Goertz Micro Purl Copper und Silver
Dänen lügen nicht
Text von: Uwe Heckers
Das Aufgreifen des bekannten Werbeslogans von Dynaudio – wo man mir diese Anleihe hoffentlich nachsehen wird – lag einfach zu nahe. Denn Ole Goertz ist ein dänischer Entwickler, der im Auftrag der amerikanischen Alpha-Core Inc. die Micro-Purl-Kabelfamilie entworfen hat.
Ein wesentliches Entwicklungsziel des Herrn Goertz war eine ausgewogene Balance zwischen den induktiven und kapazitiven Eigenschaften seiner Kabel. Davon verspricht er sich eine besonders unverfälschte Wiedergabe im kritischen oberen Mittelton- und Hochtonbereich. Erzielt wird diese Wirkung durch die Verwendung extrem dünner Leiterbahnen, die im Fall des Micro Purl Copper aus OFC-Kupfer und im Fall des Micro Purl Silver eben aus reinem Silber besteht. Die beiden Leiterbahnen werden innerhalb einer Sandwichstruktur mittels eines mikroskopisch dünnen Dielektrikums verbunden. Das ganze Arrangement wird nun in einer Spirale um sich selbst gewunden und in einen transparenten Kunststoff gegossen. Diese helikale Struktur ist übrigens namensgebend. Denn „to purl around“ bedeutet „herumwirbeln“, was die Leiterbahnen innerhalb der Isolierung im übertragenen Sinne ja auch tun.
Beide Kabel erinnern in ihrem Aussehen an weihnachtliche Lichterketten, wobei das Micro Purl Silver in einem bläulichen und das Micro Purl Copper in einem rötlichen Glanz erstrahlt. Die Kabel sind genügend flexibel, um auch relativ scharfe Kurven innerhalb eines Racks locker zu nehmen. Sie kommen fertig konfektioniert mit Cinch-Steckern guter Qualität von Alpha-Core. Sie lassen sich leicht einstecken und bieten trotzdem einen guten Halt.
Wissenschaftlich gesehen ist das Ergebnis eindeutig: Silber ist der beste elementare Leiter, den das Periodensystem der Elemente – das ist diese Tafel, die in jedem Chemieraum hängt – so hergibt. Daher müsste es eigentlich auch das besser klingende Leitermaterial sein. Aber in einigen audiophilen Kreisen geht die Mär um, Silberkabel würden dünn, steril, hochtonlastig und überhaupt ganz und gar garstig klingen. Ja, mir sind persönlich ein paar Fledermausöhrchen bekannt, die steif und fest behaupten, sie würden sofort auch nur ein einziges Silberkabel in einer beliebigen Anlage heraushören. Nun, der besagte Bekannte wurde eines Besseren belehrt. Oder besser ausgedrückt: Er hat sich selbst eines Besseren belehrt. Einer der Gründe für den Erkenntniszuwachs waren die NF-Kabel von Goertz, bieten sie doch die Möglichkeit, bei ansonsten gleichen Rahmenbedingungen – wie zum Beispiel ein fast identischer Aufbau – den reinen Materialklang der Kabel zu untersuchen. Allerdings sind die im Micro Purl Silver verwendeten Leiterbahnen etwas breiter, und daher hinkt dieser Vergleich im strengen Sinne auch wieder.

Sei es wie es ist. Beim oberflächlichen Reinhören klingen die Kabel wenn nicht gleich, so doch zumindest sehr ähnlich. Beide bieten einen homogenen Klangeindruck, in dem erst einmal nichts störend auffällt. Das Klangbild ist eher kompakt und präzise als ausufernd räumlich oder gar zerfasert. Es scheint an den Frequenzenden offen und detailreich, ohne durch überanalytischen Klang Details ungebührend in den Vordergrund zu heben. Eher ist beim Micro Purl Copper sogar eine gewisse Zurückhaltung zu verzeichnen. Das ist aber keine negativ aufzufassende Kritik, handelt es sich
bei dieser Zurückhaltung doch um eine Nuance, deren Bewertung dem persönlichen Geschmacksempfinden unterliegt oder andererseits die Möglichkeit bietet, tendenziell zu hell klingende Ketten etwas abzumildern. Wie gesagt, nur tendenziell etwas zu hell klingende Ketten, denn echte tonale Fehler kann es nicht kompensieren, dafür ist es zu ehrlich.
Das Micro Purl Silver geht klanglich in eine ähnliche Richtung, dabei aber noch ein gutes Stück weiter. Es scheint tatsächlich offener und detailreicher die Musik vom Phono-Vorverstärker zum Vollverstärker zu transportieren. Das musste auch der bereits erwähnte Bekannte einsehen. So werden Nebengeräusche differenzierter wiedergegeben, ohne dass dabei alles ins Analytisch-Nervige umschlägt. Damit verbunden entsteht der Eindruck, dass dieses Kabel schon eine Spur heller zu klingen scheint. Damit hätten wir dann doch wieder eine Bestätigung des uralten Vorurteils, dass Silberkabel generell heller klingen würden als Kupferkabel. Doch im Fall des Vergleichs der beiden Micro-Purl-NF-Kabel handelt es sich nur um Nuancen, die keinesfalls unangenehm auffallen. Denn das beiden Varianten innewohnende sehr homogene Klangbild prägt den Gesamteindruck entscheidend. Und genau dieser Gesamteindruck, das Intaktlassen der Musik, machen sowohl Micro Purl Copper wie auch das Micro Purl Silver zu einem empfehlenswerten NF-Kabel. Ausprobieren!
Produktinfo
NF-Kabel Goertz Micro Purl Copper
Preis (1 m): 120 Euro mit Cinch-Stecker, 160 Euro mit XLR-Stecker, 20 Euro je weitere 0,5 m
NF-Kabel Goertz Micro Purl Silver
Preis (1 m): 190 Euro mit Cinch-Stecker, 270 Euro mit XLR-Stecker, 50 Euro je weitere 0,5 m
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