Dynavox DynaLink NF und HLS 2
Von hohlen Nüssen und fetten Strippen
Text von: Cai Brockmann
Neues Altes aus Dickbretthausen: Man knöpfe sich historische Vorbilder vor und demontiere sie systematisch. Oder auch nicht.
Zum Glück ist mir so einiges wurscht. Beim Musikhören zum Beispiel ist mir wurscht, ob das Lautsprecherkabel dick oder dünn ist oder gar nur ein Schatten seiner selbst. Mir wär’s sogar wurscht, wenn das Kabel so dünn ist, dass es erst gar keinen Schatten werfen kann. Doch halt, Moment – gar kein Kabel? Das wär mir nicht wurscht. Das fänd’ ich gut …
Sei’s drum, bis zur Erfindung einer virtuellen (und audiophilen und zuverlässigen) Verbindung komme ich wohl um die Minimalphysis nicht herum. Und dieses Kabel, das da vom Verstärker zu den Lautsprechern schnürt, besitzt die Dimension einer einspurigen Lakritzschnecke, abgerollt.
Lecker? Im schwarzen Schnürchen sind zwei Kupferleitungen eingebettet, zart wie Klingeldraht, nur knapp über der Wahrnehmungsgrenze. So dünn, dass selbst notorische Grobgreifer freiwillig an den Steckern anfassen. Bei denen handelt es sich übrigens um massearme, direktvergoldete, federnd kontaktierende Kupfer-Beryllium-Bananen-Hohlstecker. Uff! Aus mechanischer Sicht gehört das DynaLink HLS 2, so heißt das Konstrukt, zu den folgsamsten Verbindern überhaupt.

Den ganz Schlauen ist natürlich sofort klar, was Trumpf ist, sie wittern Betrug und verbreiten die üblichen Missgünstigkeiten, weil sie ja von vornherein wissen, dass ein solches Kabel überhaupt nicht klingen kann. Da hilft im Prinzip nur eines: in aller Ruhe genau hinhören. Vielleicht eignet sich aber auch schon der Blick aufs Datenblatt des Leiters, um eine gewisse Grundverkrampfung zu lösen. Dort ist zum Beispiel dokumentiert, dass dieser feine Draht problemlos und dauerhaft 900 Watt vertragen kann. Donnerlüttchen! Das liegt nicht nur weit oberhalb dessen, was pegelsüchtige HiFiisten üblicherweise durch Lautsprecherkabel hindurchjagen, es ist vielmehr das Zehn- bis Hundertfache dessen, was die Zielgruppe des DynaLinks an Maximalleistung auffährt. Denn „HLS“ steht für Hochwirkungs- oder auch HornLautSprecherkabel, wurde also in erster Linie für effiziente Schallwandler und adäquate Amps ausgewählt. Das HLS 2 passt zum Beispiel perfekt zu meiner 15-Watt-Röhre und den 97-Dezibel-Lautsprechern. Es integriert Details in ein ausgesprochen harmonisches, homogenes Klangbild, reicht ansatzlos jede dynamische Attacke durch und präsentiert Stimmen und melodieführende Instrumente geradezu verführerisch auf einer großzügig geschnittenen Bühne. Klangfarben, Schmelz und Timbres jeglicher Instrumente wirken einfach echt – nicht euphonisch, nicht zu dunkel timbriert und erst recht nicht grellhell. Es klingt ganz einfach glaubhaft.
Nicht ganz zufällig „funktioniert“ das HLS 2 auch mit Mainstream-Equipment verblüffend gut. Selbst wenn gehobene Leistung an komplexe Lasten durchzureichen ist, wenn stramme Transistoramps mit Weichsickenboxen boxen, steht das DynaLink wie eine Eins, knickt nicht ein. Sicherlich gibt es Alternativen, na klar, doch zu diesem attraktiven Preis habe ich noch keine Strippe kennengelernt, die so unprätentiös und integrativ Musik vermitteln kann.
Passend zum HLS 2 bietet Dynavox ein Verbindungskabel an, das höchst universell einsetzbar ist, sofern man auf jegliche Art optischer Muskelspielchen verzichten kann. Das DynaLink NF trägt nach historischen Vorbildern ein blaues respektive schwarzes Textilmäntelchen überm Koaxialleiter, was nicht nur eine praxisfreundliche Farbcodierung darstellt, sondern auch unübertroffen griffig und traumhaft flexibel zu verlegen ist. Strammen Kontakt stellen unscheinbare Cinchstecker her, die aus zahllosen Hörtests als klangliche Favoriten hervorgegangen sind und gängige Luxus-Kriterien auf den Kopf stellen: kein Gold und noch ein bisschen weniger Material als auf den ersten Blick ersichtlich. Der Mittelstift ist nämlich hohlgebohrt, um Masse einzusparen. Klanglich besitzt das DynaLink NF exakt die gleichen Vorzüge wie sein lakritzenes Pendant. Schlanke Optik, starker Auftritt, dicke Empfehlung.
Produktinfo
NF-Kabel Dynavox DynaLink NF
Konfektionierung: wahlweise mit Cinch- oder XLR-Steckern (auch „gemischt“)
Besonderheiten: massearmer Cinch-Stecker mit hohlgebohrtem Mittelstift; blaue und schwarze Textilhülle
Preis: 256 Euro (2 x 1 m), 26 Euro je weitere 2 x 50 cm
Lautsprecherkabel Dynavox DynaLink HLS 2
Konfektionierung: Lautsprecherkabel mit Hohlbananensteckern
Preis: 50 Euro pro lfd. Stereometer (konfektioniert)
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