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Plattenwaschmaschine Loricraft PRC3 Mk II

Diese Plattenwaschmaschine ist einzigartig!

Text von: Heinz Gelking

Übertriebene Hygiene? Bei mir kein Thema. Ein Staubsauger und ein paar Putzmittel reichen fürs Nötigste, und mehr als das Nötigs­te wird in meiner Wohnung nicht gemacht. Bei meiner Plattensammlung sieht das anders aus …

Seit fünfzehn Jahren besitze ich eine Plattenwaschmaschine. Soll ich deren Sinn hier noch einmal diskutieren? Einverstanden. Am Anfang der Schallplattenwiedergabe steht der Abtastvorgang. Ein Tonabnehmer folgt den Vertiefungen und Verwerfungen einer Rille, nimmt dabei mechanische Energie auf und wandelt sie in elektrische Energie um. Es ist leicht zu begreifen, dass der Zustand dieser Kontaktfläche zwischen dem Diamanten und der Rille für das, was man hört, entscheidend ist.

An dieser Kontaktfläche können drei verschiedene Probleme auftreten, nämlich ers­tens mechanische Beschädigungen, zweitens Schmutz und drittens Rückstände aus dem Herstellungsprozess. Gegen mechanische Be­schädigungen in Form von Kratzern und rissigen Rillenflanken kann keine Plattenwaschmaschine der Welt etwas ausrichten. Aber Schmutz, angefangen vom Staub über Salze vom Handschweiß bis hin zu Papierfasern, die sich aus ungefütterten Innenhüllen gelöst haben, oder Zigarettenrauch-Bestandteile, die sich auf dem Vinyl abgesetzt haben – all das, wovon Sie und ich vor allem bei Sammlungen aus „antiquarischen“ Quellen gar nicht wissen wollen, woher es stammt, bekommt eine Plattenwaschmaschine weg. Jedenfalls bei 97 von 100 Platten. Nach meiner Erfahrung lassen sich mit einer Plattenwaschmaschine sogar nass abgespielte Platten (fast) knisterfrei wieder hinbekommen. Selbst jenes Trennmittel, das beim Pressen für ein leichtes Ablösen des Vinyls von der Matrize sorgen soll, kann eine Plattenwaschmaschine entfernen. Den dünnen Schmierfilm des Trennmittels sieht man zwar nicht, aber man hört, wenn er weg ist. Die Platte klingt farbiger, offener und dynamischer. Das gilt auch für neue LPs.

Die Loricraft PRC3 Mk II beruht auf der fast 40 Jahre alten, immer weiter verfeinerten Idee der Punktabsaugung

Noch nie gab es so viele Plattenwasch­maschinen wie heute. Das liegt an vielen Tausend täglich umgeschlagener Gebraucht-LPs. Händler waschen sie, weil sie dann mehr wert sind, Kunden waschen sie, weil sie dann besser klingen, Sammler waschen sie, um ihren Wert zu erhalten. Die meisten neueren Plattenwaschmaschinen beruhen auf dem Prinzip der Flächenabsaugung. Mit der einfachsten und günstigsten Variante einer solchen Plattenwaschmaschine, einer Nitty Gritty Basic, habe ich viele Jahre gearbeitet. Flächensauger sind schnell, effektiv und (jedenfalls die güns­tigen) relativ laut. Und sie haben einen gravierenden Nachteil, auf den ich noch zu sprechen komme.

Die Loricraft beruht auf einer Idee von Percy Wilson, der in den sechziger Jahren Technical Editor bei der Zeitschrift Gramophone war. Unser Testgerät, die Loricraft PRC 3 Mk II, stellt eine Weiterenwicklung des Basismodells dar. Ideen von Terry O’Sullivan, Nigel Pearson und Martina Schöner sind darin eingegangen. Früher war eine Loricraft die einzige Maschine, nach deren Benutzung man überhaupt noch Musik hören konnte. Aber die Flächensauger haben durch Kapselungen ihrer Turbinen aufgeholt. Nur die Betriebsgeräusche der einfachsten Flächensauger erinnern noch an den Turbinen-Probelauf großer Flugzeuge. Leise wie eine Loricraft – dieses Ziel hat die Konkurrenz fast erreicht. Aber die Loricraft bleibt einmalig. Was soll zum Beispiel der wie ein festgeschnalltes Marmeladenglas aussehende Auffangbehälter? Very britisch? Nein, very schlau! Denn nur bei der Loricraft hat man den Füllstand des Schmutztanks stets im Blick, um ihn rechtzeitig zu leeren. Schäumende Reinigungsmittel sollen nämlich – bei anderen Plattenwaschmaschinen – dazu geführt haben, dass Reinigungsflüssigkeit ins Innere des Gerätes geriet und Defekte verursachte. Trotzdem, muss es ein so allerweltsgewöhnliches Marmeladenglas sein? Ja! Dieses Glas könnte nämlich irgendwann und irgendwo durch Ungeschicklichkeit kaputtgehen. Und dann wird sich der Loricraft-Besitzer darüber freuen, dass er in den nächsten Supermarkt gehen und sich bei der Auswahl seiner Konfitüre mal nicht am Geschmack, sondern am passenden Glasdurchmesser orientieren kann, will sagen: Für dieses Standard-Glas gibt’s überall auf der Welt Ersatz. Nicht zu Apotheker-Preisen, sondern problemlos und billig. Einfache Ersatzteilbeschaffung zum Zweiten: Der Antriebsriemen für den Plattenteller ist mit Bedacht ein alltäglicher Gummiring, wie ihn verschiedene Firmen im Sortiment haben. Martina Schöner in dem Zusammenhang: „Uns war wichtig, dass man diese Plattenwaschmaschine auch dann noch re­parieren kann, wenn wir selbst im Altenheim sitzen und keinen Service mehr bieten können.“

In der Loricraft arbeitet keine gewöhnliche Staubsauger-Turbine, sondern eine europäische Laborpumpe, die auf einen 24-Stunden-Dauereinsatz ausgelegt sein soll. Und das Nadellager, in dem die Achse des Plattentellers gefasst ist, kann große Kräfte, die durch das Drücken mit der Bürste auf dem Tellerrand entstehen könnten, problemlos aufnehmen. Eine Loricraft ist Profiwerkzeug und soll genauso ein Leben lang halten wie ein Satz Schraubenschlüssel von Hazet oder eine Crimp-Zange von Knipex.

Der Plattenteller der Loricraft dreht sich mit 80 Umdrehungen pro Minute und damit so schnell, dass die aufgetragene Reinigungsflüssigkeit durch die Fliehkraft rund drei Zentimeter um den Tellerrand herum verspritzt wird. Auf der anderen Seite sorgt die hohe Umdrehungszahl dafür, dass die Loricraft für die Absaugung einer Plattenseite kaum eine Minute braucht. Hier wurde ein Kompromiss gemacht zwischen schnellem Absaugen und Spritzern auf der Oberfläche. Letztere lassen sich leicht abwischen – vielleicht trage ich den Reiniger einfach nicht sparsam genug auf? Aber ein bisschen unschön finde ich das doch. Ein anderer Kritikpunkt: Man muss den Plattenteller der Loricraft sauber halten, sonst wird nämlich die gereinigte Plattenseite wieder schmutzig oder nass, wenn sie umgedreht wird und nach unten kommt. An diesem Punkt kann meine ansonsten hoffnungslos unterlegene Nitty Gritty mit ihrer „Über-Kopf-Absaugung“ punkten.

Für mich überwiegen die Vorteile gegenüber anderen Konstruktionen.

Die Saugschlitze der Saugarme von Flächensaugern sind normalerweise mit Bürsten aus Samt oder einem ähnlichen Material ausgestattet. Früher oder später verschmutzen diese Bürsten – eher früher, denn die Verschmutzung beginnt mit der ersten Platte, die ge­reinigt wird. Sicher bleibt ein Teil des Schmutzes gar nicht erst an der Bürste haften und wird mit weggesaugt, aber im Grunde gilt die alte Lateiner- und Verleumder-Regel, dass „Semper aliquid haeret“ – also immer etwas hängen bleibt. Schon die zweite Plattenseite kommt also mit Schmutz der ersten Plattenseite in Berührung. Das geht am Sinn und Zweck einer Plattenwaschmaschine natürlich total vorbei. Und wer wechselt schon nach jeder Plattenseite den Filz oder die Bürste?

Loricraft hat das Problem besser gelöst. Hier wird mit einer Punkt- statt Flächenabsaugung gearbeitet, und der Saugarm besitzt eine weiche, abriebfeste „Nase“. Durch die „Nase“ erfolgt die Punktabsaugung. Gleichzeitig wird ein Nylonfaden in einem Rohr parallel zum Saugarm der kleinen runden Saugöffnung zugeführt, worin er verschwindet. Dieser Nylonfaden quert also einmal den Rand der Saugnase. Dadurch funktioniert er wie ein Abstandshalter. Die eigentliche Saugnase berührt niemals die Vinyl-Oberfläche – das tut nur der Nylon-Faden, der sich weder statisch aufladen noch Abrieb oder Fasern auf der Vinyl-Oberfläche hinterlassen soll. Wenn man vor dem Aufsetzen des Saugarms kurz am Faden zupft, werden die verschmutzten fünf Millimeter Faden in Richtung Schmutzfangbehälter eingesaugt und die Platte kommt ausschließlich mit einem frischen Stück Faden in Berührung. Ich wundere mich nicht da­rüber, dass die Loricraft in vielen Archiven benutzt wird. Für viele vorsichtige Archivare erfüllt nämlich allein diese berührungsfreie Reinigung der Schallplatten durch die Lori­craft die von ihnen erhobenen konservatorischen Anforderungen. Auch für mich liegt in der berührungsfreien Punktabsaugung das entscheidende Plus der Loricraft. Ein be­grü­ßenswerter Nebeneffekt der Punktabsaugung: Man kann bestimmte Stellen gezielt ein zweites Mal nachreinigen oder absaugen und dabei „punktgenau“ ansteuern.

Mit der Spritzflasche wird das Reinigungsmittel L’Art du Son aufgebracht, mit der strammen Nylonbürste wird es verteilt. Selbstverständlich lässt sich auch jedes andere Reinigungsmittel einsetzen

Jederzeit im Blick und bewusst außerhalb der Maschine: der Auffangbehälter für die schmutzige Reinigungsflüssigkeit

Das Nadellager des Plattentellers ist nicht auf Präzision, sondern auf Dauerhaftigkeit ausgelegt. Der Antriebsring lässt sich im Falle eines Falles problemlos ersetzen

Bitte nicht berühren! Die Nase des Absaugarms wird mithilfe eines stets frischen Nylonfadens auf Abstand gehalten

An die relativ starre Handbürste der Lori­craft mit ihren harten Nylonborsten habe ich mich gleich gewöhnt – damit lassen sich sogar angebackene Schmutzpartikel prima anlösen. Sie hat nie auch nur den kleinsten Kratzer ­verursacht. Wem – eher aus psychologischen denn aus sachlichen Gründen – eine weiche Bürste lieber ist, der findet sie im L’Art-du-Son-Sortiment. Ich fand auch das Hantieren mit der einfachen Spritzflasche angenehm und kann mir nicht vorstellen, dass Pump­mechanismen, wie man sie an einigen Plattenwaschmaschinen findet, praktischer sind. Während die nämlich die Reinigungsflüssigkeit großflächig verteilen, kann man mit der Spritzflasche in der Hand bestimmte hartnäckig verschmutzte Stellen auf der Platten­oberfläche gezielt angehen. Überhaupt, die Praxis! Ich habe mir angewöhnt, den Plattenteller im Uhrzeigersinn laufen zu lassen und die Saugnase „jenseits“ des Plattenlabels in der Innenrille aufzusetzen, so dass von innen nach außen gesaugt wird. Das hat den Vorteil, dass die Saugnase der Reinigungsflüssigkeit folgt, wenn sie durch die Rotation an den Plattenrand drängt. Nach drei LPs beherrscht man den Umgang mit der Maschine im Schlaf und kann dabei sogar telefonieren (wirklich, so leise ist sie!).

Ist es lächerlich über den „Klang“ einer Waschmaschine zu diskutieren? Vielleicht schon. Ich möchte dennoch eine Erfahrung mitteilen. Platten, die ich mit L’Art du Son und der Loricraft gewaschen habe, klingen eine Spur besser als Platten, die ich mit meiner Nitty Gritty Basic und demselben Reinigungsmittel gewaschen habe. Es mag sein, dass die Loricraft tatsächlich sauberer arbeitet als meine fünfzehn Jahre alte Nitty Gritty mit ihren verfilzten Samtbürstchen. Vermutlich trifft aber auch eine andere Erklärung zu. Die Loricraft wurde daraufhin entwickelt, eine statische Aufladung des Vi­nyls beim Waschen zu verhindern, wohingegen die ­Reibung zwischen den Samtbürsten der Nitty Gritty und der Vinyl-Oberfläche offenbar nicht ohne Folgen bleibt. Vielleicht kommt es bei meiner alten Maschine eben doch zu ­statischen Aufladungen, welche die Loricraft nicht kennt.

Produktinfo

Plattenwaschmaschine Loricraft PRC3 Mk II

Funktionsprinzip: berührungsfreie Punktabsaugung per ­Membranpumpe

Maße (B/H/T): 45/20/38 cm

Gewicht: 19 kg

Garantiezeit: 2 Jahre

Preis: 1880 Euro

Kontakt

www.loricraft.com