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HMS Gran Finale Jubilee Komplettverkabelung

Kabel vom Physiker

Text von: Heinz Gelking

HMS Gran Finale Jubilee Komplettverkabelung

„Messtechnik für Forschung und Industrie“ – so nüchtern und sachlich firmiert die Hans M. Strassner GmbH.

Wer Kabel verkaufen will, muss ein guter Geschichtenerzähler sein. Am besten inszeniert man sich als Alchimist oder Wunderheiler, einschließlich einer Portion Geheimnis, einer Prise Weihrauch und hübsch gesalzener Preise. Sicher ist nicht alles dekorativer Unsinn, was uns die Kabelhersteller erzählen, aber wenn man ihre vielen Theorien und Argumente nebeneinanderstellt, dann können allein zwischen den Grundkonstruktionen Solid-Core, Litze und Folie gar nicht so viele Wahrheiten passen, dass alle gleichzeitig Recht haben können. Aber jeder Hersteller behauptet natürlich, den einzig wahren Pfad der Erleuchtung zu beschreiten. Mich interessieren diese Geschichten nur am Rande. Ob jemand an den Goldenen Schnitt glaubt oder an die Geheimnisse Stradivaris – das ist Folklore. Es erklärt die – unbestritten hohe – Qualität der jeweiligen Produkte nicht. Darum finde ich es gut, dass die meisten deutschen Kabelhersteller sich nicht als Märchenerzähler versuchen. Und unter diesen wiederum gibt sich kaum jemand so nüchtern wie Hans M. Strassner.

Die Ferrit-„Schuppen“ geben diesem Lautsprecherkabel nicht nur ein unverwechselbares Äußeres, sondern auch einen unverwechselbaren Klang

Hans M. Strassner hat von Anfang an immer nur aus der Praxis des Physikers und Messtechnikers argumentiert. Trotz der betont sachlichen Herangehensweise an das Thema Kabel wurde HMS spätestens mit der 1994 herausgebrachten Gran-Finale-Kabellinie welt­bekannt. Wer sich mit dem Entwickler aus Leverkusen unterhält, muss auf eine Diskussion gefasst sein, die bei Streufeldern, Übergangswiderständen oder Phasenfehlern noch lange nicht haltmacht, sondern ganz tief in Thema und Materie eindringt – gleichsam bis zur molekularen oder atomaren Ebene. Wer auf diesem Niveau nicht mitdiskutieren kann, bekommt – beispielsweise – Hans M. Strassners Theorie zu den „letzten anderthalb Metern“ (gemeint sind diejenigen von der Steckerleiste bis zur Netzbuchse am Gerät) schriftlich und bebildert als Datei per Mail. Für mich sind Leute wie Hans M. Strassner die Garanten dafür, dass die Kabelszene eben doch nicht aus Scharlatanen besteht, weil sie die Technologie hinter ihren Produkten in einem Maße offenlegen und zur Diskussion stellen, wie ein Lautsprecher- oder Verstärkerhersteller das nur ganz selten ma­chen würde. Für Strassner scheint das Entwickeln von Kabeln immer auch Teilnahme an einem wissenschaftlichen Diskurs zu bedeuten.

Hans M. Strassner hat sein aufwendigstes Netzkabel so gebaut, dass es die von ihm ermittelten Anforderungen an den letzten Meter perfekt erfüllt. Er nennt als Hauptproblem das Entstehen von Differenzspannungsstörungen, die durch den schwankenden Strombedarf von Verstärkern im Vergleich zu Quellengeräten entstehen und sich über die Signalleiter zwischen den Geräten auszugleichen versuchen. Netzkabel mit niedriger Induktivität und niedrigem Widerstand sowie ordentlichem Querschnitt, die wiederum mit Steckern konfektioniert sind, die niedrige Übergangswiderstände an den Übergabepunkten Steckdose und Netzbuchse garantieren, sollen dieses Problem bei HMS-Verkabelungen vermindern. Und auf einmal befinde ich mich in der schönsten ­Diskussion über rhodiumplatinierte Netzstecker, die derzeit schwer in Mode sind und von mir unvorsichtigerweise gegen die „ge­wöhnlichen“ Popp-Stecker von HMS ins Spiel gebracht werden. Als hätte er sich darum nicht längst selbst Gedanken gemacht! Rhodium habe schon von sich aus einen höheren Widerstandswert als Kupfer, Silber oder Gold, außerdem sei es sehr hart – im Falle von Steckern gar keine wünschenswerte Eigenschaft, weil die Oberflächen von harten Materialien auch bei großem Anpressdruck nicht so große Kontaktflächen herstellen können wie weichere Materialien. Sein Artikel über die „letzten anderthalb Meter“ enthält eine Abbildung, die das verdeutlicht. Zwei raue, unregelmäßige Flächen, die aussehen wie Sägezahnprofile, berühren sich dort nur punktuell, nämlich immer nur an „Bergspitzen“. Wenn aber eine der beiden Flächen so weich ist, dass sie sich der härteren Oberfläche der anderen anpasst, schafft man damit um ein Vielfaches größere Kontaktflächen. Darum, kontert Hans M. Strassner, verwende er die „gewöhnlichen“ Popp-Stecker, die so gewöhnlich aber auch nicht seien, weil er deren leitende Bauteile mit einer 20 Mikrometer starken Kupferschicht überziehe, die wiederum von einer ein Mikrometer starken Goldschicht gegen Korrosion geschützt werden. Akzeptiert – und erkannt, dass man als HiFi-Journalist gegenüber Strass­ner niemals versuchen sollte, altklug daher­zuschwatzen …

HMS überbietet seit rund einem Jahr die bisherige Top-Serie „Gran Finale“ mit der nochmals verbesserten „Jubilee“-Version

Ich habe mit dem HMS Gran Finale SL an zwei Geräten experimentiert, nämlich am Sugden A21 SE und am CDP-202 von Classé. Der Sugden A21 SE klang nach dem Austausch des Standardkabels gegen das Power Chord von HMS wunderbar fließend, präzise und dynamisch – er gewann eine Souveränität und Autorität, die ich von einem – mit 2 x 30 Watt an 8 Ohm ja doch eigentlich verhältnismäßig schwachen – Class-A-Verstärker niemals erwartet hätte. Viele Class-A-Amps klingen ja „schön“, aber nicht unbedingt „aufregend“ und „echt“. Der Sugden A21 SE spielte, vom HMS-Netzkabel versorgt, als hätte man ihm einen Sechszylinder implantiert: kraftvoller, ruhiger, stimmiger und agiler. Und mit einer Transparenz, die mich jeden Testtag begeistert hat. Aber das war nicht der eigentliche „Testaufbau“.

Leider kam der bei mir befindliche Krell FBI für Experimente mit dem HMS-Netzkabel nicht in Frage – der Vollverstärker-Brummer hat nämlich eine in Deutschland nicht gebräuchliche Netzeingangsbuchse und spielte darum an seinem Standardkabel. Aber nach meiner Erfahrung reagieren auch digitale Quellengeräte recht deutlich auf den Austausch von Netzkabeln. Deshalb nutzte ich Classés großen CD-Spieler CDP-202 als Prüfstein und betrieb ihn abwechselnd mit dem Harmonix X-DC2 und dem HMS Gran Finale SL. Ich höre die Niederaltaicher Scholaren, einen Chor unter der Leitung von Konrad Ruhland, mit dem Ave Maris Stella eines unbekannten Komponisten („Anonymus“). Die Aufnahme entstand in der Basilika St. Michael, Altenstadt, für Sonys Vivarte-Label. Erkenntnis nach mehrmaligem Hin- und Herprobieren: Beim Harmonix X-DC2 wirkt der Raum eine Winzigkeit größer und noch sinnlicher. Doch nach „objektiven“ Kriterien liegt vielleicht das HMS Gran Finale SL vorn: Die Abbildung hat bei ihm „mehr Biss“. Die Chorsänger erscheinen beinahe noch plastischer und greifbarer vor dem „sehenden“ Ohr. Sie sind eine Nuance randschärfer abgebildet. Welches Kabel ist besser? Keines. Dies ist kein Vergleichstest. Es geht darum, Unterschiede auf der Ebene von Schwingungen und Eindrücken wahrzunehmen und zu beschreiben. Am Status selbst besteht für mich kein Zweifel: Mit einem dieser beiden Netzkabel würde ich nur zu gern meine Anlage „unter Strom“ setzen. Und doch sind da klar benennbare, weil klar wahrnehmbare Unterschiede: Fast jeder Audiophile wird „Solomons Song“ von Cassandra Wilsons CD New Moon Daughter kennen – fast schon zu spektakulär aufgenommen. Wenn das Harmonix X-DC2 den Strom anliefert, entfaltet sich die Musik vollkommen widerstandsfrei und relaxt, mit dem HMS Gran Finale SL klingt sie für mich jedoch rhythmisch etwas agiler, eine Spur dynamischer und minimal sauberer und präziser.

In zehn Stufen lässt sich die Impedanz des Gran Finale Jubilee Interconnect anpassen. So kann man einen Ausgang auf den Empfängereingang abstimmen

Die Holzkästchen enthalten Spulen und Widerstände, die in den Signalweg geschaltet werden können. Das verändert den Dämpfungsfaktor und damit den Klang

Hans M. Strassner nimmt für sich in Anspruch, eines der „schnellsten“ NF-Kabel der Welt entwickelt zu haben – bis zu 95 Prozent der Lichtgeschwindigkeit sollen die Signale auf ihrer Reise durch das Kabel erreichen. Das wurde nicht zuletzt durch ein besonders verlustarmes Dielektrikum möglich. Ähnlich Cardas und Sunaudio setzt HMS auf eine Teflon-Ummantelung, die so konstruiert ist, dass das Material nur auf kleiner Fläche, gewissermaßen an „Stegen“ Berührung mit der Leitung hat – es überwiegt die Luft, das zweitbeste Dielektrikum nach dem Vakuum. Als Leitermaterial selbst kommt versilberte Kupferlitze zum Einsatz. Um dem Kabel jegliche Neigung auszutreiben, sich als „Antenne“ zu betätigen, wird das Interconnect mit einem dichten Abschirmgeflecht aus Ferritfolie ausgerüstet. Mir stand zum Test ein symmetrischer Kabelsatz zur Verfügung. Der erhebliche Preisaufschlag im Vergleich zur Cinch/Cinch-Version (1800 Euro statt 1200 Euro/1 Meter) ergibt sich daraus, dass in dieser Version zwei Koaxialleitungen der „normalen“ asymmetrischen Version des Kabels zum Einsatz kommen.

Ich habe das Gran Finale Jubilee Interconnect zwischen dem XLR-Ausgang des Classé CDP-202 und dem XLR-Eingang des Krell FBI genutzt. Das HMS-Kabel ersetzte dabei eine Verbindung gleicher Länge von TMR – bisher das beste mir verfügbare und bekannte symmetrische NF-Kabel. Ich höre Schuberts Oktett D803 in einer Aufnahme des Consortium Classicum von der Fürstlichen Reitbahn Arolsen – von Werner Dabringhaus in bewährt „natürlicher“ MDG-Klangqualität aufgenommen. Das TMR-Kabel klingt in den Klangfarben gedeckter und etwas dumpfer als die HMS-Verbindung; nur in hell klingenden Ketten würde ich ihm vielleicht den Vorzug geben. Doch das HMS Interconnect differenziert deutlicher zwischen den Klangfarben der acht Instrumente und holt sie mir noch glaubwürdiger in den Raum. Das offenbart sich bei den drei so unterschiedlich gebauten Blasinstrumenten weniger als bei den Streichern, die wegen der gleichen Art und Weise der Tonproduktion einen viel ähnlicheren Klang haben. Die Musik entfaltet sich über das HMS Interconnect etwas offener, farbiger, lebendiger und mit mehr Energie – zwischen den Kabeln liegen keine „Welten“, aber eben doch Unterschiede. Doch dieser Vergleich ist gewiss nicht fair – für ein HMS-Kabel bekäme man drei TMR-Kabel. Was nichts daran ändert, dass mir das Gran Finale LS Jubilee Interconnect außerordentlich gut gefällt. Randbemerkung zum Selberprobieren: Ausgestattet mit „Top-Match“-Kästchen wie unser Testexemplar, lassen sich die Kabel optimal zwischen Ausgangsimpedanz der Signalquelle und Eingangsimpedanz des Verstärkers einpassen. Dabei passiert tatsächlich was!

Die Leiter des teuersten Lautsprecherkabels von HMS werden durch dicht aneinander geordnete Ferrithülsen geführt, die wegen ihrer cleveren Formgebung relativ enge Biegeradien erlauben. Das muss auch so sein, denn ab Verstärkerausgang oder Lautsprecher­terminal folgt dieses Kabel unvermittelt und geradeaus der Schwerkraft – das HMS Gran Finale LS Jubilee zieht es auf den Boden. Es sieht eleganter aus, als es sich tragen lässt. Mensch, ist das schwer!

Die Leiter dieses Kupferkabels bestehen aus 1584 Einzellitzen in drei zwischen den Ferrit-Schuppen gut erkennbaren teflonisolierten Strängen. Die nahezu vollständige Ferrit-Ummantelung soll Streufeldverluste minimieren, aber auch für mechanische Stabilität sorgen und verhindern, dass die Leitungen – bei Strömen bis 20 Ampere, wie sie nach Auffassung von HMS in Lautsprecherkabeln tatsächlich vorkommen – in Vibration geraten und das Signal verfälschen. Das HMS Gran Finale LS Jubilee weist nach Herstellerangaben einen extrem niedrigen Induktivitätswert und eine extrem kurze Stromanstiegskonstante auf.

Dem Kabel ist eine richtige Bedienungsanleitung beigelegt – sinnvollerweise. Es verfügt nämlich über Kirschholzkästchen mit vier Stellschaltern, über die sich Zobelglieder und Widerstände in den Signalweg schalten lassen. Die Auswirkungen sind vom Verstärker und den Lautsprechern abhängig und zeigen sich im Maß an Basspräzision und Grundtonfülle. Die zugeschalteten Widerstände verändern den Dämpfungsfaktor und mit ihm den Klang.

Ich hatte ein Testexemplar in Bi-Wiring-Ausführung geordert, um das Kabel an meiner mit Bi-Wiring-Terminals ausgestatteten Revel Performa F32 ohne klangverschlechternde Brücken testen zu können. Der Klang? Von bisher so nie gehörter Klarheit und Deutlichkeit – aber ohne jede Beimengung von Schärfe. Der Steinway D, auf dem Evgeni Koroliov und Ljupka Hadzigeorgieva Schuberts Fan­tasia D940 für das Tacet-Label eingespielt haben, hat genau den richtigen Glockenklang für einen modernen Konzertflügel: Hier klingt Metall. Die Töne haben einen festen, präzise definierten Kern, wo der Hammerfilz auf die Saiten trifft, doch unmittelbar danach schwingen die Saiten frei und der Raum füllt sich

mit feinen Schwebungen. So muss ein Klavier klingen: groß wie ein ganzes Orchester, hauchzart wie ein leise angeschlagener Triangel, voller Energie wie eine mächtige Bronze­glocke!

Claudio Abbados Live-Aufnahme von De­bussys La mer mit dem Lucerne Festival Orchestra bestätigt diesen Eindruck: Wenn es Lautsprecherkabel geben sollte, die ähnlich „unverwaschen“ klingen, so habe ich sie noch nicht gehört. Mag sein, jene Harmonie und jenen Wohlklang, die das Harmonix HS-101 LS in Verbindung mit den Max-Jumpern der Musik gleichsam zurückzugeben scheint, hat das HMS Gran Finale LS Jubilee nicht. Dafür klingt es noch offener, unverfärbter und hinsichtlich der Klangfarben und Dynamik noch feiner differenzierend. Der Raum mag eine Winzigkeit kleiner wirken als bei der Harmonix-Verkabelung, aber dafür herrscht auf der imaginären Bühne noch mehr Ordnung zwischen dem linken und rechten Rand sowie zwischen der vorderen Bühnenkante und der rückwärtigen Wand. Das HMS-Kabel hat die Abbildungsschärfe eines Leica-Objektivs mit fester Brennweite.

„Bom Feeling“ – von guten Gefühlen singt Sara Tavares auf ihrer CD Balancé. Und während ich da sitze und höre, kommt mir

in den Sinn, dass dieser Aspekt vielleicht der wichtigste am HMS Gran Finale LS Jubilee

ist – und einer, den man aus Respekt vor der Entwicklungsleistung Strassners allzu leicht vergisst. Ja, dieses Lautsprecherkabel macht „alles“ richtig – jedenfalls mehr als andere. Aber es klingt nicht fehlerlos im Sinne streberhafter Erbsenzählerei, sondern wie befreit. Es überträgt die Musik unbelastet von Beimengungen und Irritationen. Darum spielt sie so locker und vollkommen unverkrampft. Als wäre diese Selbstverständlichkeit eine Selbstverständlichkeit. In jedem Fall macht sie Freude!

Produktinfo

Netzkabel HMS Gran Finale SL Jubilee Power Chord

Preis: 570 Euro (1 m, konfektioniert)

NF-Kabel HMS Gran Finale Jubilee Interconnect

Kabelaufbau: symmetrisch

Preis: 1850 Euro (2 x 1 m)

Lautsprecherkabel HMS Gran Finale LS Jubilee

Preis: 4000 Euro (2 x 3 m, konfektioniert für Bi-Wiring)

Kontakt

www.hmselektronik.com