Chord Epic Twin
Der Energieversorger
Text von: Michael Vrzal
Es gibt Kabel für das Drumherum. Und es gibt solche für die Musik. Das Chord Epic Twin hat dazu einen klaren Standpunkt.
Aus England kommt ein Audio-Kabel, das, passt der stolze Besitzer nicht auf, ruckzuck als Netzverlängerung der Nachttischlampe endet. Es heißt Chord Odyssey, dient dem Lautsprecheranschluss und kommt in seinem weißen Silikonmantel optisch fürchterlich unaudiophil von-der-Rolle-geschnitten daher. Toll, dass es so etwas noch gibt!
In (im guten alten hifitechnischen Sinn) anglophilen Kreisen gilt das Chord Odyssey als Gehimtipp. Das hängt mit der Firmengeschichte zusammen. Chord entstand Anfang der 80er Jahre aus einem kleinen Zulieferbetrieb für den – damals auch noch jungen – Elektronikhersteller Naim. Sally Kennedy, die heute noch an der Spitze des Unternehmens steht, begann quasi am Küchentisch, das erste Produkt war der (bis heute im Programm befindliche) Kleinsignalverbinder Chrysalis.
Aus dieser Keimzelle wuchs und gedieh die Chord Company. Übersichtlich ist das Angebot bis heute geblieben, obwohl es, neumodischen Notwendigkeiten folgend, mittlerweile auch heimcineastische HDMI-Verbinder und Gitarrenkabel für den professionellen Bühneneinsatz umfasst. Explizit für Naim arbeitet man nicht mehr, kennt aber die Bedürfnisse der Elektronik aus Salisbury noch so gut, dass die eigenen Strippen elektrisch wie klanglich den Ruf ausnehmend hoher Kompatibilität genießen.
Mit dem 2006 erschienenen Lautsprecherkabel Epic hat Chord eine Lücke geschlossen. Die klaffte seit Vorstellung des Topmodells Signature zwischen diesem und dem nächstkleineren Verbinder – eben jenem mit einem exquisiten Preis-Leistungs-Verhältnis gesegneten Odyssey. Was lag für die Neuentwicklung näher als eine Vermählung des Besten aus beiden Welten?
Das Innenleben des Epic Twin entspricht dem des Odyssey. Als Leiter kommen zwei – oder, im Falle des für Bi-Wiring empfohlenen Epic Super Twin: vier – teflonisolierte Litzen aus versilbertem, sauerstofffreiem Kupfer zum Einsatz. Der Silberanteil wirke sich positiv auf Bandbreite und Neutralität aus, bedinge aber gleichzeitig Teflon als Isolationsmaterial, da das klangliche Ergebnis sonst an den Frequenzenden Natürlichkeit und Präzision vermissen lasse, erklärt Chords Kabeldesigner Nigel Finn. Bei der Verdrillung der schirmlosen Signalleiter stand die Störungsunterdrückung im Vordergrund, der endgültige Verdrillungsgrad wurde aber nach klanglichen Gesichtspunkten ermittelt.
Die Idee, das Erfolgsmodell Odyssey durch „Aufrüsten“ mit einer Abschirmung klanglich weiterzuentwickeln, hatte man bei Chord schon in der Entwicklungsphase des Topmodells Signature. Das wurde schließlich doch eine Neukonstruktion. Aber Finn hatte dazugelernt, und bei der Arbeit am Epic kam endlich die Erleuchtung – in einem, wie er schmunzelnd erzählt, nächtlichen „Homer-Simpson-Moment“: „Neiiin!“
Nun schmückt also ein angepasster Signature-Schirm das Epic Twin. Dass er allerdings nirgends an den Leiter angeschlossen geschweige denn für einen externen Anschluss vorgesehen ist, gehört dabei zu den kleinen Klanggeheimnissen von Nigel Finn.
Wie das Epic Twin schon mit den ersten Tönen für sich einnehmen kann, ist wahrhaft erstaunlich. Schließlich empfiehlt Chord für seine Produkte extensive Einspielzeiten. Deren Dauer lasse sich, immerhin, über die Musikauswahl beeinflussen: “Hardcore trance will produce quicker results than choral music!”, lautet der professionelle Rat.

Für sich einnehmen: Das schafft das Epic Twin vom Fleck weg mit einer umfassend kraftvollen, gleichwohl fließenden und elastischen Spielweise. Den Spagat zwischen Feinstauflösung und livenaher Griffigkeit meistert es dabei tadellos.
Genauer hingehört: ein Klavierton, der, klirrend angeschlagen, fahl leuchtend ausklingt; die physische Präsenz eines Kontrabasses, der real nie wummert, sondern selbst noch gezupft im Jazz-Ensemble eine kammermusikalische Noblesse nicht verhehlt. Fokussieren auf die Musik: Darum dreht sich alles bei Chords zweitbestem Lautsprecherkabel. Früher nannte man das „typisch britisch“. Gemeint war: musikalisch.
Nigel Finn betont, wie wichtig das harmonische Zusammenwirken von Lautsprecher- und NF-Kabeln sei. Tatsächlich: Ein probehalber eingeschleiftes Stereovox-Cinchkabel lässt die englische Strippe regelrecht abheben. Das Chord ist vorbildlich durchlässig. Gefüttert mit dem unfassbaren Detailreichtum des dezent hell timbrierten Stereovox, beweist es sich auch bei explizit hochauflösenden Schallwandlern als absolut angemessene Verbindung.
Ein Lautsprecherkabel, das die Musik zusammenhält, bei Bedarf mitwächst und dabei außerordentlich bezahlbar ist – was will man mehr?
Produktinfo
Lautsprecherkabel Chord Epic Twin
Garantiezeit: 10 Jahre
Preis: 61 Euro (1 m), konfektioniert 75 Euro
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