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Atlas Voyager, Navigator All Cu, 1.25, Hyper 3.0

Schotten rocken!

Text von: Cai Brockmann

Atlas Voyager

Billig ist anders, und geizig erst recht: Zwei Kabelsets aus Kilmarnock kontern mit Klarheit, Kraft und Kostengunst.

OCC-Kupfer heißt das Material der Begierde. Und wenn ich bei Atlas Cables schon frei aus dem üppigen Portfolio wählen kann, dann sollten wenigstens die Cinch­kabel mit diesem speziellen, extrem langkristallinen Kupfer ausgestattet sein. Man ist bei Atlas nämlich stolz auf OCC-Kupfer – das heißt eigentlich nicht auf das Material an sich, sondern auf die Tatsache, dass man es überhaupt verwenden darf. Denn das ist alles andere als selbstverständlich. Der japanische Hersteller von Ohno-Continous-Casting-(OCC-)Kupfer fertigt das begehrte Material in einem patentierten, aufwendigen Prozess aus­schließlich im eigenen Hause und verhält sich äußerst restriktiv mit der Belieferung anderer Unternehmen. Sogar in diesen Zeiten, in denen der Hersteller schon gar nicht mehr in der Audioszene tätig ist.

Nun ist aber Material nicht alles. Längst nicht alles. Was bei Kabeln – wie bei praktisch allen anderen Dingen dieser Welt – zählt, ist eine gelungene Komposition aus Material, Fachwissen, Gespür und Sorgfalt. Und das alles sollte bei den Schotten mehr als ausreichend vorhanden sein. Man steckt schließlich nicht erst seit gestern voll im Thema. Atlas entstand vor ein paar Jahren unter Beteiligung eines engagierten HiFi-Händler-Konsortiums namens „The Moun­tain Snow Group“ und lässt seitdem für sich und andere produzieren. Und wer, wenn nicht der HiFi-Fachhandel selbst, sollte besser wissen, welcher Bedarf an guten Verbindungen besteht, was in der Praxis tatsächlich gefragt ist. Übrigens: Strukturelle Ähnlichkeiten zur Entstehungsgeschichte von NAD sind sicherlich nicht allzu weit hergeholt und auch nichts, wofür man sich verstecken müsste. Man legt, hier wie da, größten Wert auf eine ausgesprochen hohe Rund­um-Qualität fürs Geld.

Zwei Cinchverbinder und zwei Lautsprecherkabel sind zum Test bestellt. Wie schon angedeutet, besitzen beide Niederfrequenz-Kabel – Voyager und Navigator – das sagenhafte OCC-Kupfer für die Leiter. Allerdings unterscheiden sich das preisgünstigere schwarze Voyager und das lilafarbene Navigator elementar voneinander. Im Voyager zum Beispiel finden wir einen koaxialen Leiteraufbau, im Navigator einen pseudosymmetrischen, mit dem auch XLR-Stecker korrekten Anschluss finden. Außerdem weist es prinzipbedingt eine bevorzugte „Laufrichtung“ auf, da die Schirmung nur an einem Ende mit dem Gerät Kontakt aufnimmt.

Kompositionsgeschick+Know-how = Klangsouveränität à la Atlas: Voyager, Hyper 3.0, Navigator (v.o.). Nur das „1.25“ ist so unspektakulär, dass der Aufriss nicht lohnt

Ein Wort noch zum Stecker: Das Navigator habe ich – wenn schon, denn schon – als „All Cu“-Version geordert. Diese umfasst direktversilberte, massive, überaus griffige Stecker aus OCC-Kupfer, welche die erstklassigen direktvergoldeten und sehr schlanken Cinch-Stecker des Voyagers noch übertrumpfen. Zudem kontaktiert der All-Cu-Stecker Leiterlitzen und Abschirmgeflecht über eine patentierte Doppelklammer – raffiniert und sicher.

Weniger patentgeschützt präsentieren sich die beiden Lautsprecherkabel. Vor allem das schlichte „1.25“ birgt keinerlei Geheimnisse: In einem schwarzen, eckigen Kunststoffmantel verlaufen zwei Kupferlitzenstränge mit einem Durchmesser von – wer hätte das gedacht – 1,25 Millimetern. That’s all, folks. Der Preis des Atlas 1.25 ist allerdings derart niedrig, dass ich neugierig bin, worauf man klanglich bei einem Lowest-Budget-Markenprodukt verzichten muss. Oder andersherum: was eine supergünstige Verbindung aus renommiertem Hause (trotzdem) alles kann. Deutlich luxuriöser kommt das Hyper 3.0 daher. Es stellt den dicksten Brummer dieser Linie dar. Die Hyper-Familie ist zum Beispiel mit einer Isolierung aus Teflonschaum und einer mechanisch dämpfenden Zwischenlage aus Baumwolle ausgerüstet.

Interessanterweise macht Atlas bei den Bananas keinen Unterschied, ob ein Standard- oder Hyper-Kabel bestückt werden soll. Beide Pärchen kommen mit identischen direktvergoldeten, massearmen Hohlsteckern, die nicht verlötet, sondern gecrimpt werden und in „bootlegs“ stecken. Allerdings wird ein „1.25“ in den meisten Fällen wohl direkt von der Trommel heruntergewickelt werden …

Kaum überraschend verläuft ein Vergleich der beiden Lautsprecherkabel. Klare Vorteile, im Wortsinn, verschafft sich das Hyper 3.0, indem es in praktisch allen Disziplinen spürbar mehr bietet: definierte Durchschlagskraft und Dynamik, Details und Atmosphäre, Dimensionen und Luft für alle und alles. Wie zu erwarten war. Doch das supergünstige „1.25“ gehört damit keineswegs zum Altkupfer. Denn es offenbart ganz klar ein paar elementare Talente, die es weit über wirkliche Billigstrippen erheben: Tonal ist es mit dem großen Hyper identisch, malt also mit astreinen Klangfarben, ist dynamisch trotz allem eine ziemliche Wucht und – es nervt nicht! Damit wird es zum dicken Tipp für Einsteiger.

Atlas Voyager

Unaufdringliche Souveränität scheint eines der Schlüsselbegriffe für Atlas zu sein, denn auch die NF-Kabel folgen keinem bestimmten Sound, sondern verhalten sich vorbildlich neutral, übertragen das Geschehen mit Saft und Kraft und glaubwürdig großem Raum, mit hochfeinen Strukturen und traumwandlerischer Balance. Feinste Strukturen innerhalb der Musik bleiben intakt, doch wenn Druck gefordert ist, wird auch Druck geliefert.

Da sowohl Voyager als auch Navigator All Cu in der atlas’schen Mittelklasse rangieren, fallen die klanglichen Unterschiede nicht gerade drastisch aus, sind aber doch nachvollziehbar. So kann sich das feiner ausgestattete Navigator mit einem Vorsprung in puncto Dynamik und rhythmischem Vorwärtsdrang noch ein bisschen besser in Szene setzen.

Summa summarum hinterlassen die Schottenstrippen einen wirklich vorzüglichen Eindruck, wirken durchdacht, gekonnt gemacht und der Musik unbedingt dienlich. Ob das auch mit dem OCC-Kupfer zu tun hat? Na klar, hat es – aber eben nicht nur, sondern auch. Übrigens: Für alle sattelfesten Englischsprechenden bietet die sehr gute Atlas-Web­site viele nützliche Infos zum Thema, auch für Nicht-Atlanten …

Produktinfo

NF-Kabel Atlas Voyager

Stecker: Cinch, direktvergoldet, gecrimpt

Aufbau: OCC-Kupfer, koaxial, doppelt geschirmt

Preis: 180 Euro (2 x 0,5 m), je weitere 50 cm 72 Euro

NF-Kabel Atlas Navigator All Cu

Stecker: Cinch, OCC-Kupfer, ­direktversilbert

Aufbau: OCC-Kupferlitzen, ­pseudosymmetrisch,

doppelt geschirmt, ­laufrichtungsgebunden

Preis: 325 Euro (2 x 0,5 m), je weitere 50 cm 90 Euro

Lautsprecherkabel Atlas 1.25

Aufbau: Kupferlitzen, PEF-Mantel

Preis: 3,40 Euro (lfd. Meter), zzgl. Stecker und ­Konfektionierung

Lautsprecherkabel Atlas Hyper 3.0

Stecker: Hohlbananas, optional auch Gabelschuhe

Aufbau: Kupferlitzen, Teflonisolierung, Baumwoll­zwischenlage, PVC-Mantel

Preis: 315 Euro (2 x 3 m), lfd. Meter 36 Euro

Kontakt

www.atlascables.com