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Tonabnehmer Rega Exact

Das Elegante

Text von: Uwe Heckers

Wirklich jeder kennt die Plattenspieler und Tonarme von Rega. Aber wie sieht es mit den Tonabnehmern aus? Lohnt sich eine Anschaffung auch für Plattenspieler, die nicht von Rega hergestellt worden sind?

Eines kann man Roy Gandy nicht vorwerfen: Er wäre nicht konsequent. Wenn man mal Revue passieren lässt, wie bei Rega alles angefangen hat und wie es der Firmengründer anschließend geschafft hat, eine klitzekleine Firma, die sich zuerst nur auf die Herstellung eines Plattenspielers beschränkt hatte, zu einem mittelständischen Unternehmen aufzubauen, dann nötigt einem das Respekt ab. Mittlerweile wird von Tonabnehmer bis zu Lautsprechern eine vollständige Kette angeboten, wo nicht nur Rega draufsteht, sondern auch Rega drin ist. Die Fertigungstiefe ist unglaublich hoch.

Nicht immer wurden alle Produkte von Rega selbst hergestellt. Der erste Tonabnehmer (R 100) wurde in Japan, der zweite (RB 100) von einem britischen Unternehmen an­ge­fertigt. Doch laut Gandy hatten beide Systeme auf Dauer nicht zu akzeptierende konstruk­tive Limitierungen. Zumindest nach Regas „discriminating standards“. Deshalb erblickten 1988 mit dem violetten Elys und dem grünen Bias die beiden ersten echten Rega-Tonabnehmer das Licht der Welt. Doch außerhalb des Rega-Universums stießen sie wohl nur auf wenig Gegenliebe. Vielleicht weil man ihnen unterstellte, sie wären klanglich ausschließlich für Rega-Plattenspieler konzipiert. Ich finde, dass das ein etwas merkwürdiger Gedanke ist, da ein Tonabnehmer ja in erster Linie zum Tonarm passen muss. Und welcher Tonarm ist zu Hunderttausenden verkauft und auch auf ganz großen Laufwerken montiert worden? Ganz genau, der Rega RB 300!

Trotzdem stellt sich die Frage, ob man ein Exact, das aktuell größte MM von Rega, auch Besitzern von Fremdtonarmen empfehlen kann. Zumindest die Dreipunkt-Befestigung kommt ja ausschließlich in Regas Armen zur Geltung. Selbstverständlich kann man auf die dritte Schraube verzichten und das System ganz normal in jeden anderen Tonarm einbauen. Allerdings mit einer Einschränkung; denn das Gehäuse ist mit zwölf Millimetern sehr flach. Deshalb kommen Tonarme mit einer wechselbaren Headshell nach SME-Standard nur dann in Betracht, wenn ein ca. ein bis zwei Millimeter starkes Unterlegplättchen verwendet wird, da man aufgrund der ausladenden Headshell den Tonarm nicht tief genug absenken kann, damit das Armrohr parallel zur ­Plattenoberfläche steht. Es ging wohl mit dem Teufel zu, dass mir ausgerechnet während des Testzeitraumes nur ein Dynavector DV-505, ein Micro Seiki MA-505 und ein Vivid Two zur Verfügung standen, die alle mit einer SME-Headshell ausgestattet sind. Ich habe mir deshalb das Metallplättchen vom Clearaudio Wood geborgt, und das Problem war gelöst.

Aber auch in diesen scheinbar ungeeigneten Tonarmen können die anderen konstruktiven Merkmale des Exacts zur Geltung kommen. Da wäre zum einen der fest mit dem Systemkörper verbundene Nadelträger. Roy Gandy war nämlich der wechselbare Nadeleinschub der meis­ten MMs ein Dorn im Auge. Er vermutete hier einen Verlust von mechanischer Energie, die dann eben nicht in die gewünschte elektrische Energie umgewandelt werden kann. Dynamikverlust wäre eine der ohrenfälligen Erscheinungen. Das hat natürlich zur Folge, dass man nicht einfach die Nadel tauschen kann, wenn der Diamant verschlissen ist. Aber bei MCs ist es ja auch nicht anders.

Klein, gelb, gut: Die für Rega typische Dreipunkt-Befestigung des Exact kommt leider nur in Tonarmen aus gleichem Hause zur Geltung

Der Systemkörper besteht aus einem kompakten und hochfesten Kunststoff, der gar nicht erst den Verdacht aufkommen lässt, hier wäre mal eben Plastik aus Gründen der Sparsamkeit verwendet worden. Die Kontaktfläche zur Headshell ist sogar speziell geglättet worden. Es muss also nicht immer versteinerte Koralle sein …

Ebenfalls eine für Rega-MMs typische Besonderheit ist der geringe Abstand der Magnete zu den Spulen, deren Wicklungstechnik verbessert wurde. Die Verbesserung bewirkt, dass man bei gleicher Ausgangsspannung nur noch ein Drittel der ursprünglichen Anzahl an Windungen braucht. Der nackte Diamant schließlich sitzt am Ende eines Aluminiumnadelträgers und hat einen Vitalschliff. Die Nadelnachgiebigkeit („compliance“) wird von Rega leider nicht angegeben. Sie dürfte aber in Verbindung mit dem Systemgewicht für die weit verbreiteten mittelschweren Arme ausgelegt sein.

Es wäre bedauerlich, wenn Besitzer von anderen Tonarmen als von Rega das Exact mit Nichtbeachtung strafen würden. Das hätte es nicht verdient. Denn es klingt richtig gut. Dabei hat es durchaus einen eigenen, sofort wieder zu erkennenden Charakter. Diesen würde ich als rhythmische Akzente betonend, in die Musik hineinziehend und elegant bezeichnen. Es bietet in den üblichen HiFi-Kriterien eine gute Hochtonauflösung, die für gute MM-Systeme typischen klangfarbenstarken Mitten und einen beachtlich tief herabreichenden und präzisen Bass. So lässt das Exact Tori Amos auf Boys for Pele (Atlantic) sehr einfühlsam und zart „Horses“ hauchen, um es vier Tracks später in „Professional Widow“ dann richtig krachen zu lassen. Die Raumabbildung bei Bernsteins live eingespielter Interpretation von Mahlers Zweiter Sinfonie (Deutsche Grammophon) ist groß, aber nicht ausufernd riesig und geht eher in die Breite denn in die Tiefe. Ich nenne das mal akustisch plausibel, denn das große Orchester kommt durchaus glaubhaft rüber. Auch trennt es akus­tisch die einzelnen Instrumentengruppen sauber voneinander, ohne einem dabei analytisch sezierend auf den Wecker zu gehen.

Das Besondere dieses Systems ist aber seine Betonung rhythmischer Strukturen und seine klangliche Eleganz, die dafür sorgt, dass es dem Hörer ausgesprochen leicht fällt, sich nur auf die Musik einzulassen. Ich weiß nicht, wie man diese Eigenschaft einem Tonabnehmer anerziehen kann. Ich weiß nur, dass ich diese Eigenschaft sehr mag. Denn plötzlich spielen Detailauflösung und Bass­potenz nur noch die zweite Geige und lassen Raum für die Musik. Und das ist wohl das größte Kompliment, das man einem Tonabnehmer machen kann.

Produktinfo

Tonabnehmer Rega Exact

Funktionsprinzip: Moving Magnet (MM)

Nadelschliff: Vital

Ausgangsspannung: 6,8–7,2 mV (lautes MM)

Empfohlener Abschlusswiderstand: 47 kΩ

Empfohlene Auflagekraft: 17,5 mN

Besonderheiten: fester Nadelträger, Dreipunkt-Befes­tigung für Rega-Tonarme, niedriges Gehäuse

Gewicht: 5,5 g

Garantiezeit: 3 Jahre

Preis: 380 Euro

Kontakt

www.marvel-audio.de