High-Tune Explorer CMP
Und jeden Morgen steht einer auf …
Text von: Heinz Gelking
Das Explorer CMP sieht aus wie die Kopie eines bekannten Berliner Kabels – ist es aber nicht!
Neue Kabelhersteller braucht das Land? – Sicher nicht. Auch über Kabel lässt sich nämlich der alte Witz von den Lautsprechern machen: Jeden Morgen steht einer auf, kratzt sich am Kopf, betrachtet selbstzufrieden
sein Do-it-yourself-Produkt und beschließt Marktführer zu werden. Auf Gerald Michl und sein Explorer CMP passt der Witz nicht. Der Mann meint es nicht nur ernst – er macht auch ernst. Von seiner im Aufbau befindlichen Kabellinie ist seit ein paar Monaten das NF-Kabel Explorer CMP am Markt, die Entwicklung des Lautsprecherkabels ist abgeschlossen, und dass irgendwann Netzkabel hinzukommen, schließt der Entwickler mittlerweile nicht mehr aus.
Gerald Michl kam weder als Physiker noch als Elektrotechniker zum Thema, sondern als Selbstbauer. Im Internet betreibt er eine Do-it-yourself-Seite mit Tipps zum Nachmachen www.high-tune.de. Die dort vorgestellten NF-Kabel sind übrigens zum Teil frühe Vorstudien zum Explorer CMP. Irgendwann kam es, wie es kommen musste. Gerald Michl hatte seine NF-Leitungen einem Händler gezeigt, der sie gerne als „Hauskabel“ ins Programm genommen hätte. Auch wenn man sich nicht einig wurde, mündete das in die Frage „Warum eigentlich nicht?“. Woraufhin er sich seine DIY-Kabel noch einmal von vorne vorgenommen hat, diesmal mit dem Ehrgeiz, keinen Budget-Tipp zu entwickeln, sondern Signaltransporteure „vom Feinsten“ und „made in Germany“. Darum sind sie auch nicht ganz billig. Wobei der Hauptanteil an den Herstellungskosten in der Arbeit bestehen soll. Ich glaube das sofort. Allein das Aufbringen der Teflonisolierungen muss Stunden dauern.
Gerald Michl liefert zu seinen Kabeln kein fundiertes und komplexes Gedankengebäude aus Physik und Elektrotechnik wie HMS oder TMR, aber ehrlicherweise tischt er auch keine Pseudo-Philosophien auf. Zwei technische Argumente vertritt er allerdings mit Nachdruck. Das eine lautet, Koaxialkabel seien für eine Audiosignal-Übertragung wegen des unterschiedlichen Aufbaus von Hin- und Rückleitern eigentlich ungeeignet. Das andere nennt extrem dünne Folienleiter als probates Mittel gegen den so genannten Skin-Effekt: Hier sollen sich alle Frequenzen auf derselben Fläche fortbewegen – für unterschiedliche Eindringtiefen verschiedener Frequenzen fehlt es dem Material an Stärke. Ich veranschauliche mir das so: Je dünner das Papier, desto weniger kann die Tinte versickern. Darüber hinaus besteht Gerald Michls Weg zur Erkenntnis darin, viele Prototypen zu bauen und sich viel Zeit zum Hören und Probieren zu nehmen. Im Endergebnis steht ein teflonisoliertes Kabel, dessen Leiter aus Kupferfolie mit einer Stärke von weniger als 0,1 Millimeter bestehen. Der Abstand zwischen Hin- und Rückleiter beträgt gerade einmal einen halben Millimeter. Wie die meisten Folienkabel weist auch das Explorer CMP nach Herstellerangaben eine niedrige Induktivität und eine hohe Kapazität auf. Weil er ungeschirmte Kabel immer als besser klingend empfunden hat, verzichtet Gerald Michl auf eine Abschirmung gegen Einstreuungen. Obwohl ich diesbezüglich in einer ziemlich problematischen Umgebung wohne und arbeite, traten während mehrerer Monate mit dem Explorer CMP keine Probleme auf.

Zum Schutz gegen Beschädigungen ist das Explorer CMP mit einem schwarzen Gewebeschlauch ausgerüstet, und an dieser Stelle bekomme ich bei aller Sympathie für den „Jungunternehmer“ doch ein wenig Bauchschmerzen. Selbstverständlich wird es nicht unendlich viele Anbieter dieser Schläuche geben, und am Ende kaufen eh alle beim selben Hersteller. Doch als Anbieter von Folienkabeln aus Deutschland sollte man so was aus Respekt gegenüber dem Berliner Vorreiter nicht machen. Wobei – ich kann es nicht oft genug schreiben – sich das Explorer CMP konstruktiv (zum Beispiel beim Dielektrikum) und klanglich vom TMR Ramses unterscheidet.
Es ist gar nicht so einfach für einen Newcomer, von HiFi-Zeitschriften beachtet zu werden. Dem gehen oft etliche Telefonate mit der Chefredaktion und mit am Thema interessierten Autoren voraus. Gerald Michl schwatzte nicht lange herum, sondern packte ein Kabel ein, schickte es mir zu, ich probierte es aus und … aber hallo! Das nagelneue Explorer CMP spielte anfangs etwas hakelig, ließ aber vom Start weg am Detailreichtum und an der Dynamik seines Klangbilds erkennen, welches Potenzial es hat. Im Zuge der Arbeit mit anderen Kabeln kam es zum Einspielen dann erstmal für etliche Wochen zwischen Tuner und Verstärker, wo es morgens täglich seine Lockerungsübungen machen konnte. Dann habe ich es vorwiegend als Kabel zwischen dem Classé CDP-202 und dem Sugden A21 SE sowie zwischen der Phonostufe SAC Entrata Disco und dem Krell FBI eingesetzt. Mir gefiel seine ehrliche Spielweise sehr gut. Die Musik hat etwas Unmittelbares und Direktes, Authentisches. Mag sein, dass ein Harmonix
HS-101 noch eine Spur geschmeidiger und sinnlicher klingt, mag auch sein, dass ein TMR Ramses den Hintergrund des Klangbilds noch weiter abdunkelt, woraus man auf eine noch unbeeinträchtigtere Signalübertragung schließen könnte – das Explorer CMP sucht sich zwischen solchen (teureren) Nachbarn eine Nische, indem es viel von den Eigenschaften beider bietet und sie um eine fast schon
„phonosophische“ Livehaftigkeit ergänzt. Es überträgt intensive Klangfarben, eine weite dynamische Spanne, eine rand- und tiefenscharf projizierte imaginäre Bühne und einen punktgenauen und straffen Bassbereich. Mit dem Explorer CMP hat Gerald Michl ein Kabel entwickelt, das wunderbar lebendig, aber niemals hemdsärmelig spielt. Dickes Kompliment und eine noch dickere Empfehlung. Dieses Kabel wird Furore machen!
Produktinfo
NF-Kabel High-Tune Explorer CMP
Konfektionierung: mit Eichmann Bullet Plugs (andere Konfektionierungen möglich)
Preis: 440 Euro (2 x 90 cm, andere Längen möglich)
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