HMS Duetto Mk III
Die Gene der Großen zum Preis der Kleinen
Text von: Stefan Fahrnholz
Lässt sich die Qualität der HMS-Topkabel in die Einsteigerklasse transferieren? Ein Budget-Tipp vom Kabelspezialisten.
HMS gehört mittlerweile zu den renommiertesten Kabelherstellern weltweit. Die Produkte des in Leverkusen ansässigen Unternehmens sind besonders im Hoch- und Höchstpreissegment bekannt und geschätzt. Bei HMS ist alles wissenschaftlich nachzuvollziehen, es gibt kein Voodoo und keine unerklärbaren Phänomene, wie sie ja gerade in der HiFi-Kabelbranche häufig vorkommen. Das Gran Finale, Topkabel von Hans M. Strassner, dem Namensgeber und Gründer des Unternehmens, heimst rund um den Globus regelmäßig Auszeichnungen und Preise ein. Da stellt sich doch die Frage, ob diese Qualität auch noch in der Low-Budget-Klasse zu finden ist. Genau dies soll anhand des günstigsten Cinchkabels in der HMS-Hierarchie, des Duetto, geklärt werden.

Der erste Eindruck: Das dunkelblaue, 7,2 Millimeter durchmessende und damit recht dicke Kabel ist sehr steif und entsprechend schwer zu verlegen. Zu kleine Radien sollten, wie übrigens bei allen Kabeln, tunlichst vermieden werden, da sonst die Innenleiter geknickt werden könnten. Der Aufbau ist eine parallelsymmetrische Solid-Core-Konstruktion mit zwei verseilten Massivleitern aus hochreinem Kupfer. Laut Hersteller ist die Einstreufestigkeit so hoch, dass es sich auch von benachbarten Netzkabeln nicht irritieren lässt. Dies sollte freilich trotzdem vermieden werden, man muss ja nicht unnötig Einstreuungen provozieren. Falls sich das Duetto trotzdem durch Netz- und Lautsprecherkabel schlängeln muss, gibt es noch eine Version mit einem integrierten, breitbandig wirkenden Hochfrequenz-Entstörfilter gegen Elektrosmog. Mir lag die mit Neutrik-Steckern konfektionierte Version ohne Filter vor, mit der die gesamte Anlage verkabelt wurde.
Und wie klingt’s? Der Unterschied zur berühmt-berüchtigten einfachen Beipackstrippe ist schon gravierend: Sofort tritt eine gewisse Ruhe ein, das Klangbild wirkt wesentlich ausgewogener. Die Musik wird unverfälscht und neutral dargeboten, Details werden sehr gut herausgearbeitet. Aber die Paradedisziplin des Duetto ist zweifellos ungebremste Dynamik. Der Longplayer Broken Boy Soldiers der Indierocker The Raconteurs kommt so aus den Lautsprechern, wie von den Künstlern gewünscht: Ein fetter, (oft gewollt) übersteuerter Sound mit einem wundervoll trockenen Bass. Hier wird nichts geschönt oder weichgespült – so soll es sein! Fazit: Die blaue Strippe besitzt keinerlei Eigenklang, was ja eigentlich das größte Kompliment für ein Kabel darstellen sollte. Das Duetto hat zweifellos Eigenschaften der „großen“ HMS-Kabel geerbt, man kann hier durchaus von einer Art „Familiencharakter“ sprechen. Ein ganz großer Tipp für alle, die in Kabel nicht allzu viel investieren wollen!
Produktinfo
NF-Kabel HMS Duetto Mk III
Konfektionierung: mit Cinch-Steckern
Kabelaufbau: parallelsymmetrisch, 2 x Solid Core verseilt (gemeinsamer Geflechtschirm)
Leitermaterial: OFC hoher Reinheit
Außenmantel: Polyurethan, abrieb- und flammfest Durchmesser: 7,2 mm
Kleinster empfohlener Biegeradius: 30 mm
Dielektrikum: SPTFE-Folie (Teflon) und SPE (Polyethylen)
Kapazität: 78,0 pF/m
Induktivität: 0,42 µH/m
Widerstand: 71,4 MΩ/m
Wellenwiderstand: 734 Ω
Preis: 150 Euro (2 x 1 m), mit Filter 195 Euro
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