Harmonix Komplettverkabelung
Ausschließlich Klang-Erlebnisse
Text von: Heinz Gelking

Kabel von Harmonix befanden sich immer nur einzeln und für kurze Zeit in meiner Anlage. Eine Komplettverkabelung von Harmonix – das wollte ich schon immer einmal erleben!
Genau genommen kenne ich das Lautsprecherkabel HS-101 LS und die Max-Jumper aus einem früheren Textbericht für image hifi, und das Netzkabel X-DC2 konnte ich während der Arbeit mit dem Reimyo CDP-777 nutzen. So umstritten Harmonix-Produkte – wegen der gesalzenen Preise und der wenig offenen Informationspolitik – auch sein mögen, zwei Dinge finde ich richtig gut: Erstens treten mit den Tuningprodukten von Harmonix nach meiner Erfahrung die jeweils versprochenen Verbesserungen im Klang tatsächlich ein, zweitens stellt sich Virgil Warren vom deutschen Vertrieb landauf, landab unermüdlich bei verschiedenen Gelegenheiten mit seinen Sachen einem kritisch hinhörenden Publikum. Dabei wird niemand mit (pseudo)wissenschaftlichen Argumenten bequatscht; noch der größte Skeptiker ist eingeladen, sich zurückzulehnen und die eigenen Ohren über das Vorhandensein einer Wirkung entscheiden zu lassen. Die Harmonixer argumentieren nämlich ausschließlich mit Klangerlebnissen. Technische Argumente hört man nie. Dabei wird auch bei Harmonix jede Veränderung im Klang eine technische Ursache haben, und vermutlich kennt Harmonix-Mastermind Mr. Kiuchi die sogar jeweils ganz genau. Aber er redet kaum darüber.

Das Netzkabel X-DC2 als Summe feinster Bestandteile, zum Beispiel mit Steckern von Furutech
Immerhin berichtet er auf Nachfrage per Mail ein wenig von der Entwicklung der Harmonix-Kabel. Er habe mit dem Einsatz von Silber und Silber-Legierungen experimentiert und sich am Ende für hochreines Kupfer (PCOCC) einer bestimmten Materialstärke entschieden. So weit nichts Ungewöhnliches. Auch eine cryogene Behandlung der Leitermaterialien habe er ausprobiert, aber das hätte aus seiner Sicht nichts gebracht. Hingegen komme es – über eine „Grundregel“ hinaus, nach der alle Harmonix-Kabel konstruiert seien, die er aber nicht verraten könne – auf die harmonische Verbindung aller Teile an. Darum sind Harmonix-Kabel mit Steckern von Wattgate oder Furutech ausgerüstet. In dem Zusammenhang schreibt Mr. Kiuchi, dass beim Entwickeln eines Kabels sämtliche Stecker als Teil des Signalweges gedacht werden müssten, genauso wie das Leitermaterial. Harmonix-Kabel gebe es darum auch nicht „von der Rolle“, sondern nur fertig konfektioniert.
Was die Preispolitik von Harmonix angeht, zucke ich mittlerweile nur noch mit den Schultern. 500 Euro für ein Netzkabel oder 1520 Euro für zweimal 30 Zentimeter Max-Jumper – das überhaupt nur erklären zu wollen, hieße, sich vor den Karren dieser Preispolitik spannen zu lassen. Das werde ich nicht tun. Auf der anderen Seite werde ich mich auch von niemandem daran hindern lassen, die Harmonix-Verkabelung für ziemlich genial zu halten.
Erstaunlicherweise war kein Schritt während des Austauschs einer herkömmlichen Verkabelung gegen Hamonix größer als der Wechsel des Netzkabels an einer Stereo-Endstufe vom Typ Lindemann 850. Weder der spätere Austausch weiterer Netzkabel noch andere NF-Verbindungen noch der Wechsel des Lautsprecherkabels hatten eine so starke Verbesserung der Klangqualität zur Folge. Darum dies vorweg: Bei einer erstklassigen Endstufe oder einem sehr guten Vollverstärker lohnt sich die Investition in ein Harmonix X-DC2 nach meiner Erfahrung am ehesten. Die Lindemann-Endstufe wurde vorher über ein Powerchord von Audience versorgt, wahrlich genauso wenig eine „billige“ Lösung wie das Harmonix X-DC2 und vielfach teurer als mein Standard-Netzkabel von TMR. Hilary Hahn und Natalie Zhu spielten Mozart (DG-CD, besprochen in image hifi 6/2005). Ich brauchte keine drei Takte, um Unterschiede wahrzunehmen. Es geht dabei nämlich nicht um weit hergeholte und von der Tagesform abhängige „Empfindungen“. Die Unterschiede sind klar benennbar und erstrecken sich auf „harte“ HiFi-Kriterien. Erstens sind Violine und Klavier besser vom Hintergrund gelöst; das Klangbild hat mehr Tiefe und eine größere Dreidimensionalität. Zweitens spielen die Instrumente dynamischer. Ich kann die spezifische Klangentstehung beim Flügel – diese explosive Entfaltung nach dem Auftreffen des Hammers und das anschließende feine Ausklingen der Saite – jetzt besser wahrnehmen. Die verbesserte Dynamik hat jedoch nichts Vordergründiges, Sensationelles, Effekthascherisches – im Gegenteil: Es geht um Nuancen, winzige Veränderungen beim Druck, den Hilary Hahn auf den Bogen ausübt, oder in der Anschlagskunst von Natalie Zhu. Drittens vermittelt mir die Lindemann-Endstufe, wenn sie ihre Energie über das Harmonix X-DC2 erhält, noch feinere Tonwerte bei der Wiedergabe von Klangfarben. Es fällt mir jetzt noch leichter zu verfolgen, auf welcher der vier Saiten ihrer Geige Hilary Hahn eine Phrase spielt, weil der Charakter der Saiten, ihre jeweils eigene Klangfarbe nun noch besser zur Darstellung kommt. Zugleich bin ich hier an einem Punkt, wo HiFi-Kriterien eben doch nicht mehr ausreichen, um das Erlebte zu beschreiben: Vor allem meine Lieblingssonate auf dieser CD, KV 304 in e-Moll, wirkt farbiger, dynamischer, im Zusammenspiel noch schlüssiger, kurzum: schöner als je zuvor. Auch unter den nicht festgelegten, nicht definierten, nicht benennbaren, weil „musikalischen“ Kritierien hat das Harmonix X-DC2 für mich klar die Nase vorn. Wer alle Harmonix-„Philosophie“ für überteuerten Humbug hält und über eine schon ziemlich weit ausgereizte Anlage verfügt, dem empfehle ich dennoch, sich zumindest einmal ein Netzkabel für Endstufe oder Vollverstärker auszuleihen – zum Hören und Staunen.

Das Harmonix-Lautsprecherkabel HS-101 LS ist ein gutes Stück flexibler als einige andere Top-Kabel
In einem weiteren Schritt habe ich SACD-Player und Vorstufe (Lindemann 820 und 830) mit den Netzkabeln ausgestattet. Da passiert noch was, sicher. Aber es passiert nie wieder so viel wie beim ersten Netzkabel-Tausch an der Endstufe. Der Preis für jedes weitere Netzkabel bleibt gleich, aber die daraus resultierenden Schritte werden bei jedem weiteren Kabel kleiner. Es geht nicht mehr um tief greifende Veränderungen, sondern nur noch um Vervollkommnung: Das Klangbild wird mit jedem Harmonix-Netzkabel informativer, und darum kommt immer mehr Musik über die Lautsprecher.
Auch ein Austausch des Lautsprecherkabels hat wahrnehmbare Folgen. Allerdings unterscheidet sich das HS-101 LS nicht gravierend von meinem gewohnten TMR Ramses. Für mich gehört es jedenfalls in den Bereich der Geschmacksfrage, was besser sein mag: Klingt das Ramses eine Spur „matter“ oder „schwarzer“ oder „geschlossener“ als das
HS-101 LS? Bietet das Harmonix-Kabel dagegen eine Spur mehr „Glanz“ auf den Instrumenten? Tönt es womöglich minimal „offener“ und „farbintensiver“? Nehmen Sie, was ich bewusst in Frageform formuliere, einfach als Andeutung einer Tendenz. Hier spielen in jedem Fall zwei fantastische Lautsprecherkabel, die insbesondere an den kritischen Frequenzenden mit einer Detailflut begeistern, die das Hören zum Erlebnis macht und von Mittelklasse-Kabeln in dieser Intensität nicht geboten wird. Wahnsinn, wie feine Schwingungen beispielsweise aus der Kontrabassgruppe des London Philharmonic Orchestra in Mendelssohns Ouvertüre Meeresstille und glückliche Fahrt op. 27 (Philips-LP, Dirigent: Bernhard Haitink) in den Hörraum übertragen werden!

Die wahrscheinlich teuersten Kabelbrücken der Welt: Harmonix Max-Jumper
Drei Wochen später trudeln die Max-Jumper bei mir ein, weil Virgil Warren sie zuvor auf Vorführungen gebraucht hatte und nicht früher erübrigen konnte. Nachdem ich die Kabelbrücken an der Revel Performa F32 gegen die Max-Jumper ausgetauscht habe, ist es mir völlig egal, dass allein „ab Lautsprecher-Ausgang“ mittlerweile Kabel für über 3000 Euro in meiner Anlage spielen: Der Orchesterklang entfaltet sich jetzt nämlich noch blühender und sinnlicher. Die Max-Jumper haben nämlich die allerletzte „technische“ Beimengung im Klangbild zum Verschwinden gebracht, ohne dass ich dafür irgendeine Erklärung anbieten könnte. Natürlich hatte ich nach der Funktionsweise dieser „Kabelbrücken“ gefragt, aber nichts über die allgemein gehaltene Information hinaus erhalten, derzufolge die Max-Jumper an den Bi-Wiring-Terminals Klirr aus dem Hochtonbereich der Musikwiedergabe filterten.

Wie bei allen Kabeln von Harmonix ist auch beim HF-101 NF eine Laufrichtung vorgegeben
Zuletzt schleuse ich NF-Kabel von Harmonix in meine Anlage; die Verkabelung ist mit den HS-101 NF dann komplett. Und die NF-Kabel erweisen sich als das i-Tüpfelchen, ein letzter Schritt in Richtung einer totalen Entfaltung der Musik. Wieder höre ich die Mozartsonaten mit Hilary Hahn und Natalie Zhu. Ich glaube es angesichts meiner vorherigen Begeisterung kaum, aber die Violine hat noch feinere, schillerndere, berückendere Farben bekommen, der Klavierton wirkt noch tragfähiger und von glockengleicher Kraft, das Zusammenspiel der beiden Musikerinnen überträgt sich noch besser, und ich meine, auch ohne Bild zum herrlichen Ton, die Verständigung in kleinen Gesten – ein Blick hier, ein Nicken dort – nein, nicht zu sehen, sondern zu hören. Das Wesentliche, die Essenz der Harmonix-Verkabelung ist für mich ihre Fähigkeit, Musik zu kommunizieren und vollständig zur Entfaltung zu bringen. Bei Harmonix-Produkten – übrigens auch bei den Gerätefüßen und den Roomtuning-Elementen – habe ich immer das Gefühl, sie gäben der Musik einen Reichtum zurück, den sie im Moment der Aufnahme schon hatte, der aber irgendwo in der Übertragungskette verloren gegangen ist.
Produktinfo
Netzkabel Harmonix X-DC2 15-R
Länge: 1,5 m
Preis: 770 Euro
Kabelbrücken Harmonix Max-Jumper
Preis: 1560 Euro (2 x 0,3 m)
NF-Kabel Harmonix HS-101 RCA Imp.
Preis: 820 Euro (2 x 1 m)
Lautsprecherkabel Harmonix HS-101 LS
Preis: 1550 Euro (2 x 2,5 m)
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