärker zum „Erdungszentrum“ unserer Anlage. Alle Erdungskontakte von anderen Geräten (Laufwerk, Tonarm, Übertrager, Phonostufe) werden, quasi „sternförmig“ ankommend, an diesem Erdungszentrum angeschlossen. Man führt also beispielsweise das Erdungsdrähtchen des Tonarmes unmittelbar an den Vorverstärker und verbindet den Erdkontakt des Übertragers mit einem weiteren Drähtchen ebenfalls mit dem Erdungspunkt der Vorstufe. Alles klar? Gut. Der „schwarze“ Lautsprecheranschluss darf übrigens nie als Massepunkt benutzt werden!
Als weitere Störquellen sind hin und wieder Knistern und Knacksen vertreten. Hier handelt es sich etwa um Schaltvorgänge in Kühlaggregaten, Wäschetrocknern oder Waschmaschinen, gegen die so schnell kein Kraut gewachsen ist; die Filterwirkung von Netzfiltern setzt meist erst sehr viel höherfrequent ein und nutzt in diesem Fall nichts. Etwas tun kann man allerdings gegen Dauerstörer wie alte Dimmer und Leuchtstoffröhren – abschalten ist angesagt. Und wer es ganz genau nimmt, belässt auch keinen PC eingeschaltet am Netz. Und dass in die Antennenleitung des Tuners ein Trennkondensator (Mantelstromfilter) gegen die böse Brummschleife gehört, erzählen wir im ausgehenden Analogtuner-Zeitalter jetzt bestimmt zum letzten Mal.
In Bezug auf die vielfältigen Angebote von Steckerleisten, Netzfiltern, Trenntrafos und sogar „Synthesizern“, welche die Netzspannung komplett neu generieren, sollte man durchweg ein Auge auf die Belastbarkeit werfen. Die übertrag- oder entnehmbare Leistung in Watt verdient durchaus Beachtung, insbesondere dann, wenn richtig dicke Endstufen-Geschütze im Spiel sind oder mehrere Verstärker in Surround-Installationen angeschlossen werden. Wird ein Netzfilter „knalleheiß“, stimmt irgendwas nicht. Auch Netzfilter mit eingebauten Symmetriertrafos besitzen Leistungsgrenzen, die durch die aufaddierten Lasten nicht überschritten werden dürfen. Das gilt auch für Trenntrafos, bei denen das Durchschleifen des Schutzleiters übrigens verboten ist; die sekundärseitige Steckdose ohne Schutzleiterkontakt ist in diesem Ausnahmefall ausdrücklich genau so vorgesehen.
„Wildes“ Hintereinanderschalten diverser Filtervorrichtungen nach dem Motto „Viel hilft viel“ ist übrigens nicht zu empfehlen. Die Kombination Filter plus Steckerleiste, oft vom Hersteller auch so vorgesehen, ist dagegen üblich und erlaubt. Und selbst mit teuren Netzfiltern kann es gut passieren, dass Sie gar keine Verbesserung feststellen – womöglich war eben gar kein Filter nötig … Unser Fazit hieraus: Nicht „blind“ kaufen, sondern, wie immer, vorher ausprobieren.