Laufwerk Transrotor ZET 3
Das Ah! und Oh!
Text von: Cai Brockmann

Wie man besonders lässig ein Auto bestellt? Einfach hemmungslos Kreuzchen in der Aufpreisliste machen. Mit einem Plattenspieler von Transrotor lässt sich das prima üben!
Wer weiß, vielleicht fährt Jacky Ickx, der berühmte Ex-Rennfahrer, zum Wochenendeinkauf mit einem Lancia Ypsilon? Dann, liebe Leute, hört er seine Schallplatten bestimmt auch auf einem Transrotor ZET …
Okay, Kalauer beiseite. Ob Jacky Ickx überhaupt Musik hört, weiß ich nicht. Möglicherweise ist er ja zu sehr mit dem Putzen historischer Motorräder und Rennwagen beschäftigt. Aber halt, Moment, dann könnte er eigentlich gleich mit einem Plattenspieler von Transrotor weitermachen. Gelegenheiten zum Staubtuchschwingen gibt’s da traditionell und reichlich. Denn Jochen Räke, Transrotor-Chef seit drei Jahrzehnten, weiß, wie man analoge Gelüste weckt und materialisiert: mit jeder Menge glänzendem Metall und poliertem Acryl.
Folgerichtig zelebriert auch der Transrotor ZET 3, das Topmodell der ZET-Serie, seinen Auftritt mit exakt diesen Zutaten. Das „soft-x“-förmige Chassis besteht aus zwei Lagen hochglanzschwarzem Carbon-Acrylat und einer Zwischenschicht Aluminium, was ein elegantes, stabiles, rund viereinhalb Zentimeter starkes Sandwich ergibt. In lichten fünf Zentimetern Höhe schwebt der Zehn-Kilo-Plattenteller, dicker als jeder Kanaldeckel, mit dominierender Autorität, direkt über dem massiven, hochglänzenden Lagerblock. Den obersten Abschluss bildet das transrotortypische Plattengewicht, selbstredend aus poliertem Aluminium.
Auf den ersten Blick kaum zu glauben, aber der ZET 3 gehört im Transrotor-Programm noch zu den „Kleinen“ – was sich beispielsweise an der Konstruktion des Plattentellerlagers festmachen lässt. Im Gegensatz zu größeren Modellen besitzt der ZET 3 kein hydrodynamisches Lager mit Ölumlaufschmierung, sondern ein klassisches reines Gleitlager mit einer Laufbüchse aus Messing, in der eine Edelstahlachse und eine Stahlkugel für reibungsarmen Gleichlauf sorgen – eine bewährte, tadellose Lösung. Dieses Gleitlager steckt zentral im zylindrischen Vier-Kilo-Lagerblock, dessen Oberseite mit einem leichten Wellenschliff versehen ist. Das sieht nicht nur einigermaßen spektakulär beim Zusammensetzen des Spielers aus, nein, die Wellen helfen auch, mögliche Restresonanzen im Material zu beruhigen. In die gleiche technische Kerbe schlägt die Unterseite des Plattentellers. Dessen sanfter Wellenschliff spiegelt sich im spielfertigen Zustand dezent im Acryl-Chassis, was den Gesamteindruck einer feinmechanischen Delikatesse nur noch intensiviert.
Auf der Laufwerksbasis sind drei fette Drehknöpfe angeordnet, zwei seitlich vorn und einer hinten, unterm Plattenteller. Sie kontrollieren die höhenverstellbaren Füße mittels Feingewinde und ermöglichen einen stabilen, perfekt austarierten Stand des Laufwerks, und zwar auf so bequeme Art und Weise, dass man als Besitzer eines, sagen wir: Well Tempered Reference nur neidisch werden kann. Je nachdem, wie weit die drei Gewinde das Chassis emporheben, ändert sich der „Dämpfungsfaktor“ des ZET 3 zur Standfläche; Transrotor spricht hier von „weicher“ bis „harter“ Ankopplung. Um zu verhindern, dass die immerhin abgerundeten Metallgewindefüße des insgesamt rund 30 Kilo schweren Laufwerks sich klammheimlich in die Standfläche eindrücken, legt Transrotor dem ZET 3 noch drei riesige polierte Aluscheiben bei, deren Mittelsenken die Feingewinde-Füße aufnehmen. Die dicken Scheiben schonen das Mobiliar nicht nur mit grundsätzlich größerer Kontaktfläche, sondern auch mit eingelegten Silikonringen auf den Unterseiten.

Sandwich: Die viereinhalb Zentimeter starke Basis des ZET 3 besteht aus zwei Lagen Acrylat und einer Zwischenlage Aluminium-Carbon. Das sieht nicht nur markant aus, sondern ist auch (hörbar) stabiler als die „einfache“ Acrylat-Basis von ZET 1 oder die Doppeldecker-Variante des ZET 2
Apropos Ring: Riemenantrieb ist bei Transrotor obligatorisch, also überträgt ein großer, rund geschliffener O-Ring die Drehungen des Motors auf den Außenrand des Plattentellers. Dieser Riemen gehört – neben der mattschwarzen Vinylauflage des Plattentellers – zu den wenigen Teilen am ZET 3, die nicht glänzen. Dafür heischen dann wieder andere Teile verschärft um Aufmerksamkeit: Der Motor stellt sowohl einen Designer-Pulley als auch einen polierten Metallzylindermantel zur Schau. Das Firmenlogo-Schild glänzt auf dem vorderen Teil des Chassis. Und die Tonarmbasis, ein kreisrundes Säulen-Ensemble, erinnert an den Tee-Pavillon im Kurpark, hier allerdings in Hochglanz-Alu-Ausführung. Der ZET 3 ist zweifellos ein Plattenspieler zum Herzeigen.
Dem Plattenspieler liegen ein Paar weiße Baumwollhandschuhe bei. Vor allem Fotografen und Grafiker sind dankbar für solche Kleinigkeiten – der Aufbau des brandneuen Spielers im Fotostudio geht damit ohne die sonst unvermeidlichen, unendlich lästigen Fingerpatzer über die Bühne.
Ein paar Tage nach dem Fototermin baue ich den ZET 3 zu Hause auf. Und prompt vergesse ich, die Micky-Maus-Handschuhe zu benutzen. Wie ich normalerweise immer vergesse, weiße Handschuhe zu benutzen. Einfach liegen gelassen. Ich bin irgendwie kein Weiße-Handschuhe-Typ. Überhaupt bin ich kein ausgeprägter Putz-Typ, um es mal vorsichtig auszudrücken. Ich tauge daher auch kaum als typischer Transrotor-Kunde, zumindest was das poliertechnische Engagement angeht. Ich finde es zum Beispiel ganz sympathisch, dass mein Well Tempered wochenlang ohne Staubwedelzuwendung auskommen kann, ohne dass es irgendjemand merkt. Ein typischer Transrotor-Kunde ist in diesem Punkt sicherlich besorgter, umsichtiger, besser organisiert. Das sollte er zumindest sein. Denn wer sich einen Transrotor ins Wohnzimmer stellt, der will sich um ihn kümmern, will ihn pflegen und regelmäßig – vielleicht sogar zärtlich? – mit dem Staubtuch drüberwischen. So ist jedenfalls meine Einschätzung, die sich über die Jahrzehnte verfestigt hat. Und bevor ich’s vergesse: Auch ein ordentliches Staubtuch gehört zum ZET-3-Lieferumfang. Es wird bei mir unausgepackt bleiben; ich höre am liebsten abends Musik, mit dem Lichtschalter in Griffnähe.
Jeder Transrotor lässt sich je nach Wunsch und Geldbeutel individuell ausstatten, neudeutsch „customizen“. Die ZET-Serie bildet da keine Ausnahme. Jochen Räke offeriert diverse Chassis- und Netzteil-Upgrades, Tonarme und Tonabnehmer, die auch in Kombination zu haben sind. Oder auch nicht. Nimmt man zum Beispiel den kleineren ZET 1, erkennbar an der vergleichsweise schlichten einlagigen Acryl-Basis, und verpasst ihm eine zweite entkoppelte Lage Acryl, so entsteht daraus im Handumdrehen ein ZET 2. Der ZET 3 wiederum toppt seine beiden Geschwister mit einem noch stabileren, allerdings auch nicht ohne Weiteres nachrüstbaren Sandwich-Chassis.
Hat man sich erst einmal für das Grundchassis entschieden, lautet das entscheidende Motto für die recht umfangreiche Aufpreisliste: Augenmaß halten. Zumindest, falls man nicht gerade HiFi-Tester ist und auch die unverschämtesten Wünsche quasi von den Augen abgelesen bekommt. Und das geht dann ungefähr so: Wir entscheiden uns, den ZET 3 zu testen. Zielsicher fährt der Finger die entsprechende Sparte der Preisliste hinunter. Hmm, serienmäßig mit Steckernetzeil? Na, da gönnen wir uns doch das geregelte Netzteil Konstant. Das passt schon rein optisch viel besser zum Laufwerk und verspricht einen noch souveräneren Auftritt. Ach – der ZET in der kleinsten Vollversion kommt mit hauseigenem Tonarm 250 STR und dem Goldring 1006? Nicht schlecht. Wir aber greifen gleich zum kleinen SME M2-9 und lassen, wo wir schon mal dabei sind, auch noch das vielfach gelobte Merlo Reference hineinschrauben. Weiter geht’s. Wer’s will und braucht, kann einen ZET mit einem zweiten Tonarm bestücken. Warum eigentlich nicht? Wir wollen und meinen zu brauchen. Einmal den hauseigenen Tonarm 9.1 auf Platz zwei, bitte, bestückt mit einem montierten Transrotor-MM-System Uccello Reference. Da nun der zweite Arm auf dem hinteren linken „Chassis-Ohr“ (O-Ton Transrotor) montiert wird, vertreibt er den Motor von seinem Stammplatz. Also bekommt der unvermittelt heimatlose Antreiber eine separate Extra-Basis spendiert, die sich dann hochglanzpoliert in die linke Ausbuchtung des Chassis einschmiegt. Abschließend flammt noch kurz die wahnwitzige Idee auf, den schon mächtig aufgebrezelten ZET 3 mit zwei weiteren Motoren, einem passenden Dreifach-Netzteil und dem Transrotor Magnetic Drive (TMD) completely overzukillen, um endlich mal wieder etwas Neudeutsch einzuflechten.
Doch irgendwann ist halt auch bei Transrotor Schluss. Einen flotten Motor-Dreier hat Jochen Räke für die ZET-Reihe sowieso nicht vorgesehen, ebenso ist das berührungslose TMD ausschließlich für die größeren Modelle reserviert. Was uns aber wirklich nicht weiter stören soll. Denn schon jetzt haben wir den Basispreis eines spielfertigen ZET 3 – exakt 3154 Euro komplett mit Tonarm, System und Steckernetzteil; der ZET 1 liegt sogar noch einen knappen Tausender darunter – schlichtweg verdoppelt. Aber man kennt das ja aus der Automobilbranche: Ein C-Klasse-Mercedes in Sparbrötchen-Ausstattung kostet ein Bruchteil der schärfsten AMG-Version. Und was wir hier bestellt haben, ist eine überpralle Luxusausstattung, mit einem dicken Sechszylinder unter der Haube. Da sollte schon was gehen…

Dreimal drehen: Spikefüße mit Feingewinde plus schwere Basisfüße erlauben die bequeme Nivellierung auf der Standfläche. Zudem ermöglicht dieses Feature eine direkte oder eher gedämpfte Aufstellung des Laufwerks, je nach persönlichem Geschmack

Wegen des zweiten Tonarms verlässt der Motor das innere Spielfeld – was eventuelle Vibrationen noch effektiver vom Laufwerk fernhält. Der Motorpulley lässt sich mittels dreier kleiner Inbusschrauben in der Höhe feinjustieren

Hardware-Surfen: Der Wellenschliff auf der Lagerbasis und der Unterseite des Tellers soll der Ausbreitung von Materialresonanzen entgegegenwirken. Außerdem ist er ein ziemlicher Hingucker beim Zusammenbauen

Ankreuzen bis zur Vollausstattung: Selbst ein zweiter Tonarm auf einem ZET-Laufwerk ist überhaupt kein Problem; der Motor steht dann auf einer eigenen externen Basis. Und wo wir schon mal tief in der Aufpreisliste stöbern, wählen wir auch noch das größere Netzteil Konstant M I als Option. Zur Grundausstattung der ZET-Serie gehören zum Beispiel das Auflagegewicht und die bequem verstellbaren, riesigen Spike-Füße
Der ZET 3 ist konstruktiv ein ziemlich eindeutiges Masselaufwerk und fühlt sich am wohlsten auf einer schweren, möglichst resonanzarmen Standfläche. Bei mir zu Hause hat er es sich auf dem Le-Monstre-Phonomöbel bequem gemacht, mit leichtem Respektabstand zum Well Tempered Reference und ordentlich Freiraum um sich herum – der glamouröse Auftritt soll ja nicht schon im Ansatz fehlzünden. Ob ich nicht vielleicht doch mal eben schnell mit dem Poliertuch …
Das Allererste, was ich am ZET 3 in eine putzwürdige Zone verwandle, sind seine drei Drehknöpfe, um die Sache mit dem Dämpfungsfaktor auszuprobieren: Chassis rauf = weichere Ankopplung, Chassis runter = härtere Ankopplung. Nach ein paar Probeläufen in der soften, hochbeinigen Geländestellung senke ich schließlich wieder ab und bleibe fortan bei der Position „Sport“; sie kommt meinen Vorstellungen des intensiven Musikhörens doch hörbar entgegen, ist straffer und direkter am Geschehen, näher an der Musik. Es ist schlichtweg das intensivere Musikhören. Wobei ich mir keineswegs sicher bin, ob alle ZET-Besitzer ähnlich entscheiden würden. Das klangliche Wesen dieses Laufwerks scheint mir nämlich grundsätzlich entspannt zu sein – es ist wohl eher ein Fall für souveräne Vinylgourmets als für nervöse Naturen mit unstillbarem Fummeltrieb. Solche Permanent-Perfektionisten finden (nicht nur) im umfangreichen Transrotor-Programm sicher ergiebigere Werk- und Spielzeuge.

Konstant M I: Unter den Alurippen verbirgt sich die unspektakuläre, sauber konstruierte Regelelektronik zur Ansteuerung des Motors. Der Netzschalter sitzt auf der Rückseite, vorne serviert ein sahniger Drei-Wege-Knopf 0, 33 1/3 und 45 U/min auf dem Teller
Schnell zerstreut werden meine anfänglichen Bedenken, der Motor könnte aufgrund seiner unverstellbaren Extra-Basis mit dem Anheben und Absenken des gesamten Laufwerks ein kleines Problem haben – immerhin läuft der Antriebsriemen in einer Führungsrinne des Plattentellers. Doch das Zusammenspiel funktioniert überraschend problemlos. Und wer will, kann den Antriebspulley mithilfe dreier Inbusschräubchen noch um vier, fünf Millimeter anpassen. Tja, Herr Krösus, es mussten ja unbedingt zwei Tonarme sein…
Ganz ehrlich: so viel wie eine zweite, individuell einstellbare Klimazone für die Rücksitzbank, wo dann doch meist keiner sitzt. Zumindest bringt ein zweiter Tonarm in dieser eher ungewöhnlichen Konfiguration kaum etwas. Okay, die SME/Merlo-Kombi punktet gegenüber TR9.1/Uccello mit klar besserem Auflösungsvermögen und frischerer Deutlichkeit, überhaupt keine Frage. Doch der ganz grundsätzliche Klangcharakter beider Arm/System-Kombinationen – nach schlüssiger Lehre ohnehin stark vom Laufwerk geprägt – liegt recht nahe beieinander. Beide präsentieren die Musik ehrlich, unaufgeregt und mit ausgesprochenen Langzeitqualitäten. Mit beiden Kombinationen fällt mir das Plattenauflegen gleich leicht. Kurzum, nach meinem Dafürhalten will das doppelte Tonarm-Lottchen nicht so recht zum „schlichten“ – will heißen: wenig experimentellen – Grundkonzept des ZET passen. Dieser Spieler versteht sich weder als leichtfüßiger Kurvenräuber in den Alpen noch als Raketenersatz auf der frühmorgendlichen Autobahn, nein, der ZET 3 stellt vielmehr eine luxuriöse Limousine mit sportlichem Fahrwerk, Durchlademöglichkeit und großem Tank dar. Ideal zum Kilometerfressen mit Spaß und ohne Stress – vom Bodensee nach Sylt und wieder zurück.
Würde ich mir privat einen ZET 3 bestellen, bliebe es ganz sicher bei einem Tonarm. Im Zweifelsfall und bei entsprechend praller Geldbörse würde ich dann eher in ein (noch) größeres Laufwerk oder in Software-Nachschub investieren. Wer’s wirklich drauf anlegt, zwei klanglich entscheidend unterschiedlich abgestimmte Arm/System-Kombinationen auf einem Laufwerk zu fahren, der wird höchstwahrscheinlich zu ganz anderen Kalibern greifen. Auch preislich. Zudem bin ich mittlerweile der Meinung, dass ein Plattenspieler mit zwei Tonarmen möglichst frei aufgestellt gehört. Denn der hintere Arm wird am besten von der Rückseite aus bedient, um nicht versehentlich mit einem bequemen Hemdsärmel den seitlichen Tonarm aus seiner Verankerung zu hebeln oder irgendeinen anderen potenziellen Versicherungsfall zu provozieren. Und wenn ich noch länger drüber nachdenke, qualifiziert sich der markante ZET 3 als besonders geeigneter Kandidat für einen Solo-Auftritt, erst recht in diesem Doppelrohr-Outfit. Die gute alte Licht-aus-Spot-an-Nummer also? Warum nicht.
Die Bedienungsanleitung empfiehlt übrigens, den Motor des ZET 3 für jeden Platten(seiten)wechsel auszuschalten und nach erfolgtem Tun wieder hochlaufen zu lassen. Das mache ich während meiner Hörsitzungen ungefähr ein Dutzend Mal, dann gehe ich dazu über, bei laufendem Plattenteller unfallfrei mit Klemme und Vinyl zu jonglieren. Sorry, aber die Stopp/Start-Prozedur mit dem massigen Plattenteller dauert mir im verschärften Testbetrieb einfach ein bisschen zu lange; es wollen doch noch so viele Platten gehört werden … Wahrscheinlich hat mich aber auch der Well Tempered – mit Leichtbau-Plattenteller und fast clubtauglicher Hochlaufzeit – verdorben.
Nachdem ich mich zum Dauerbetrieb des Transrotors durchgerungen habe, brauche ich mich auch nicht mehr über eine kleine Merkwürdigkeit des Testgeräts zu wundern: Der Druckschalter oben auf dem Motorgehäuse ist im konkreten Fall nämlich funktionslos, weil stillgelegt. Die gesamte Steuerung des Motors inklusive des ansonsten mechanisch zu bewerkstelligenden Wechsels von 331/3 auf 45 U/min liegt, sofern das Konstant geordert wurde, in den Händen des externen Netzteils. Auf Wunsch gibt’s den Motor dann auch ohne Druckschalter. Diese Option (ohne Aufpreis!) muss ich schlichtweg übersehen haben. Einziger theoretischer Nachteil des Weglassens: Mit einem defekten Konstant – eine wirklich merkwürdige Vorstellung bei der rundum absolut erstklassigen Qualitätsanmutung – lässt sich der ZET nur noch stoppen, indem das substituierende Steckernetzteil aus der Dose herausgezogen wird. Wie gesagt, theoretisch.
Wie aus Jochen Räkes Manufaktur zu erfahren war, möchte ein typischer ZET-Käufer nach dem Aufbau – der übrigens auch ausgesprochenen Laien gelingen sollte – keinen weiteren Gedanken mehr an seinen neuen Plattenspieler verschwenden. Die Chancen für eine Wunscherfüllung stehen ausgesprochen gut; es ist kaum anzunehmen, dass bei einem ZET 3 in den nächsten Jahrzehnten irgendetwas kaputtgehen könnte.
In der Tat ist ein Transrotor ZET 3 im besten Sinne derart alt- oder gar unmodisch, also zeitlos, dass er sich schon prinzipiell aus allen Diskussionen um Klangnuancen oder Soundcharaktere bei Plattenspielern heraushalten kann. Mag ja sein, dass es für vergleichbares Geld hüftbeweglichere Swingertypen mit notorischer Gute-Laune-Garantie gibt. Mag sein, dass da draußen hartgesottene Rockergestalten den bissigeren Bass bieten, dass zartgliedrigste Spielermimosen mittels endloser Zuwendung noch ein Quäntchen weiter in die Musikrille eintauchen können, dass es Hansdampf-Plattendreher gibt, deren einziger Auftrag die audiophile Weltherrschaft zu sein scheint. Indes, den ZET 3 wird’s nicht weiter interessieren. Er wird stattdessen seine verehrte Kundschaft in der unerschütterlichen Sicherheit wiegen, das Geld in einer klingenden Immobilie angelegt zu haben. Und in seiner unmissverständlichen Art wird das unübersehbare Glanzstück jeden Wohnzimmers dann zu seinem Besitzer herüberblinzeln und ihn auffordern, ihm ruhig noch eine weitere Schallplatte anzuvertrauen …
Etwas nüchterner betrachtet: Transrotor beweist auch mit dem ZET 3, wie ein Plattenspieler auszusehen hat, der ohne Umschweife als Erbstück erkannt und akzeptiert wird – sogar dann, wenn dazu erst einmal das Putztuch gezückt werden muss.
Produktinfo
Laufwerk Transrotor ZET 3
Funktionsprinzip: Masselaufwerk mit Sandwich-Chassis (Carbon-Acryl/Aluminium/Carbon-Acryl) und Riemenantrieb
Ausstattung: separate schwere Tellerfüße, Auflagegewicht, Austausch-Antriebsriemen und weiße Handschuhe im Lieferumfang
Optionen: diverse Tonarme und Tonabnehmer, zweiter Tonarm und separate Motor-Basis gegen Aufpreis; geregeltes Netzteil Konstant (600 Euro)
Maße ohne Tonarm(e) (B/H/T): 46/40/22 cm
Gewicht ohne Tonarm(e): 26 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: Laufwerk ab 2760 Euro, komplett mit Tonarm und Tonabnehmer ab 3154 Euro
(Testmodell mit Tonarmen SME M2-9 und Transrotor 9.1, Tonabnehmern Transrotor Uccello Reference und Transrotor Merlo Reference, separater Motorbasis sowie Netzteil Konstant: 6540 Euro)
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