Fadel Art Aphrodite
Die kabelgewordene Verführung
Text von: Michael Vrzal
Was hat sich Monsieur Fadel denn da wieder einfallen lassen? Bei seiner neuesten Kreation dreht sich alles um Silber, Licht und Kapazität.
Darf ich mit der Tür ins Haus fallen?
Meine Begegnung mit dem Lautsprecherkabel Fadel Art Aphrodite zählt zu den an einer Hand abzählbaren überwältigenden HiFi-Erlebnissen.
Und nun die Begründung.
Manchmal erkennt man etwas erst, wenn es nicht mehr da ist. Wer stellt sich schon die Frage, wie denn eine Anlage ganz ohne Kabel klänge? Und ich meine nicht „drahtlos“, sondern tatsächlich ohne Kabel, ohne die akustische Duftmarke, die die vielen Meter an Kupfer- und Silberleitungen dem HiFi-Klang aufdrücken. Natürlich ist das Highender-Spinnerei. Aber mal ganz im Ernst: In Ein- und Ausgangsschaltungen von HiFi-Elektronik sind die typischen Kabeldaten einkalkuliert. Keine Chance also, herauszufinden, wie es ganz ohne klänge, denn selbst wenn man die Komponenten Buchse an Buchse aneinanderflanschte, ersetzte man nur die eine (Fehl)Anpassung durch die andere.
Es kann also sein, dass, ob mit Baumarktstrippe oder Ultra-Reference-Cryo-Gold-Unbezahlbar-Verbinder, etwas „Kabelhaftes“ immer präsent ist – und wir es mangels Vergleichsmöglichkeit schlicht nicht merken.
Dann hilft nur noch Bauchgefühl. Jenes, das nach einer Sekunde sagt: Jawohl, passt. Der Liebe-auf-den-ersten-Ton-Sinn. Der sich im Falle der Kabelgeschichte in etwa so melden müsste: „Ohhh – das ist … wow … du meine Güte …“
Das Fadel Art Aphrodite ließ mich sein Besonderssein in selten erlebter Unmissverständlichkeit erleben. Vielleicht hatte es ja doch etwas Gutes, dass dessen Test in der Reihe der vielen Kabel-Stories an letzter Stelle kam. Ich war sensibilisiert und nahm deshalb den Klangunterschied besonders intensiv wahr. Der französische Lautsprecherverbinder machte sich bemerkbar, indem er sich, ja die gesamte Anlage als technisches Konstrukt einfach verschwinden ließ.
Weiß der Geier, wie Jean M. Fadel das anstellt. Der Mann ist Geheimniskrämer. Doch, er füttert den Wissbegierigen auf der Firmenhomepage seitenweise mit Informationen. Die allerdings mehr Fragen aufwerfen als beantworten. So lässt sich mit etwas Kombiniergeschick feststellen, dass in einem „quadrupel-axialen“, also vierfach koaxialen Aphrodite-Kabel exakt fünf Leiter stecken, nämlich drei aus Kupfer und zwei aus Silber, was jedoch eine Schemazeichnung mit nur drei Leitern – einem inneren Signalleiter, einer inneren und einer äußeren Abschirmung – illustriert. Ja, wie denn nun? Je suis désolé, keine weiteren Details außer der veröffentlichten, sagt M. Fadel.
Also kombinieren wir weiter. Im Aphrodite findet ein offenbar der Geheimhaltung wertes Spiel mit der Streukapazität statt. Fadels Kniffe stecken demnach vermutlich im Bereich der Massekontaktierung. Der Konstrukteur betont, der beabsichtigte Effekt könne sich im vorgesehenen Maße nur bei einer Komplettverkabelung mit Aphrodite einstellen, idealerweise unter Einsatz eines Digitalkabels, also beim Vorhandensein einer aufgetrennten Digitalquelle. Er begreift den Signalpfad über mehrere Geräte- und Kabelstationen als ein Ganzes, worin, und jetzt wird’s wieder kryptisch, der D/A-Wandler als 1:1-Verstärker die Rolle eines kapazitätsvernichtenden Buffers übernimmt.

Weitere bemerkenswerte Details: Das Silber in den Aphrodite-Kabeln ist chemisch hergestellt und somit laut Hersteller von unerreichter Reinheit und Homogenität. Und die weiße Baumwollisolierung und der transparente Außenmantel dienen der UV-Reflexion. Fadel begründet dies mit dem Verweis darauf, dass das elektromagnetische Feld, das jeden stromdurchflossenen Leiter umgibt, Frequenzanteile im ultravioletten Bereich emittiere, welche sich störend auf den Klang auswirkten.
Genau – kommen wir zum Klang zurück. Das Aphrodite spielt ungeheuer entspannt. Doch das ist nicht die übliche souveräne Laid-back-Entspanntheit. Es ist mehr: eine Vermählung von Konzentration auf den Kern der Töne und vollkommen ungepresstem Ausschwingen; eine runde, aber unverrundete Wiedergabe, ein sagenhaft natürliches Spiel, ein unsynthetisch lebensechtes Gleiten auf Melodiebögen, das alle beteiligte Technik vergessen lässt. Die unscheinbare weiße Strippe hat Sonorität und Größe, spiegelt aber keine falschen Tatsachen vor.
Fadels Lautsprecherkabel vermag eine Anlage zu transformieren. So wie es bei mir musikbefreiend wirkte, möchte ich glatt den exorbitanten Preis vergessen, ebenso wie die Tatsache, dass Pauschalempfehlungen von Kabeln ein riskantes Unterfangen sind. Wem sich die Gelegenheit bietet, der zögere nicht, ein Ohr zu riskieren. So „kabellos“ klang bislang kein Verbinder.
Produktinfo
Lautsprecherkabel Fadel Art Aphrodite
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: 2035 Euro (2 x 3 m)
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