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Plattenwaschmaschine Okki Nokki

Mein wunderbarer Waschsalon

Text von: Roland Kraft

Was will die Hausfrau? Volle Waschkraft für wenig Geld! Mein wunderbarer Waschsalon kostet nicht viel, kriegt aber alles sauber. Mit ein wenig Extra-Handarbeit, klar, aber das ist nicht so schlimm. Denn jeder kann sich diese Plattenwaschmaschine und ein biss­chen Waschmittel leisten.

Wer sich intensiv mit Schallplatten beschäftigt, der kennt das Dilemma: Selbst jungfräuliches Vinyl ist nicht mal beim ersten Herausziehen aus der Hülle sauber. Und spätestens beim Abtastvorgang scheint der Kunststoff den Staub förmlich aus der Luft an sich zu ziehen. Hat man die Scheibe gar auf dem Flohmarkt oder im Secondhand-Shop erworben, stecken womöglich die Rückstände vieler Jahre in den Rillen, ganz zu schweigen von jenem Feinstaub, der sich in das vom Durchgang der Abtastnadel erhitzte Vinyl förmlich eingebacken hat. Das Ergebnis: andauerndes Knistern und Knacksen, das mit den üblichen Methoden – Tücher und Bürsten – nicht zu beseitigen ist. Ganz klar: Jetzt muss eine Waschmaschine her!

Weniger konsequente Versuche, eine Schallplatte bis tief in den Rillengrund wirklich sauber zu bekommen, sind seit langem bekannt. Ältere Vinylfans erinnern sich womöglich noch an einige Wundermittelchen, so etwa eine Art Knetgummi, der auf die Platte gedrückt Staub aufnehmen sollte, oder auch das, wie sich im Nachhinein herausstellte, unsägliche Nassabspielen mithilfe eines flüssigkeitsgefüllten Mitlaufröhrchens. Eine Unzahl vermeintlich spezieller Bürsten, Fasertücher und Samtkissen wurden ebenfalls eingesetzt, konnten aber das wirkliche Problem nicht lösen: tief und fest sitzender Schmutz. Für solche Fälle wussten mutige Vinyljunkies Rat: Wasserhahn auf, Spülmittel drauf und drunterhalten, wenn nicht sogar gleich baden. Die Brachialmethode half tatsächlich, freilich mussten die Scheiben sofort gründlich getrocknet werden, wofür schon mal ein Fön herhalten konnte. Zudem ist sonnenklar, dass es genau diese Brachialmethode war, die letztlich den Anstoß zur Erfindung der Plattenwaschmaschine lieferte …

Kein Luxus, stattdessen reduziert auf die reine Funktion: die Okki Nokki

Die Elektrik ist abgetrennt von der „Nasszelle“ mit dem Schmutzwassertank

Praktisch alle derzeit bekannten Plattenwaschmaschinen beruhen auf dem gleichen Prinzip: baden und absaugen. Flüssigkeit kombiniert mit Reiniger soll den tief sitzenden Schmutz lösen und herausspülen, dann wird kräftig abgesaugt und damit die Schallplatte auch getrocknet. Das hört sich zunächst einfach an, verlangt in der Praxis aber nach einer Art langsam drehenden Plattenspieler plus ei­ner Art von Staubsaugerturbine. Plus Schmutzwasserbehälter, plus Absaug-Arm, plus Vorwärts- und Rücklauf plus – nicht zu vergessen – elektrischer Sicherheit angesichts überall vertretener Flüssigkeit. Das Ende vom Lied ist hinlänglich bekannt: Platten-Waschmaschinen sind für gewöhnlich alles andere als billig.

Mit einer Ausnahme. Und die heißt Okki Nokki, kommt von einem niederländischen Her­steller und wird, man höre und staune, so­gar in Deutschland gefertigt. Schon die Größe der Okki Nokki – sie liegt nur wenig über der einer Plattenhülle – deutet an, das hier keineswegs zu viel Material in Form von Luxus zum Einsatz kommt. Die vergleichsweise am stärks­ten wirksame Sparmaßnahme bei der Okki Nokki besteht freilich darin, dass der Nutzer die Waschflüssigkeit von Hand aufbringen muss – aufwendige Pumpen/Bürsten-Systeme für die Dosierung der Flüssigkeit entfallen also ganz. Davon abgesehen entspricht die wasserfest gefertigte, kompakte Maschine genau dem Standard der teuren Plattenwäscher, mit anderen Worten: Sie verfügt über ein Absaugsystem für die Waschflüssigkeit. Ähnlich den geläufigen Konzepten wird auch hier eine Art Arm über die Schallplatte geschwenkt, der vom Unterdruck auf das Vinyl gepresst wird und über einen Längsschlitz absaugt. Übertriebener Rotstift-Einsatz ist hier allerdings nicht zu verzeichnen, besteht der Okki-Nokki-Arm doch aus Edelstahl. Und sogar ein anders bemessenes Exemplar für Singles ist lieferbar.

Wasch-Tipps

In selbst gemischten Reinigungsflüssigkeiten sollte der Alkoholanteil (Isopropanol oder Isopropyl aus der Apotheke) niemals 25 Prozent überschreiten. Man verwendet aus­schließlich destilliertes Wasser, um Kalk­rückstände zu vermeiden, ein (!) Tropfen Spülmittel pro Liter reicht bereits, um die Oberflächenspannung zwecks besserer Benetzung herabzusetzen. Fertig ge­mischte Flüssigkeit sollte ausschließlich in chemikalien-geeigneten Plastikflaschen mit dichtem Schraubverschluss aufbewahrt werden. Wichtig: Alte Mono-Langspielplatten (26 und 30 Zentimeter Durchmesser, für so genannte „Mikrosaphir“-Kristalltonabnehmer) dürfen nicht mit alkoholhaltigen Reinigern behandelt werden, ebenso wenig natürlich 78er-Schellacks. Minutenlanges „Baden“ der Platten mit Reiniger ist zu vermeiden, ebenso Absaugvorgänge, die länger als zwei Umdrehungen dauern. Und: Niemals trockene Platten absaugen! Normalerweise reicht einmaliges Waschen, später erweist sich ein Mikrofaser-Reinigungstuch (etwa „Optiwisch“ von Aldi) als höchst effizienter Staub­fresser. Ein sehr gutes fertiges Reiniger-Konzentrat ist „Record Cleaning Liquid“ von L’Art du Son, das Fläschchen ergibt fünf Liter Reiniger. Bezugsquelle: www.loricraftaudio.com. Der ebenfalls empfehlenswerte Reiniger von Okki Nokki ist über dessen Vertrieb erhältlich.

Der Absaugarm ist aus Edelstahl gefertigt. Spezielle Exemplare für andere Plattengrößen sind ebenfalls lieferbar

Serienmäßig enthält die Erstausstattung zwei Flaschen Reinigerkonzentrat, einen Stapel Innenhüllen sowie die Bürste

Im Inneren des grauen Kastens steckt ein Getriebemotor, der den übrigens abnehm­baren Teller vor- und rückwärts dreht. Hinzu kommt ein „Abwasser“-Behälter, der seinen Füll­stand über einen Schwimmerschalter signalisiert; ist der Tank voll, schaltet die Maschine ab. Entleert wird über einen kleinen Schlauch. Auch der Motor ist vor eventuellen Überhitzungs­erscheinungen gefeit, gegebenenfalls greift eine Schutzschaltung ein. Dennoch ist die Okki Nokki auch für ständigen Betrieb geeignet und, was das Gehäuse betrifft, auch entsprechend wasserfest ausgelegt. Mithilfe der mitgelieferten Bürste, die spezielle Kunststoffhaare besitzt, wird die Waschflüs­sigkeit manuell aufgebracht und verteilt, wozu man sich am besten eine Spritzflasche an­schafft. Anschließend saugt die Okki Nokki geräuschvoll und effektiv ab, bis die Scheibe blitzblank ist. Das gleichmäßige Verteilen der Flüssigkeit gelingt nach kurzer Zeit gut und schnell – wichtig für Vielwäscher, die den Tank nach 30 bis 40 Plattenseiten wieder leeren müssen.

Übrigens hat sich das bewährte und häufig verkaufte Maschinchen auch in Secondhand-Plattenläden und damit unter harter Beanspruchung bewährt. Das Reinigungsergebnis ist keinen Deut schlechter als bei sehr viel teureren Geräten, die letztlich eben nur mehr Komfort bieten. Serienmäßig mitgeliefert werden ein Päckchen Platten-Innenhüllen, die Bürste so­wie zwei Flaschen Reinigerkonzentrat. Und was ebenfalls wichtig ist: Ersatzteile sind kein Problem. Wenn Sie mich fragen: Fürs Geld ein Knaller!

Produktinfo

Plattenwaschmaschine Okki Nokki

Besonderheiten: Plattenwaschmaschine mit Unterdruck-Saugsystem und zwei Laufrichtungen für Langspielplatten; manuelles Aufbringen der Waschflüssigkeit. Optional Saugarme für 7’’- und 10”-Schallplatten

Maße (B/H/T): 35/25/35 cm

Gewicht: 9 kg

Garantiezeit: 2 Jahre

Preis: 350 Euro

Kontakt

www.wittmann-hifi.de