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Service: Die letzte Chance, den Klang zu verbessern

Tonabnehmer sicher und richtig einbauen und justieren

Text von: Roland Kraft

Tonabnehmer kosten zwischen 50 und 10000 Euro. Und man hat jede Chance, die Dinger entweder schon beim Einbauen kaputtzumachen oder sie so unzureichend zu justieren, dass jeder Cent dafür rausgeschmissenes Geld darstellt. Falls Sie also ein wenig Hilfe brauchen können …

Klären wir doch gleich zu Anfang mal die Fronten: Ich persönlich halte Tonabnehmer, die mehr als vielleicht 2000 Euro kosten, für problematisch. Ist der vorgesehene Verwendungszweck doch schon vom Prinzip her viel zu anfällig für Unfälle, Unachtsamkeit, kleine Kinder, defekte Schallplatten, zitternde Finger und schlichten Verschleiß. Allein schon beim Einbau haben Sie ungeheuer viele Chancen, die frisch erworbene Pretiose unheilbar zu beschädigen, später im Betrieb ist das Teil so gefährdet wie ein Fliegenbeinchen, und kaum sind ein paar Hundert Platten glücklich gespielt, dürfen Sie so ein Ding schon wieder als verschlissen betrachten. Mit dürren Worten: Die ganze Geschichte ist teuer, unpraktisch, in höchstem Maße empfindlich und obendrein technischer Unfug aus dem letzten Jahrhundert. Oder anders formuliert: Plattenspieler sind ein Extremhobby und machen höllischen Spaß.

Und sie sind die letzte Chance, in einer ­di­gitalisierten (Unterhaltungselektronik-)Welt noch selber Hand anzulegen, also tatsächlich etwas selbst zu machen! Darüber hinaus haben wir natürlich mit dem mechanischen Gesamtsystem Laufwerk, Tonarm und Abtas­ter die beste Gelegenheit, feine Nichtlinearitäten in die Übertragungskette einzubauen und damit den Klang zu beeinflussen. Was digitale Systeme schon lange nicht mehr gestatten. Das dazu nötige Know-how zählt freilich, wie man allseits hört, nicht mehr zum quasi festen Equipment eines Highenders; nur ältere Semester sollen sich zumindest noch teilweise daran erinneren, wie man Tonabnehmer einbaut. Und einige Newcomer vermochten sich doch tatsächlich beim erstmaligen Erblicken eines Plattenspielers für das Thema zu be­geis­tern …

Und so wie ich das seit nunmehr fast drei Jahrzehnten mitverfolge, existieren zu der ganzen Sache sogar noch verschiedene Denk­richtungen – auch hochtrabend „Philoso­phien“ genannt –, die sich mindestens in zwei oder drei kritischen Punkten voneinander unterscheiden. Zum einen betrifft dies den geometrisch korrekten Einbau eines Tonabnehmers, zum anderen geht es dabei um Tonarmhöhe und Azimut-Justage. Doch dazu gleich mehr.

Die ersten Gedanken sollte man sich nämlich vor dem Kauf eines Tonabnehmers oder Tonarms machen. Sorgfältige Tonarmhersteller liefern gewöhnlich die Information mit, welches Tonabnehmergewicht der Arm maximal und minimal sauber ausbalancieren kann. Zudem müssen Sie sich natürlich überzeugen, ob zum Beispiel der angepeilte Zwölf-Zoll-Arm auf Ihrem Plattenspieler eigentlich Platz hat oder vielleicht noch Einbauvolumen unterhalb der Zarge benötigt wird. In seltenen Fällen sind „Schwabbler“ – also federnd gelagerte Laufwerke – vielleicht gar nicht in der Lage, gewisse Tonarme überhaupt zu tragen. Und falls Extra-Tonarmbasen benötigt werden, bleibt überdies festzustellen, ob diese für manche Tonarme überhaupt lieferbar sind oder angefertigt werden können.

Der nächste vorab erwähnenswerte Punkt betrifft das Werkzeug: Falls Ihr Haushalt über einen Schuhkarton verfügt, aus dem ein Hammer, eine alte Rohrzange, zwei Tuben Alleskleber sowie vier Heftklammern auftauchen, sollten Sie sich die Absicht, Tonarm und Tonabnehmer selbst zu montieren, vielleicht jetzt gleich von mir ausreden lassen. Nicht? Okay: Wir nehmen ein wenig Geld in die Hand und suchen einen gut sortierten Baumarkt auf. Dort legen wir uns keine neue Rohrzange, sondern stattdessen einen Satz Uhrmacher-Schraubendreher, ein oder zwei Pinzetten mit breiterer Spitze, einen Satz winzige Inbusschlüsselchen, eine kleine Spitz- oder Flachzange, eine Rolle Tesa sowie einige Druckbleistiftminen zu. Im HiFi-Handel besorgen wir uns überdies eine Testplatte, eine kleine Dosenlibelle und eine Stroboscheibe zur Geschwindigkeitskontrolle des Laufwerks. Was Sie leider nicht kaufen können, wäre Ersatz für zwei völlig linke Daumen – aber ich hatte ja bereits versucht, Sie von Ihrem Vorhaben abzubringen.

Vielen Tonarmen liegt das notwendigste Werkzeug gewöhnlich bei. Trotzdem gehen die Hersteller davon aus, dass Sie über ein Mindestmaß an Werkzeug verfügen, um etwa Befestigungsschrauben anzuziehen. Dazu gleich etwas sehr Wichtiges: Für alles, was Sie an einem Tonarm oder Abtaster tun, genügt „handfest“. Verbiegt sich ein kleiner Inbusschlüssel stark, ist dies schon zu viel des Guten. Glauben Sie auch niemandem, der Ihnen erzählt, man müsse die Schrauben des Tonabnehmers anziehen wie verrückt. Hier geht es um Plattenspieler und nicht um einen Lanz-Bulldog beim Dorfschmied. Okay? Gut. Als weitere wichtige Voraussetzung gehe ich davon aus, dass Sie Ihr Laufwerk solide und fest mithilfe einer Wasserwaage oder Dosen­libelle aufgestellt haben. Für diverse Arbeiten am Tonarm ist es überdies gut, den Plattenteller sicherheitshalber mit Klebeband festzulegen, damit er sich nicht etwa wegdreht, wenn gerade die Nadel auf einer Schablone liegt. Antriebsriemen oder Strings bitte ebenfalls noch entfernen, Motoren bleiben nicht in jeder Position gleich gerne stehen und „ziehen“ bisweilen ein wenig nach. Um was wir uns noch kümmern müssen? Ganz klar: um Sie. Für die ganze Aktion können wir zitternde Finger ungefähr so gut brauchen wie der Herr Schumacher einen Platten. Also: eine ruhige Stunde abwarten, unaufgeregt und langsam an die Sache herangehen, nicht hudeln.

Wer glaubt, Tonarme bauen zu können, sollte eine präzise Vorstellung von deren Geometrie haben. Entsprechende Schablonen, insbesondere jene für den Montageabstand Teller-Spindel/Tonarm-Drehpunkt, müssen unbedingt beiliegen. Falls nicht (sehr schlecht, würde ich mir nicht kaufen), sollte zumindest die Zahlenangabe vorhanden sein und man könnte sich mit einem langen Stahllineal helfen. Beachten Sie beim Aufmontieren auch die vorgeschriebene Lage der Tonarmbasis, normalerweise soll der Tonarm eine bestimmte Position zum Teller hin einnehmen, damit etwa der Lift vorne rechts liegt, ein zugelassener Drehwinkel nicht überschritten wird (die internen Käbelchen könnten darunter leiden) oder eine Antiskating-Einrichtung korrekt arbeitet. Falls das Ganze aber so weit geht, dass riesige Löcher in Zargen gebohrt oder gefräst werden müssen, sollten Sie dafür lieber einen analogkundigen HiFi-Händler in An­spruch nehmen.

Höchste Zeit für eine Zwischenbemerkung: Heutzutage ist es häufig üblich, keine ab­nehmbare Headshell mehr zu haben, alles ist aus einem Stück. Bei solchen Armen kann es – falls möglich – sehr praktisch sein, den Tonabnehmer vor dem Einbau des Tonarms zu befes­tigen. Das erspart später viel Gefummel, außerdem werden dabei die Lager des Tonarmes nicht beansprucht. Gerade bei Armen, die nach der Montage einer Basisplatte erst in diese eingeschraubt oder eingesteckt werden, bietet es sich förmlich an, das System vorab (mit Nadelschutz!) provisorisch einzubauen, hinterher folgt ja noch die geometrische Feineinstellung.

Vor dem Einbau des Tonabnehmers stellen wir am Tonarm alles (Skating, bei Armen mit Federauflagekraft natürlich auch diese) auf null. Falls Längslöcher an der Headshell vorhanden sind, die mittlere Position anpeilen. Hin und wieder muss der Nadelschutz zur Montage der kleinen Befestigungsschräubchen runter – also gaaanz vorsichtig! Bei den kleinen Schrauben sollte es sich, weil klanglich und mechanisch besser, um Metallschrauben handeln, hin und wieder liegen Abtastern nämlich solche aus Nylon bei, die als letzte Sicherung gegen zu festes Anziehen abreißen. Manchmal sind auch Kupfer- oder Messingschräubchen aktuell, doch hier sind wir wieder bei der Philosophie, und die überlasse ich gerne Ihnen. (Antimagnetische Schrauben leuchten mir aber ein.) Wählen Sie die Schräubchen gewichtssparend bitte nur so lang, dass die Mutter noch richtig sitzt. Nach der geometrischen Justage mit Gefühl anziehen. Gesprungene Tonabnehmergehäuse sind den Fachhändlern übrigens nicht unbekannt! Mit Mini-Schraubendreher und Pinzette ist die Aktion relativ einfach, die Pinzette benutzen wir ebenfalls, um die Anschlussdrähtchen auf die vier Pins zu schieben. Die sind erfahrungsgemäß entweder zu dick oder zu dünn, weshalb die Pinzette auch dazu dient, die Steckerchen vorsichtig weiter oder enger zu biegen. Bitte beachten: weiß = linker Kanal plus, rot = rechter Kanal plus, blau = Masse links, grün = Masse rechts. Die kleinen Pins mithilfe eines Glasfaserradierers vorab vorsichtig zu reinigen (nicht schleifen!), ist eine gute Idee. Echte Freaks wischen mit Q-Tip und reinem Alkohol nach, weil sie wissen, dass hier nur ganz winzige Spannungen anliegen.

Von dem von Zeit zu Zeit – vor allem bei Newcomern – wieder in Mode kommenden „Strippen“ eines Tonabnehmers, also dem Entfernen eines möglicherweise resonierenden Gehäuses zwecks Klangverbesserung, rate ich Ihnen allerdings ab. Ganz abgesehen von der nunmehr völlig ungeschützt laufenden Nadel ist statische Aufladung beim Abtasten von Vinyl unvermeidbar, weshalb das System Platte/Tonabnehmer letztlich Staub anzieht wie ein Magnet. Total verschmutzte Spulenanordnungen sind so vorprogrammiert. Außerdem nimmt die Empfindsamkeit des Abtasters gegen Luftfeuchte und Temperatur zu.

Im Anschluss an den Einbau des Abtasters balancieren wir den Arm nach jeweiliger Vorschrift auf null (also gerade schwebend), der Nadelschutz ist jetzt abgenommen. Das sollte sehr sorgfältig geschehen, aber Vorsicht, nicht aus Versehen an den Tonarm kommen, der jetzt frei drehen kann, während die Nadel ungeschützt ist. Zur geometrischen Einstellung, bei der das System ja sehr oft abgesenkt wird, reicht es anschließend, die 50- bis 75-prozentige Nenn-Auflagekraft zuzustellen, die wir den Unterlagen des Abtasters entnehmen. Bitte mit einer Tonarmwaage überprüfen! (Hin und wieder werden einige spezielle „Künstler“-Tonabnehmer vermeintlich edler Herkunft mit verschwörerischer Miene ohne jede Info weitergereicht, um den Kunden so zu beeindrucken, dass der Tausende von Euro springen lässt. In solchen Fällen ist eine Testplatte mit Abtasttest unerlässlich. Man be­ginnt mit 1,2 bis 1,3 Pond Auflagekraft und hangelt sich „hoch“, bis das teure Stück etwa 70 Mikrometer abtastet. Das Ergebnis teilen Sie bitte besagtem Künstler mit, der für gewöhnlich an irgendeinem noblen Ferienort residiert.)

Nicht wundern, wenn sich zwei unterschiedlich beschriftete ECL-82-Pendants die Arbeit teilen – die technisch identischen Vorstufenröhren können verschiedenen Quellen entstammen, werden aber bei Goldster penibelst paarweise gematcht

Dieses Werkzeug ist optimal für den Umgang mit Tonabnehmern. Vernünftige Pinzetten finden sich sogar öfters mal auf dem Flohmarkt – auf altes Zahnarzt-Werkzeug achten!

Zu den genauesten und bequemsten Hilfsmitteln zählen die modernen elektronischen Waagen

Nun wird es wieder etwas fummelig, denn wir kleben eine feine Druckbleistiftmine mittels eines winzigen Stückchens Klebebands vorne mittig horizontal über den System­körper. Falls dessen Gehäuse rund ist, dürfen Sie gerne schließen, dass der Hersteller offenbar noch nie eines seiner Konstrukte einbauen musste. Nun benutzen wir eine Tonarm­geometrie-Schablone und stellen den oder die ­korrekten Nulldurchgänge ein; gewöhnlich durch Verschieben des Abtasters in den Schraublöchern des Headshells, bisweilen auch (SME) durch Verschieben des ganzen Tonarmes auf einem (Basis-)Schlitten, hin und wieder auch durch Headshells, deren Länge man irgendwie ändern kann. Unsere Bleistiftmine ermöglicht uns, von oben auf die Parallelität zu den auf der Schablone aufgedruckten Linien zu gucken, was hinreichende Genauigkeit gewährleistet. Die Nadelspitze sollte dabei sehr präzise auf dem angegebenen Punkt aufsitzen. Die dämliche Idee einiger Schablonenhersteller, genau dort mitttels einer Nähnadel ein Löchlein auszustechen, vergessen wir aber ganz schnell wieder. Was nun die eigentliche Geometrie betrifft, so liefert der Hersteller ­ge­wöhnlich eine Schablone mit, auf der wir einen oder zwei Nulldurchgänge vorfinden. Sollte der Erbauer eines Tonarmes gegebener effektiver Länge (das ist der Abstand Drehpunkt-Nadelspitze) doch eine präzise Vorstellung davon haben, wo „seine“ Minima und Maxima des Spurfehlwinkels liegen sollten. ­In Bezug auf einen gerade – und nicht verdreht! – in der Headshell eingebauten Tonabnehmer, versteht sich.

In der Praxis könnten wir hier auf die ersten Schwierigkeiten stoßen. Mit der in Deutschland bekannten und gerne benutzten alten „Schön-Schablone“ stellt sich in einigen Fällen heraus, dass die hier vorgegebene Geometrie nicht zu jedem Tonarm respektive dessen Einbauabstand passen will, hin und wieder endet man auch mit einem deutlich verdreht eingebauten Tonabnehmer, was nichts anderes bedeutet, als dass wir unserem Tonarm einen neuen Kröpfungswinkel verpasst haben. Ich selbst weigere mich, so etwas optisch und technisch zu akzeptieren. Die seit den Zeiten von Klaus Renner und dessen Magazin Das Ohr ebenfalls bekannte Dennesen-Schablone respektive deren Nachbauten bezieht die Distanz Tonarm-Drehpunkt/Spindel mit ein und weist nur einen Nullpunkt (Spurfehl­winkel gleich null) auf, die Einstellung fällt sehr viel leichter als mit der Schön-Schablone. Selbstredend führen beide Schablonen zu unterschiedlichen Ergebnissen, so dass wir nun so schlau sind wie zuvor.

Ich will Ihnen keinesfalls verschweigen, dass zu der Thematik Tonarmgeometrie trotz jahrzehntelanger Diskussionen niemals Einigkeit, geschweige denn so etwas wie eine Normung erzielt worden ist. Das beweisen bereits zahlreiche Schablonen, die sich in ihrer Auslegung unterscheiden. Einige Untersuchungen und Veröffentlichungen kamen sogar zu der Schlussfolgerung, dass die Mehrzahl am Markt befindlicher Tonarme von den bereits in den frühen 40er Jahren erschienenen, mathematisch korrekten Überlegungen zur optimalen Armgeometrie weit entfernt ist. (Beispiel: ein berühmt gewordener Artikel aus dem US-Magazin Audio im Jahre 1978, der auch in D. Brakemeiers Buch Living Stereo abgedruckt wurde.)

Aus dem Kuddelmuddel resultierten Schablonen und/oder Vorgehensweisen, die Tonarme in eine „optimalere“ Geometrie (die letztlich nichts anderes darstellt als eine Anschauung, wo auf dem eingeschlagenen Kreisbogen über der Platte sich welche Spurfehlwinkel befinden sollten) „zwingen“ und praktisch durchweg in geänderter Kröpfung, sprich: einem mehr oder weniger „schief“ eingebauten Tonabnehmer münden, mindestens jedoch in von den Herstellerangaben (falls vorhanden) abweichender effektiver Länge des Arms. Da es zu allem Überfluss keine Normung bei Tonabnehmern gibt, etwa Bauhöhe oder Lage der Nadelspitze in Relation zu den Befestigungsschrauben, entstand letztlich ein technisches Chaos, das in Anbetracht der Preise von (High-End-)Laufwerken und Tonabnehmern ein alles andere als überzeugendes Bild abgibt. Vergegenwärtigt man sich den Mikrometer-Kosmos, in dem Nadel und Plattenrille angesiedelt sind, dann ist die Schluss­folgerung, ein großer Teil der Klangunterschiede resultiere schlicht aus unterschiedlichen Geometrien anstatt aus Armen und Tonabnehmern, nicht mehr von der Hand zu weisen.

Halteschräubchen für Tonabnehmer sind eine Frage der Philosophie. Antimagnetisch sollten Sie auf jeden Fall sein, nicht jedoch aus Plastik

Die korrekte Umdrehungszahl zählt zu den Essentials. Mit Schallplatte messen, Tonabnehmer in der Rille. Stroboskop-Lampen erleichtern die Ablesung der Teilung, eine 50-Hertz-Halogenlampe tut es aber auch

Ein Laufwerk sollte perfekt „im Wasser“ stehen. Die Genauigkeit von Dosenlibellen reicht gewöhnlich aus. Große Wasserwaagen verfälschen das Ergebnis bei gefederten Plattenspielern durch ihr Eigengewicht

Was also tun? Nach jahrelangem entnervenden Schablonen-Gefummel habe ich mich entschieden, pragmatisch vorzugehen. Der Hersteller eines Tonarmes sollte sich um korrekte Geometrie gekümmert haben und eine entsprechende Schablone beilegen oder aber klar bekanntgeben, zu welcher Schablone sein Arm passt. Basta. Wird keine Schablone mitgeliefert, so empfehle ich, Schablonen nach dem Dennesen-Prinzip zu benutzen, beispielsweise die schöne Metallausführung der Firma Wirth Tonmaschinenbau. Einen Nachteil der Dennesen-Technik darf man aber nicht verschweigen: Die Schablone ist auf Tonarme angewiesen, bei denen die Lage der vertikalen Drehachse präzise erkennbar ist. Unterm Strich lobe ich mir da die alte Studiotechnik von EMT und Ortofon: Den angegebenen Einbauabstand Arm-Spindel einhalten, genormte Tonköpfe verwenden – Geometrie fertig!

Eines hatte ich allerdings vergessen: Da ein Tonarm ja auch vertikal einen Kreisbogen um seinen Lagerpunkt schlägt, beeinflusst die Höhe des Armrohres in Bezug auf die Schallplattenoberfläche natürlich auch die Abtastgeometrie. Richtig gemachte Schablonen sind folglich ungefähr so dick wie eine „mittlere“ Schallplatte, bei dünnen Papierschablonen legen wir eine Schallplatte unter. Mit der Höheneinstellung des Armes verfahren wir vor der geometrischen Justage so, dass das Armrohr bei Nenn-Auflagekraft parallel zur Oberfläche der Schallplatte/Schablone liegt. Außerdem prüfen wir den so genannten Azimut: Von vorne betrachtet sollte der Tonabnehmer samt Headshell waagerecht auf der Platte stehen, der Diamant damit die Platten­oberfläche exakt im 90-Grad-Winkel treffen. In einigen Fällen (nicht bei spitzenpunktgelagerten Armen) ist es sogar möglich, bei in der Halterung befindlichem Tonarm eine kleine Dosenlibelle unmittelbar auf die Headshell zu platzieren. Ebenfalls möglich: Legen Sie eine Druckbleistift-Mine quer über die Headshell (dieses winzige zusätzliche Gewicht stört uns nicht) und senken Sie den Arm auf die Platte ab. Mit ruhigen Händen kann man jetzt seitlich nachmessen oder schlicht nur drüberpeilen; unser Auge hat ein ganz gutes Gefühl dafür, ob das System gerade sitzt.

Nachdem der Tonarm sicherheitshalber nochmals ausbalanciert und anschließend die Nenn-Auflagekraft (ist ein Bereich angegeben, nehmen Sie bitte den Mittelwert) eingestellt wurde, fügen Sie noch die Skating-Kompensation hinzu. Üblicherweise besitzen Tonarme dafür eine Skala, an der meist entsprechend der Auflagekraft einzustellen ist. Ohne diese Hilfe lässt sich Antiskating auch mit der Testplatte (Abtasttest) justieren. Und noch etwas: Eine präzise Tonarmwaage ist das A und O beim Justieren, da die Auflagekraft-Skala eines Tonarmes in der Regel nur einen groben Anhaltspunkt hergibt. Eindeutig am besten sind hier die neuen elektronischen Feinwaagen, mit weniger Genauigkeit und mehr für die Nadel gefährlicher Fummelei muss man bei den mechanischen Waagen leben. Die Messung der Auflagekraft erfolgt ausschließlich in der Ebene von Schallplatte/Plattenteller. Außerdem geht man so auf Nummer sicher und bemerkt einen irrtümlich völlig verstellten Arm, bevor der teure Tonabnehmer mit viel zu hoher Auflagkraft „auf dem Bauch“ liegt. Und noch etwas: Wenn Sie mit einem verdreh- oder verschiebbaren Gegen­gewicht extrem weit hinten am Arm landen, liegt das Tonabnehmergewicht womöglich an der Grenze dessen, was der Arm ausbalancieren kann. Die Theorie sagt: Je näher das Gegengewicht letztlich am Drehpunkt sitzt, umso optimaler sind die Kräfteverhältnisse.

Nachdem die Geometrie (vorerst) stimmt, wird es höchste Zeit, zu einer Testplatte zu greifen. Die sollte nicht nur Tracks zur Bestimmung der Abtastfähigkeit, sondern darüber hinaus natürlich auch Links/rechts-Prüfung, Phasentest und einen Übersprechtest enthalten. Sich in diesem Zusammenhang rein auf Musikbeispiele zu verlassen, wäre zu mutig, allerdings gab es auch solche „Test“-Platten. Sie nehmen es mir sicher nicht übel, wenn ich in diesem Zusammenhang auf unsere erprobte image hifi-Scheibe Vinyl Essentials verweise, die neben einer ordentlichen Bedienungsanleitung alles enthält, was Sie jetzt brauchen.

Die Dennesen-Schablone (rechts oben im Bild das Original, links davon eine Variante von Wirth Tonmaschinenbau) macht die Justage einfach. Links unten die bekannte Schön-Schablone, außerdem zwei Papierschablonen, die bei der Arbeit auf eine nicht allzu wertvolle Schallplatte gelegt werden sollten, um die richtige Höhe zu haben

Gleich mal Selbstlob: Die beste Testplatte kommt natürlich von „image hifi“. Ohne Testplatte geht gar nichts! Platten, die ausschließlich Musikbeispiele enthalten, sind höchstens dazu da, das Endergebnis zu bewundern. Zum Justieren sind Tracks mit präzise geschnittenen Testsignalen gefragt

Was wir zuerst tun, ist klar: Kanal-Identifikation (sind alle Käbelchen und Kabel richtig angeschlossen?) sowie Phasentest mittels rosa Rauschen checken die grundlegend korrekte Funktion und Verdrahtung. Bei korrekter Phase „steht“ das rosa Rauschen klar definier- und ortbar „zwischen“ den Lautsprechern. Andernfalls: Sind die Käbelchen am Tonabnehmer richtig gesteckt? Sind die Lautsprecher korrekt gepolt? Dreht etwa ein Phono- oder Vorverstärker die Phase?

Ist alles in Ordnung, geht’s gleich danach weiter zum Abtasttest. Hier räumen wir gleich mal mit einigen Mythen in Bezug auf die so genannte Abtastfähigkeit auf … Mithilfe der 315-Hertz-Tracks, die mit jeweils um zehn µ steigender Amplitude zwischen 40 und 100 Mikrometer geschnitten wurden, prüfen wir, ob unser Abtaster bis zu einer gewissen Grenze verzerrungsfrei arbeitet (1 µ = 0,001 mm). Die früher beliebten sehr „weichen“ Tonabnehmer mit hoher Nadelnachgiebigkeit waren schon in der Lage, eigentlich unrealistische Abtastwerte bis ungefähr 90 Mikrometer zu erreichen. Normale MC-Systeme mittlerer Nadelnachgiebigkeit liefern deutlich weniger, beileibe kein Beinbruch, sondern Normalität. In der Praxis genügt es völlig, wenn ein System bei seiner angegebenen Nenn-Auflagekraft (!) knapp 70 Mikrometer abtastet; keinesfalls sollte man mit einer Erhöhung der Auflagekraft versuchen, hier mehr zu erreichen. Obergrenze ist die maximale vom Hersteller angegebene Auflagekraft. Wann die Verzerrungen anfangen, ist sehr gut am 315-Hertz-Ton festzustellen, der dann unüberhörbar klirrt und „sägt“; zudem sind selbst kleine, meist zirpende (Anfangs-)Verzerrungen gut hörbar. Erfahrungsgemäß kommt es hin und wieder vor, dass ein Tonabnehmer mit sehr geringer Nadelnachgiebigkeit schon bei 60 Mikrometer die Segel streicht. Tastet so ein Exemplar dann aber etwa eine hoch ausgesteuerte Frauenstimme (Spaß macht eine gute Carmen-Aufnahme) trotzdem verzerrungsfrei ab, ist alles in Ordnung. Gibt es dabei aber auch Probleme, muss sich der Lieferant des Tonabnehmers schon mal zur Abtastfähigkeit seiner Pretiosen äußern. Wichtig: Bitte bei normaler Raumtemperatur arbeiten, „kalte“ Tonabnehmer liefern deutlich schlechtere Abtastwerte. Kommen Sie aber bitte ja nicht auf die Idee, mit einer Halogenlampe zu „heizen“ (alles schon da gewesen).

Außerdem gehen wir gleich hier die Antiskating-Justage an: Der Unterschied im Grad der Verzerrung zwischen beiden Kanälen hängt nämlich damit zusammen, und wir stellen die Antiskating-Kraft so ein, dass die Verzerrungen im ersten nicht mehr so gut ab­getas­teten 315-Hertz-Band auf beiden Kanälen gleich groß sind. Hin und wieder kursiert übrigens die Ansicht, man müsse bezüglich Antiskating mit Leerrillen oder sogar mit einer blanken, ungeschnittenen Vinyl-Oberfläche arbeiten – vergessen Sie’s. Bullshit-Alarm, würde mein Kollege Jürgen Egger sagen. Ach ja: Wenn ein Band, üblicherweise das 80-Mikrometer-Band, deutlich zerrt, dann ist es sinnlos, den Lautsprechern noch das 90- und 100-Mikrometer-Band zuzumuten. Außerdem: für den Abtasttest bitte geringe Lautstärke einstellen! Betreffs des Antiskatings kann es ohne Weiteres sein, dass der auf der Tonarm-Skala (falls vorhanden) erzielte Wert stark von der Korrelation zur Auflagekraft abweicht. Üblich ist, dass man deutlich weniger Antiskating-Kraft benötigt! Übrigens treffen wir auch hier wieder auf verschiedene Philosophien: Anti­skating, so eine der Meinungen, sei bei Auflagekräften von oberhalb drei Pond nicht mehr nötig. Graue Haare müsste man sich deswegen nicht wachsen lassen, beträfe dies doch nur ganz wenige Abtaster wie etwa das Ortofon SPU Classic. Aber es stimmt tatsächlich, dass die nötige Antiskating-Kraft mit steigender Auflagekraft zurückgeht! Im üblichen Auflagekraftbereich von um die zwei Pond oder weniger soll die Antiskating-Vorrichtung aber benutzt werden. Oberhalb von zwei Pond schadet es freilich nicht, sich das Ganze auch mal ohne Antiskating anzuhören, so etwa bei einem Denon DL-103. Der berühmte Koetsu-Arm, damals konzipiert für die Koetsu-Systeme, die in der Regel etwa 2,1 Pond Auflagekraft benötigten, verfügte über keine Antiskating-Vorrichtung!

Wollte man der Schallplatte systematisch am Zeug flicken, dann wäre die Kanaltrennung wohl erste Wahl. Selbst sehr gute Tonabnehmer schaffen kaum 30 Dezibel, was in der Analog-Praxis zwar normal und brauchbar ist, angesichts des Standes der (Digital-)Technik aber ein Armutszeugnis darstellt (an sich ein Witz, in einer Analogkette etwa auf Mono-Verstärkern zu bestehen). Mithilfe eines Übersprechtests auf unserer Testplatte können wir den Tonabnehmer leicht prüfen; kurze, kräftige Rauschimpulse auf einem Kanal erzeugen ein Übersprechen auf den anderen Kanal. Zur Prüfung wird jeweils ein Kanal via Balanceregler stillgelegt. Beispiel: Um das Übersprechen von links nach rechts zu checken, wird allein der rechte Kanal benutzt. Im Gegensatz zu einigen älteren Testplatten enthält unsere Vinyl Essentials Referenzsignale, um eine klare Aussage treffen zu können. Übrigens: Lediglich knappe minus 25 Dezibel sind bei vielen Tonabnehmern völlig normal.

„Azimut-Fans“, wie ich sie jetzt mal nennen möchte, stellen nun einen Zusammenhang zwischen dem Test der Übersprechdämpfung und jenem Winkel her, in dem die Nadel von vorne gesehen auf der Platte steht. Nicht ganz gerade in den Träger eingeklebte Nadeln wiesen nicht kanalgleiche Übersprechdämpfung auf, heißt es da, folglich müsse man den Azimut unter Zuhilfenahme des Tests so lange verstellen, bis die Übersprechdämpfung quasi symmetrisch sei. In der Praxis funktioniert das Verfahren tatsächlich, mündet freilich häufig in abenteuerlich schief gestellten Tonabnehmern. Sind die Nadeln tatsächlich derart schief eingeklebt? Ich selbst vermag das kaum zu glauben, bin überdies der Überzeugung, ein korrekt gerade eingebauter Abtaster mit völlig unsymmetrischer Übersprechdämpfung gehört als defekt zurückgegeben. Und klar ist doch, dass bei einem schräg eingebauten Tonabnehmer (wieder von vorne gesehen!) nunmehr vermehrt einseitige Kräfte auf den Nadelträger einwirken, insbesondere bei verwellten Schallplatten. Mein Fazit lautet daher: Die einzig korrekte Azimuteinstellung ist die sauber gerade, senkrechte Justage und damit eine 90-Grad-Stellung des Diamanten. Für die Art und Weise, wie man den Azimut einstellt, gibt es keine festen Regeln, sind die Tonarmkonstruktionen diesbezüglich doch grob verschieden. Die Spanne der Möglichkeiten reicht dabei von verdrehbaren Headshells bis hin zu komplett verdrehbaren Tonarmrohren. Einige Tonarme weisen freilich gar keine Möglichkeit zur Azimuteinstellung auf. Wenn Sie mich fragen: kein Fehler. Aber ich will nicht verschweigen, dass es zum Thema Azimut auch andere Meinungen gibt.

Der vertikale Abtastwinkel oder „vertical tracking angle“ stellt das nächste Thema dar, zu dem unterschiedliche „Schulen“ existieren. Hier ist letztlich (von der Seite betrachtet) der Eintauchwinkel des Diamanten in die Rille gemeint, der entsprechend einer sehr spät erfolgten Vereinbarung 15 Grad von der Senkrechten abweichen soll (stellen wir uns die Nadel mal als auf dem Kopf stehende Pyramide vor, dann wäre die Pyramide um 15 Grad nach vorne geneigt). Im Idealfall wäre dies so bei senkrecht auf den Träger aufgeklebter Nadel, Nenn-Auflagekraft und parallel zur Platte verlaufendem Armrohr. Das ist die Theorie. In der Praxis gibt es Fertigungstoleranzen, über die Jahrzehnte völlig unterschiedlich ­ge­schnittene alte und neue Schallplatten, unterschiedlich dicke Schallplatten sowie ­un­terschiedliche Nadelschliffe. Konisch ge­schnit­tene Nadeln mit großem Verrundungsradius, wie ganz früher üblich, lassen den VTA zu einem nebensächlichen Thema werden. Und die alten Platten – etwa die bekannten Sammlerstücke von RCA, Decca, EMI oder Mercury ­– sind, hört man sich in Spezialistenkreisen um, mit deutlich kleinerem VTA gefertigt worden. Bei der Verwendung „neumodischer“, „scharfer“ Nadelschliffe ist es also kein Wunder, wenn die Tonarme dann etwas „nach unten“ müssen, das Armrohr zum Tonabnehmer hin quasi ansteigt. Die Größenordnungen? Von der Waagerechten abweichend drei, höchstens vier Millimeter rauf oder runter. Aber Vorsicht: Einsichtigerweise ändert man mit der Höhenverstellung auch die vorher eingestellte Geometrie, sprich: Die Nulldurchgänge verrutschen. Sorry: Wer den VTA gegenüber der Grundeinstellung ändert, darf die geometrische Justage des Armes wiederholen.

Zurück zum VTA: Die vorherrschende Lehrmeinung geht folglich davon aus, dass die Pa­rallelstellung des Armrohres (bei Nenn-Auflagekraft!) zur Schallplattenoberfläche nur die Ausgangsposition darstellt. Von hier aus wird der Arm per Gehör so weit hinauf- oder hinuntergestellt, bis sich eine kräftig ausgesteuerte Frauenstimme voll und rund anhört – so in etwa lautet die Anleitung. Einige Tonarme besitzen zu diesem Zweck doch tatsächlich eine Mikrometerschraube zur superfeinen Höhenverstellung. Als in diesem Zusammenhang berühmt muss das Langweiler-Stück „Jerry Who Runs The Wine Shop“ auf der alten Ortofon-Testplatte 003 (auch: Bergen Havn, Opus 3) gelten; eine ohnehin gefährlich leicht überkippende Frauenstimme wird dabei mittels VTA auf die geringste Lästigkeit eingestellt. Auch ein Solo-Kontrabass soll sich hervorragend eignen: Ist der Arm zu weit oben, verliert das Instrument seinen Korpus, ist man zu weit unten, klingt es fett und aufgedunsen. In der Praxis machen aber allein unterschiedliche Platten – man vergleiche bitte superdünne Pop-Scheiben der 80er und audiophile 180-Gramm-Pressungen – eine Feineinstellung zunichte; die bittere Wahrheit ist, dass man prinzipiell für jede Platte neu einstellen müsste, was in der Praxis Schwachsinn ist, obendrein jedes Mal die Geometrie ändert. Klare Schlussfolgerungen: Auf einen Mittelwert einstellen und vergessen oder einen Tonarm mit fernsteuerbarer Höhenverstellung kaufen (ja, das gibt es, allerdings hatte der Hersteller zur sich ändernden Geometrie auch keine Idee)!

Um Sie jetzt noch ein bisschen mehr zu ­verwirren, ist es höchste Zeit, eine andere, zuge­geben mehr an Retro-Kombis (wie etwa Ortofon-Arm plus SPU, EMT-Arm plus Shindo-System oder SME 3012 plus DL-103) interessierte Fraktion zu Wort kommen zu lassen. Deren Protagonisten behaupten steif und fest, dass ein unter die Horizontale abgesenkter Tonarm Blödsinn wäre, ja sogar die Lebensdauer des Tonabnehmers stark beeinträchtigen würde. Die erwähnten Arm/System-Kombis laufen erfahrungsgemäß mit einem „hinten“ relativ hoch eingestellten Arm am besten, was nicht zuletzt wohl auf die unkomplizierten konischen Nadelschliffe besagter Abtaster zurückzuführen ist. Bei näherer Betrachtung muss man hier, was den VTA betrifft, wohl eine Trennungslinie zwischen „modernen“ und „alten“ Tonabnehmerkonzepten ziehen (Ausnahme: EMT-Arm plus EMT-System laufen wie üblich parallel).

Bevor ich es vergesse: Schließlich kommt noch die genaue Geschwindigkeitseinstellung des Plattenspielers. Die im HiFi-Handel er­hältlichen Stroboskopscheiben sind brauchbar, allerdings nur jene, die ungefähr Labelgröße haben, die Plattenrillen also frei lassen. Man stellt die Geschwindigkeit ausschließlich bei aufgelegter Schallplatte und in den Rillen befindlichem Abtaster ein. Bitte versuchen Sie nicht, die dünnen Stroboscheiben danach mit spitzen Fingern bei drehendem Teller zu entfernen, zu leicht schliddern die Dinger über die Platte und treffen – meistens – beim Abflug noch den Tonabnehmer.

Zu guter Letzt noch ein bisweilen lustiges Thema: die „Einlaufzeit“. Mancher Künstler bescheinigt seinem Edel-Abtaster eine Einlaufphase in Höhe der zu erwartenden Lebensdauer. Das ist eine Schutzbehauptung, die ebenso dazu dienen kann, den Kunden zu lang anhaltendem Warten auf verzerrungsfreies Abtasten, bessere Übersprechdämpfung oder die langsame „Ausreifung“ bestimmter Klangeigenschaften zu animieren. Sie und ich wissen es aber besser, weshalb wir dem Teil bestenfalls fünf Laufstunden gönnen, um sich ans Arbeiten zu gewöhnen (das System zu diesem Zweck nächtelang in der Auslaufrille zu quälen, schadet aber nur). Danach prüfen wir mit unserer Testplatte nochmals nach, ob sich etwa die Abtastwerte verbessert haben, damit die Auflagekraft etwas zurückgenommen werden kann oder ob eine letzte Feineinstellung beim VTA nötig wird. Sind die Abtastwerte übrigens von Anfang an gleich null, ist „Einlaufen“ zwecklos.