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In-Akustik Black & White LS-1302, LS-A1, NF-1302 und NF-A

Lautsprecher- und NF-Kabel unter Strom gesetzt

Text von: Stephan Schmid

In-Akustik Black & White LS-1302, LS-A1, NF-1302 und NF-A

Aktive Lautsprecher sollten prinzipbedingt ihren passiven Geschwistern überlegen sein. Am Markt haben sie sich jedoch nie durchsetzen können. Jetzt werden die Kabelverbindungen innerhalb ­einer ­HiFi-Anlage aktiviert. Kann sich hier vielleicht ein aktives (Kabel-)System etablieren?

Im Duden, Band 1, 21. völlig neu bearbeitete und erweiterte Ausgabe des Jahres 1996 – eine neuere Ausgabe besitze ich leider nicht –, ist der Begriff „aktiv“ mit „tätig, wirksam, im Dienst stehend“ definiert. „Untätig, teilnahmslos, duldend“ ist die dementsprechende Definition für „passiv“. Also habe ich mich für Wochen mit tätigen, wirksamen sowie teilnahmslosen und duldenden Kabeln befasst?

Bei In-Akustik wird seit Jahren sehr intensiv daran gearbeitet, Kabel für HiFi-Anwendungen zu optimieren. Dies wird vor allem durch die Auswahl geeigneter Materialien für Leiter, Dielektrikum und Schirmung sowie durch einen optimierten mechanischen Aufbau ­

­ver­sucht. Die Kabel-Kenngrößen Kapazität, Induktivität und Impedanz sollen dabei so gestaltet werden, dass deren Einfluss auf das Musiksignal so gering wie möglich ist. Bei ihrer Referenzreihe Black & White hat In-Akustik die Hausaufgaben natürlich gemacht. Ab einem gewissen Punkt können die Daten freilich nicht mehr verbessert werden, ohne einen anderen Parameter deutlich zu verschlechtern. Zum Beispiel wird die Kabelinduktivität des Lautsprecherkabels dadurch minimiert, dass beim LS-1302, das als „passives“ Kabel arbeitet, eine sehr hohe Packungsdichte von Hin- und Rückleitern realisiert wurde. Ab einer kritischen Packungsdichte steigt jedoch die Kapazität ­wieder sehr stark an, was natürlich auch nicht erwünscht ist. Ein Entwickler muss sich also für eine Konstruktion entscheiden, bei der die relevanten Parameter in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen.

Die Entwickler von In-Akustik haben ihre weiterführenden Ansätze genau an diesem Punkt begonnen. Mit welchen Mitteln lässt sich die Induktivität eliminieren oder we­nigs­tens auf ein möglichst niedriges Niveau senken, ohne sich jedoch Probleme mit der Kapazität einzufangen? Hier schlägt nun die Stunde der elektronischen Helferlein in Form des Aktivkits LS-A1. Bei diesem Kabel, im Grunde genommen ein LS-1302, ver­laufen in genau definierten räumlichen Abständen Hilfsleiter, die an die Elektronik angeschlossen sind. So wird ein Magnetfeld erzeugt, das dem im Hauptleiter vorhandenen Feld exakt ent­gegengerichtet ist. Die Magnetfelder löschen sich somit fast vollständig aus und die Kabelinduktivität geht gegen null. Erzeugt und gesteuert wird dieses gegenläufige Magnetfeld von einem Kästchen, das ohne weiteres schon als schlicht-schöner Vorverstärker durchgehen könnte. Auf der Front befindet sich ein Stand­by-Schalter sowie ein Regelknopf, mit dem sich die Phasenlage des Gegenmagnetfeldes ­verändern und somit die Klangbalance an­passen lässt. Rückseitig stößt man auf die Anschlüsse der Lautsprecherkabel, einen Knopf zur Impedanzanpassung an die Lautsprecher, eine Kaltgerätebuchse sowie auf den ­Ein/Aus-Schalter. Das Innenleben ­könnte sogar einem kleinen Vollverstärker sehr gut zu Gesicht stehen, denn da der ­Korrekturstrom demjenigen des Musiksignals entsprechen sollte, ist eine potente Treiberstufe nötig.

In-Akustik Black & White NF-1302 und NF-A

In-Akustik Black & White LS-1302 und LS-A1

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob ein solches Konzept überhaupt Sinn macht. Oder wurde nur mit immensem elektronischem Aufwand versucht, einem durchschnittlichen Kabel doch noch ein paar musikalische Töne zu entlocken? Gemach: Wir haben es hier ja schon in der passiven Version mit einem Kabel aus In-Akustiks Belle Étage zu tun. Nachdem beide Kabelvarianten ausreichend Zeit bekommen haben, sich einzuspielen, habe ich meine Lautsprecher via LS-1302 mit dem Verstärker verbandelt. Dann habe ich mich vor die Anlage gesetzt, Platte für Platte aus dem Schrank geholt und bin dabei seit langer Zeit mal wieder richtig in die Musik eingetaucht. Was ist passiert? Ich sollte hier doch arbeiten, ein aktives Lautsprecherkabel testen und mich nicht von Musik verwöhnen lassen … Fakt ist, das LS-1302 arbeitet auf einem Niveau, bei dem ich nichts vermisse. Es spielt rund, homogen, verfügt über eine gute räumliche Darstellung und eine sehr schöne Hochtonauflösung. Vor allem ordnet es sich ganz der Musik unter und lässt den Interpreten Raum, um sich darzustellen. Eigentlich könnten wir damit diesen Bericht beenden, denn was brauche ich mehr als ein Lautsprecherkabel, das mir die Musik nahebringt und mich Stunde um Stunde vor der Anlage festhält. Ich kann es nur jedem ans Herz legen, sich dieses Kabel einmal anzuhören!

Erfahrungsgemäß garantieren auch diese hohlen, fe- dernden Bananenstecker am Lautsprecherkabel für guten elektrischen Kontakt

Auf den kurzen schwarzen Schrumpfschlauchstücken hinter den Cinch-Steckern ist der Richtungspfeil auf- gedruckt

Auch beim NF-1302 werden die einzelnen Leiter von einem stabilen Kunststoffgeflecht zusammengehalten. Die Stecker sind übrigens extrem kontaktsicher

Aber Sie möchten endlich etwas von der aktiven Version dieses LS-Kabels hören? Klar, ich natürlich auch. Mit meinen derzeitigen Favoriten aus dem Plattenschrank habe ich mich nun auf die Suche nach den Qualitäten des LS-A1 gemacht. Als schwerer Prüfstein gilt das neue Album von Gotan Project: Lunatico. Ein mit Verve gespieltes Bandoneon plus die fantastische Stimme von Chris­tina Villalonga. Und hier zeigt das LS-A1 gleich, mit welchen Genen es ausgestattet ist. Konnte ich schon beim LS-1302 sagen, dass die Intensität, mit der die Musik gespielt wurde, genau so auch beim Hörer ankommt, so legt das LS-A1 sogar eine Schippe drauf. Die Stimme steht noch klarer im Raum und es hat den Anschein, dass die Musiker nun präziser und gekonnter spielen.

Vor Jahren gab es keine Messevorführung ohne Kari Bremnes. Norwegian Mood steht natürlich auch bei mir im Platten- und im CD-Schrank. Eine tolle Platte, um abends mit meiner Freundin auf dem Sofa zu liegen und zu kuscheln. Eines meiner Lieblings­lieder ist „A lover in Berlin“, hier zeigt die Ak­tiv­version doch sehr deutlich, was in ihr steckt. Kari Bremnes erzählt noch eindringlicher von ihrer seit langer Zeit verflossenen Liebe. Genau das ist es, was sich durch die ganze Musik zieht, wenn man von der passiven auf die aktive Version wechselt: Der Zugang zur Musik mit der aktiven Version ist direkter, die Intention des Interpreten oder der Interpretation wird viel deutlicher transportiert.

Die geschilderten klanglichen Meriten des aktiven Kabels wurden alle in der Mittelstellung des Drehknopfes an der Elektronik­einheit ermittelt. Durch die Änderung der Phasenlage des Gegenmagnetfeldes mithilfe genau jenes Drehknopfes ist der Hörer in der Lage, das durch den Stromfluss im Kabel erzeugte Magnetfeld von der Mittelstellung ausgehend unter- oder überzukompensieren. Dadurch wird es möglich, das Kabel etwas auf die technischen Parameter einer Anlage bzw. auf den persönlichen Geschmack hin zu optimieren. Um die Auswirkungen dieses „Dampfrades“ auf meine Anlage zu eruieren, war eine sehr aufwendige Prozedur vonnöten. Denn leider funktioniert das Dampfrad in keiner Weise wie ein Lautstärkeregler, bei dem sich sofort eine Veränderung in Richtung laut oder leise einstellt. Zudem benö­tigte das Kabel nun tatsächlich ein bis zwei Minuten, um die Veränderungen nachvollziehbar zu präsentieren.

Der innere Aufbau des NF-Kabels: Sehr schön sind die feinen Leiterdrähte zu sehen

Beide Kabeltypen im Größenvergleich; das Lautsprecherkabel hat einen Durchmesser von gut 15 mm

Der Aufbau des Lautsprecherkabels – allzu enge Biegeradien sind allerdings nicht drin

Wer jetzt denkt, dass die klanglichen Veränderungen durch das „Dampfrad“ eher marginal sind und im Bereich einer akademischen Diskussion liegen, der sieht sich gewaltig getäuscht. Bei Vollausschlag, ob rechts oder links, ergeben sich sogar dramatische Klangveränderungen. Leider waren diese Veränderungen aber eher nur im negativen Bereich angesiedelt: Bei der maximalen negativen Einstellung klangen Frauenstimmen muffig und verfärbt, der ganze Drive der Aufnahme war dahin. Die Live-Aufnahme Friday Night at San Francisco vermittelte förmlich den Eindruck, als würde jemand die Gitarrieros am Arm festhalten. Extrem positiv eingeregelt ergab sich dann ein genau gegenteiliges Bild: Das ganze Klangbild wirkte total nervös, ja, ein Tenor mutierte schier zum Sopran. Doch je mehr der Regler wieder Richtung Zwölf-Uhr-Stellung zurückwandert, desto geringer werden die Fehler. Und siehe da, genau in der Mittelstellung rastet das Klangbild wieder ein. Für meinen Geschmack hätte man also getrost auf das Dampfrad verzichten können. Doch wer weiß: In anderen Ketten könnte die aufwendige Regelung erst das Tüpfelchen auf dem i ausmachen …

Bei der Aktivierung von NF-Kabeln verfolgen die Techniker von In-Akustik einen ganz anderen Ansatz. Hier geht es nicht um die Optimierung von Parametern wie etwa Widerstand, Kapazität und Induktivität durch die Erzeugung von Gegenmagnetfeldern. Jedes NF-Kabel und jeder Verstärkereingang stellt für die Ausgangsstufe eines Gerätes eine mehr oder minder kompliziert zu treibende Last dar. Der Grundgedanke der In-Akustik-Techniker entstand nun aus deren Erfahrung, dass die klanglichen Fähigkeiten einer Ausgangsstufe am wenigsten beeinträchtigt werden, je hochohmiger die nachfolgende Stufe ausgelegt ist. Und es ist auch nachvollziehbar, dass ein NF-Kabel am wenigsten Einfluss auf das Musiksignal haben sollte, je potenter die Ausgangsstufe ausgelegt ist. Die Umsetzung dieses Lösungsansatzes liegt nun in Form des NF-A1 vor. Ein Black & White NF-1302 mit einem ins Kabel eingeschleiften, futuristischen, nicht gerade grazilen Kästchen plus einem potenten Netzteil, welches der Elektronikeinheit des LS-A1 im Midi-Format mit fehlendem Dampfrad gleicht. Das Innere des Kabel-Kästchens beherbergt eine ganze Anzahl von elektronischen Bauteilen und zwei Röhren.

NF-A1: Impedanzwandlung mit zwei Röhren vom Typ ECC83

Zwei Röhren in einem Kästchen zwischen CD-Player und Verstärker? Das hatten wir doch schon im letzten Jahrtausend in Form des Musical Fidelity X-10D, genannt „The Missing Link“. Und so etwas soll es nun wieder geben? Mit dem Unterschied, dass das NF-Kabel jetzt fest mit dem Kästchen verbunden ist? Aber weit gefehlt: Der Musical Fidelity X-10D war ein reiner Impedanzwandler, der den schwachbrüstigen, hochohmigen Ausgängen preisgünstiger CD-Player etwas Leben einhauchte. Beim NF-A1 sieht das jedoch schon etwas anders aus. Zwar liegt auch hier die Funktion eines Impedanzwandlers vor, zusätzlich jedoch wurde eine regelrechte kleine Endstufe eingebaut. Außerdem ist am Eingang des Kästchens nur ein sehr kurzes Stück Kabel vorhanden. Die Ausgangsstufe des Quellgerätes „sieht“ folglich nur ein kurzes Stück Kabel und hat mit der hohen Eingangsimpedanz der Elektronik leichtes Spiel. Die Röhren, zwei ECC83, dienen als Treiberstufen für die anschließenden, diskret aufgebauten Class-A-Ausgangsstufen.Wir haben es also mit einer kleinen Hybrid-Endstufe zu tun, die ins Kabel eingeschleift wurde. Und der sollte es leicht fallen, die Kabelverbindung bis zum Verstärker optimal zu bedienen, um keinerlei klangliche Verluste zu verursachen. Um störende Reflexionen in der Verbindung zu vermeiden, wurden in die Ausgangsstecker zudem noch Abschluss­widerstände eingelötet. Also keinesfalls eine aufgewärmte Geschichte, die Entwickler bei In-Akustik haben sich vielmehr umfassende Gedanken gemacht.

Viel Power für das Lautsprecherkabel, erzeugt von zwei „Endstufen“-Blöcken

Das „Dampfrad“ erlaubt die stufenlose Über- oder Unterkompensation des Magnetfeldes im Kabel

Wieder muss sich die aktive Variante der Verbindung mit ihrem passiven Pendant vergleichen lassen. Das passive NF-1302 wurde zwischen Phono-Vorstufe und Verstärker sowie zwischen CD-Player und Verstärker gespannt und ausgiebig gehört. Die Familienzugehörigkeit ist eindeutig; angenehm rund, homogen und mit der nötigen Wärme, ohne jedoch muffig und langsam zu klingen. Und was macht nun die aktive Lösung? An meiner mit einer großzügig gestalteten Ausgangsstufe ausgestatteten Moth-Phonovorstufe spielt das passive Kabel ebenso rund und homogen, mit einer sehr schönen Ausleuchtung des Raums. Das aktive Konzept erzeugt einen etwas kompakteren Raum, trennt aber die einzelnen Schallquellen deutlich klarer voneinander. Im Sinne der wahren Begebenheiten dürfte das die korrektere „Auslegung“ sein. Der größte Unterschied zwischen aktiver und passiver Variante ist jedoch die deutlich emotionalere Herangehensweise an die Musik beim aktiven Kabel.

Das Innere des LS-A1 würde auch zu einem kleinen Vollverstärker passen. Obendrauf: das Netzteil des NF-A1

Zwischen CD-Player und Verstärker ge­spannt, schlägt dann die große Stunde des NF-A1-Kabels. Hier zaubert die aktive Lösung ein Erlebnis, von dem ich subjektiv behaupten würde, dass kein einziges Digitalgerät im Spiel ist. „Funhouse“ von Flim & The BB’s, ein Lied, das 1985, zu Beginn der digitalen Ära, auf CD gepresst wurde (Flim & the BB’s, Big Notes DMP CD-454), ist gänzlich am Computer entstanden. Diese regelrechten „Klangteppiche“ machen Spaß, bergen aber immer die Gefahr, ins Nervige abzugleiten. Dem ist nicht so, wenn das NF-A1 ins Spiel kommt. Es scheint, dass die ECC-83 in der Treiberstufe ganze Arbeit verrichten und mit ihrem röhrentypischen Klirrspektrum für ein ausgeglichenes Klangerlebnis sorgen. Vor allem für die Verbindung zwischen digitalen Quellen und Vor- oder Vollverstärker kann ich das NF-A1 deshalb nur wärmstens empfehlen!

Produktinfo

NF-Kabel In-Akustik NF-1302

Konfektionierung: mit Cinch-Steckern

Preis: 317 Euro (1,2 Meter)

NF-Kabel In-Akustik NF-A1

Konfektionierung: mit Cinch-Steckern

Preis: 2400 Euro (1,2 m)

Lautsprecherkabel In-Akustik LS-1302

Preis (je nach Anschluss): ab 624 Euro (2 x 3 Meter)

Lautsprecherkabel In-Akustik LS-A1

Preis (je nach Anschluss): ab 3520 Euro (2 x 3 Meter)

Kontakt

www.in-akustik.com