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Plattenspieler Linn LP12/Lingo mit Akito und Adikt

331/3 Jahre analoger Swing aus Schottland

Text von: Michael Vrzal

Besonderes Produkt, besonderes Jubiläum: Dieser Plattenspieler ist älter als manch einer seiner Besitzer. Eine Reifeprüfung.

Im Grunde war es Verführung Minderjäh­riger. Ich war unschuldige 17, und auf den Bildern in den einschlägigen Magazinen konnte man alles erkennen – alles! Die fili­granen Gelenke. Das stramme Rohr. Das mattschwarze Lackoutfit. Acht Buchstaben, geheimnisvoll wie ein Code: Linn Ekos. Was soll ich sagen – ich war verliebt. In einen Tonarm.

So kam Linn auf meinen High-End-Radar. Und so werden mir die Schotten auch immer im Bewusstsein bleiben: als Schöpfer von mechanischen Wunderdingen. Wenige Jahre nach meinem Erweckungserlebnis durfte ich unter dem wachen Blick eines Fachhändlers selbst Hand anlegen. Geradezu organisch ließ eine Berührung des Tonarms das Subchassis erbeben, so als erwarte es freudig die ersten Takte Musik. Andere sparten für ihr erstes Auto – ich wollte ab sofort einen Plattenspieler. Den Plattenspieler. Den LP12. Von Linn.

Der LP12 stand schon damals jenseits objektiver Maßstäbe. Ach, was heißt „schon damals“ – schon immer. Angesichts der bodenständigen Zutaten eine PR-Leistung, die man der Marketing-Abteilung gar nicht hoch genug anrechnen kann. Doch über die Kult-Schiene schafften es die Schotten auch, wertvolle HiFi-Wahrheiten zu transportieren. Etwa „source first“, in der ungeschminkten Variante auch als „rubbish in, rubbish out“ bekannt: die Regel von der Priorität der Signalquelle. Oder, in Zeiten der halbierten Tennisbälle unter Lautsprechern: die Lehre von der mechanischen Integrität der gesamten Kette, spielerisch verpackt in vermeintliche Voodoo-Rituale wie den legendären Papierschnipsel unter einer Plattenspielerecke. Wie soll man denn sonst einer Massiv­holzzarge, die mangels Querverstrebungen nicht perfekt gerade sein kann, zu gleichmäßiger Auflage auf allen vier Füßen verhelfen?

Stichwort bodenständige Zutaten: Der LP12 ist, da beißt das Haggis keinen Faden ab, ­mitnichten eine schottische Erfindung. Die mechanische Grundidee stammt aus den USA.

Gegen Ende der 50er Jahre wollte Ed Villchur von Acoustic Research, eigentlich ein Lautsprecherspezialist, eine vollständige Kette anbieten können. Dafür brauchte er einen Plattenspieler. Es sollte ein Massenprodukt werden, etwas, das sich in fünfstelligen Stückzahlen verkaufen ließ. So kam 1961 der AR-XA auf den Markt. Für 58 Dollar bekam der Kunde eine Holzzarge mit einem fe­derentkoppelten Subchassis, auf dem der zweiteilige Aluminiumteller und der Tonarm befestigt waren – eine Anordnung, für die ein Plattenspieler von Stromberg-Carlson Pate stand. Den Antrieb besorgte ein Synchronmotor, die Kraftübertragung ein geschliffener Gummiriemen. Der AR-XA war seinerzeit der güns­tigste Plattenspieler auf dem Markt – und, nach Meinung vieler Fans, der beste.

Das US-Laufwerk und seine Nachfolgemodelle inspirierten die Schweizer Ingenieure von Thorens 1965 zum Bau des TD 150. Hier hatte erstmals das separate Armbrett seinen Auftritt. Das Metall-Subchassis war T-förmig und lag auf drei Kegelfedern auf. Die Tellerachse wies damals noch eine eingepresste Kugel auf, was sich später mit dem TD 160 änderte, bei dem eine Achse mit verrun­detem Kegelschliff die Kugel ersetzte. Der TD 160 erschien 1972 – im selben Jahr wie der Linn LP12.

Wo sind all die Jahre hin? Nur für Spezialisten sichtbare Details wie der Einschaltknopf lassen grobe Rückschlüsse auf das Alter des LP12 zu. Der Tonarm müsste auch auf das 33 1/3 Jahre alte Urmodell passen

Linn-Gründer Ivor Tiefenbrun war nicht der Einzige, der das Schweizer Vorbild zur Grundlage eines eigenen Produkts machte. Variationen über das Thema „Mittelschweres Subchassis-Laufwerk mit Riemenantrieb“ erschienen etwa zur selben Zeit auch von Heybrook und Ariston. Doch keiner hielt an dem im Grunde genial einfachen Grundrezept so lange und so unbeirrt fest, keiner führte es durch stetige Verfeinerung zu höheren klanglichen Weihen als die Firma aus dem Glasgower Stadtteil Linn.

Genial einfach: Antrieb und Auslesevorgang sollen voneinander entkoppelt sein. In Linns Lesart kann der Motor genau genommen die komplette Zarge, in der er fest montiert ist, als das Motorgehäuse mit der vermutlich größten Grundfläche aller Zeiten für sich beanspruchen. Auf der anderen Seite bietet das Subchassis – steif, bedämpft und relativ leicht – die mechanische Referenz für das Zusammentreffen von Vinyl und Diamant. Kontakt halten beide Einheiten nur über drei Kegelfedern und den Antriebsriemen.

Von Linn, aber ohne Schaltnetzteil: Lingo II. Die aufwendige Motorsteuerung hat dank einer Geschwindigkeitsumschaltung den umstrittenen 45er-Adapter für die Motorspindel überflüssig gemacht

Auch innen sind die Änderungen unauffällig. Die Eckverstrebungen waren ein wichtiger Schritt, ebenso das so genannte Cirkus Kit, das ein bedämpftes Stahlchassis, temperaturbeständigere Federn und ein neues Lager beinhaltet

Konstruktiv ist Linns Einsteiger-Tonarm Akito dem Topmodell Ekos, zumal in der zweiten Generation, sehr ähnlich. Die Hauptunterschiede liegen im Herstellungsverfahren und in der Lagerqualität

Das Tellerlager kommt ohne Kugel aus, die Achsspitze ist stattdessen entsprechend ausgearbeitet. Das gehärtete Bauteil gilt bei Linn als unzerstörbar

Wonach Linns Magnetsystem, der deutschen Übertragung seines Namens entsprechend, wohl süchtig machen soll? Die Optik jedenfalls vermeidet parallele Wände aufs Attraktivste

Die einfachste Methode, um klingelanfällige Metallteile zu bedämpfen: aufeinanderlegen. Dank präziser Bearbeitung passen Innen- und Außenteller in jeder Position perfekt zueinander

Einzigartig? Nicht wirklich. Höchstens die Konsequenz, mit der Linn die Geschichte durchzieht.

Am besten, man besucht Glasgow und macht sich selbst ein Bild. Benny Sabba übernimmt die Führung. Der schratige Vollbartträger mit dem wachen Blick ist „Metalwork Department Senior Technician“, Herr im Haus im alten Werk in der Drakemire Drive, wo Linn die gesamte Metallverarbeitung – mit Ausnahme absoluter Spezialjobs wie dem Schmieden der Tellerachsen – selbst erledigt. Benny erklärt jede Station von der Abkantmaschine über die Drehbank bis zur Lackiererei haargenau. Für Analogis wie mich gibt es ein eigenes Tischchen mit Lagerbuchsen, Achsen, Lagerspiegeln, Plattentellern und Tonarmen in verschiedenen Produktionsstadien. Linn, so lautet die Message, verwendet nur allerbestes Material und fährt ein rigoroses Qualitätsmanagement. Nach allem, was ich gesehen habe, gibt es nicht den geringsten Grund, daran zu zweifeln.

Bei der Gelegenheit ergibt sich auch ein Treffen mit Linn-Urgestein Martin Dalgleish. Was fragt ein langjähriger LP12-Eigner einen maßgeblich für dieses Kult-Laufwerk Mit­verantwortlichen? „Mr. Dalgleish, was ist das Geheimnis des LP12?“

Erkenntnis aus dem sich entspinnenden Gespräch: Das Geheimnis, das laut Dalgleish keines ist, steckt in der Balance. Das Zusammenspiel aus rigiden und elastischen Elementen soll eine von allen Störfaktoren unbeeinflusste Tellerrotation und präzises (im Linn-Jargon „tune accurate“) Musikauslesen ermöglichen. Ein Ziel, dessen Erreichbarkeit mit der Auf- und Einstellung im Hörraum des LP12-Eigners steht und fällt.

Das ist die wahre Kunst und, wenn man so will, das eigentliche Geheimnis des LP12. Eine Vielzahl (ich habe 33 gezählt) von Schrauben und Muttern will optimal festgezogen werden, von „Linn tight“, also bombenfest (Gewindebolzen des Subchassis), über fingerfest (Armbrett) bis eben-so-dass-es-hält-aber-auf-keinen-Fall-mehr-fest (Tonarmschaft). Kontaktflächen müssen blitzblank (Rie­men­­laufflächen) und gratfrei (Stahl-Topplatte) sein.

Bevor man sich einen Wolf justiert, sollten die Subchassisbolzen auf Geradheit und perfekt senkrechten Sitz überprüft werden – der Händler hat dafür ein trickreiches Werkzeug mit eingebauter Wasserwaage, unsereins behilft sich mit einem Metallröhrchen aus dem Modellbau, Innendurchmesser 5,1 Millimeter, das als Messhilfe auf die Bolzen aufgeschoben wird.

Die Justage – der heilige Gral des LP12-Betriebs. Ziel ist der vollkommene, der ausschließlich kolbenförmige und taumelfreie „Bounce“ des Subchassis. Eigentlich nicht schwer, doch der Teufel steckt im Detail. Neben potenziell verbogenen oder schief stehenden Bolzen stehen die Kegelfedern im Rampenlicht. Seit dem großen Cirkus-Up­grade von 1993 kommen temperaturstabilere und präziser gefertigte Exemplare zum Einsatz, trotzdem hat jede Feder prinzipbedingt eine gewisse Ausrichtung. Sie optimal zueinander zu positionieren, erfordert Fingerspitzengefühl. Noch wichtiger ist gleichwohl die saubere Zentrierung von Feder, Gummi- und Metallunterlegscheiben auf dem Bolzen. Keine Angst: Das alles erledigt der geschulte Händler. Trotzdem, so simpel, wie die Schotten tun, ist die Geschichte eben doch nicht.

Für den tonhöhengenauen Antrieb ist das externe Netzteil Lingo zuständig. Es geht zwar auch ohne, dann hält sich der 24-polige Synchronmotor an die 50 Hertz des öffentlichen Stromnetzes. Besser ist er aber zweifelsohne mit dem Lingo dran. Von ihm aus werden beide Motorphasen mit akkuratesten, quarzgenerierten Sinuswellen beliefert. Das Valhalla-Board, eine zwischen Basic-Null­lösung und Lingo-Luxus angesiedelte Platine zur Montage innerhalb der Zarge, wird nicht mehr gebaut. Hier lohnt ein Blick auf den Secondhand-Markt – schließlich stammt das Valhalla aus bestem Hause, stecken in ihm doch Gene des Antriebs für eine Plattenschneidemaschine, ersonnen einst für die Produktion der ersten Linn-LPs.

Pst: Gerüchteweise lässt sich ein Basic-LP12 auch direkt an kommunale Trafohäuschen anflanschen. Aber wir wollen niemanden zu potenziell lebensgefährlichen Straftaten ermutigen – obwohl besagtes Gerücht über ein singuläres Experiment in der Schilderung unerhörter Klangorgien kulminiert …

Zwei Tonarme hat Linn im Angebot: den Akito und das Topmodell Ekos. Von Letz­terem wird zum Zeitpunkt des Schreibens eine Edelversion mit Titanrohr und dem Namenszusatz SE angekündigt – die Ungeduld in der Fangemeinde ist schon mit Händen greifbar. Akito und Ekos sind beides kardanisch kugelgelagerte Arme, wobei der Ekos im Gegensatz zum deutlich preiswerteren Akito eine Auflagekrafteinstellung per Feder aufweist. Ansons­ten liegen die Unterschiede in Materialwahl und Verarbeitung – Aluguss vs. gefräster Stahl – und Präzision der Kugellager. Besonders hierbei sollen im Laufe der Jahre, ohne es an die große Glocke gehängt zu haben, bedeutende Fortschritte erzielt worden sein. Ich habe mich in Glasgow übrigens auch dem mittlerweile schon legendären Rohrbiegeexperiment unterzogen. Nein, auch meine Tipp- und Mausklick-gestählten Hände konnten dem Rohling eines zehntelmillimeterdünnen, federleichten Tonarmrohres nicht das Gerings­te anhaben. Und glauben Sie mir, der von Mr. Dalgleish ausgelobte Jackpot konnte motivierender nicht sein.

Mit meinem Akito-bestückten LP12-Testlaufwerk erhalte ich den MM-Abtaster Adikt. Er ist das Überbleibsel einer großen Magnetsystem-Tradition: K5, K9 und K18 hießen in den 90ern die drei Angebote für Ein- und Aufsteiger. Über den Adikt gibt es einen detaillierten Testbericht in der image hifi 6/2002, deshalb hier nur das Wichtigste: Auf dem Aluminium-Nadelträger im auswechselbaren Nadeleinschub sitzt ein Diamant mit Gyger-II-Schliff; das schick gewölbte Kunststoffgehäuse enthält eine Mu-Metall-Schirmung gegen elektromagnetische Felder; und zwei jeweils hinter den Gewindebuchsen platzierte Kunststoffnasen ermöglichen in hauseigener Umgebung Plug and play, indem das System in der Headshell bis zum Anschlag nach hinten geschoben wird. Dafür fehlt die Dreipunktbefestigung, wie sie bei Linns MC-Abtas­tern Tradition ist.

Die Diskussion über synergetische Effekte mit schwedischen Leichtmöbeln möchte ich mir und Ihnen ersparen. Erstens hat Ikea das berühmte Axamo-Tischchen (weiß!) längst aus dem Programm genommen. Und zweitens lautet die seriöse Alternative ganz schlicht und Voodoo-frei: leicht und steif. Ich betreibe meinen LP12 seit einiger Zeit auf einem Reference-Wandregal von Finite Elemente. Für den Zugewinn an Komfort (meine 1,95 Meter lieben den Plattenspieler auf Bauchhöhe) und Trittschallentkopplung (Altbau, Parkett!) nehme ich gerne ein leichtes Defizit an Spritzigkeit in Kauf, das sich gerade noch als Zugewinn an Ruhe interpretieren lässt. Gut, auf der Linke Akustik Pyramide ging es etwas zackiger zur Sache. Der Etagenbau aus bespiketen Stahlprofilen, Glas- und Holzplatten ist aber auch ganz und gar auf die Bedürfnisse des Linn optimiert.

Wer den LP12 vom ersten Kontakt an nicht mochte, war meine elektronische Tonarmwaage: „Unst“ meckerte das Display, im ­Klartext „unstabiler Untergrund“. Also wirklich … Aber das war auch schon die einzige Hürde beim Aufbau. Gut, eine etwas längere Masseleitung wäre durchaus praxisgerecht. Und dass die Justagelehren für Ton­arm­position und Subchassisbolzen dem Fachhändler vorbehalten sind, verstehe ich ja und finde die dahinterliegende Service-Philosophie äußerst lobenswert – trotzdem mag ich es, wenn ich selbst nachmessen kann. Beruhigt irgendwie.

Dann darf der Linn endlich spielen, und es ist wie Heimkommen. Dieser Fluss, dieses mühelos ineinandergreifende Farbenspiel: Deswegen halte ich meinem Anfang-90er-LP12 bis heute die Treue. Dabei habe ich überhaupt kein Problem damit, Vorteile anderer Dreher gegenüber dem Schotten im besten Christusalter anzuerkennen. Aber sie sind mir in dem Augenblick, in dem die Nadel die Platte berührt, auf Deutsch gesagt wurscht.

Für ein erstes Einnorden der LP12/Akito/ Adikt-Combo lege ich die Moskau-Aufnahme von Vladimir Horowitz auf. Die innere Ruhe des Klaviertons nimmt einen sofort gefangen, ebenso die Sinnhaftigkeit von Horowitz’ musikalischer Rhetorik. Die Töne entwickeln sich einer aus dem anderen, sie sind Teil eines übergeordneten Ganzen. Wie Horowitz eine Scarlatti-Sonate zum Singen bringt: überwältigend. Der Applaus kommt kernig und, im Vergleich mit anderen höchstwertigen Drehern, grundton­intensiver aufgelöst.

Auffällig ist die Geräuscharmut des Abspielvorgangs. Martin Dalgleish hatte in Glasgow einige außerordentlich interessante Dinge zum Energiefluss von der Diamantspitze bis ins Tonarmlager erzählt. Hat er dem Plattenspieler damit beigebracht, zwischen guten und schlechten Schwingungen zu unterscheiden? Knackser scheinen jedenfalls auf eine unterbewusste Geräuschebene verbannt, wo sie nicht stören können.

Um seinem Verhalten bei komplexeren Signalen als einem Soloklavier auf die Spur zu kommen, landen Flügelhornist Chuck Mangione und Band auf der Filzmatte. Wieder greift sich der Linn sofort den musikalischen Faden, klinkt sich in die Melodiebögen ein und verabreicht das dynamische Feuerwerk der swingenden 70er-Jahre-Fusionmucke als unwiderstehliches Fußwipp-Elixier. Ja, das hat er einfach drauf.

Wenn mir in den kurzen Momenten, wo ich vom Genuss-Modus zu „kritisch hören“ umschalten kann, eine gewisse Tendenz zu Verrundung und Wärme auffällt, dann schiebe ich die Schuld dem Tonarm in die Schuhe. Bei musikalisch relevanten Kriterien lässt sich der Akito zwar nichts zuschulden kommen. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, welcher Quantensprung mit einem Tonarmwechsel verbunden sein kann. Bei mir war’s der Aufstieg zum Naim Aro, ein Wechsel zum Ekos dürfte Definition, Auflösung und Klarheit in ähnlichem Umfang verbessern. Nur mal als Vorschlag: Wie wär’s mit einer SE-Version des Akito, mit besserer, vor allem aber von den Headshell-Buchsen bis zu den Cinch-Steckern durchgängiger Innenverkabelung als Zwischenschritt zum mehrfach teureren Ekos? Dafür, dass Linn seinen Phono-Vorverstärker Linto ohne jegliche Anpassmöglichkeit konstruiert, weil die dafür nötigen Schalter dem zarten Signal mehr schaden als nutzen würden, sind mir hier entschieden zu viele Löt- und Steckverbindungen im Weg.

Dem Laufwerk auf der Spur, montiere ich auch mein Dynavector 17D2 Mk II. Das goldene MC verschiebt die tonale Balance ein wenig zu den Höhen hin, ohne aber die Gesamttonalität ins Analytische zu kippen. Damit ist das Adikt, ganz erstaunlich angesichts seines Preises, als der stimmungsvollere Gleiter unter den beiden entlarvt – vielleicht nicht ganz so akkurat im äußersten Detail- und Raumbereich, aber dafür sehr gut zu hören, sprich bedingungslos stressfrei, und mit einem angenehmen Schuss Wärme.

Hervorstechendes Merkmal des LP12-Pakets anno 2006 ist aber die Einlösung eines Versprechens, das die Schotten längst zum Markenzeichen erhoben haben: „tuneful­ness“. Ja, dieses Laufwerk spielt tuneful, auf Deutsch: melodisch. Es ist besonders in Ausklingvorgängen zu beobachten, wo weder um des Effekts willen künstlich Energie nachgeschoben wird, noch in Folge kräftezehrender Impulswiedergabe undefiniertes Ausfasern stattfindet. Der LP12 klingt, in einem Wort, natürlich – und deswegen gleichzeitig an­sprechend und entspannend.

Diese schottische Ganzheitlichkeit ist schuld, dass ich gar nicht weiter auf Details herumpicken will. Die Linn’sche Klangfülle allein ist für mich Grund genug, den LP12 vorbehaltlos auf der Höhe der Zeit, und da unter den Besten zu verorten. Es gibt wahrlich nicht viele derart inbrünstige Melodiker unter den Plattenspielern. Dafür hat der nach dem CD-Schock wieder einsetzende Analog-Boom durchaus die eine oder andere Konstruktion hervorgebracht, die dem Linn in Einzeldisziplinen mehr als nur gefährlich werden kann. Das kümmert den Schotten indes herzlich wenig. Er hat mit seinen 331/3 Jahren das eigentlich Unmögliche geschafft: Ikone zu sein und trotzdem quicklebendig. Wir sehen uns beim 45. Geburtstag.

Produktinfo

Laufwerk Linn LP12

Funktionsprinzip: Subchassis-Laufwerk mit Riemenantrieb

Ausführungen: Zarge wahlweise Schwarz, Kirsche, ­Ahorn, Rosenut

Besonderheiten: mit Netzteil Lingo Geschwindigkeit ­umschaltbar (331/3 und 45 U/min); Acrylhaube ­inklusive, optionale Entkopplungs-Bodenplatte ­Trampolin (200 Euro)

Maße (B/H/T): 45/14/36 cm

Gewicht: 10 kg

Garantiezeit: 5 Jahre

Preis: 2285 Euro

Netzteil Linn Lingo

Maße (B/H/T): 32/8/33 cm

Ausführungen: Schwarz oder Silber

Gewicht: 1,5 kg

Garantiezeit: 5 Jahre

Preis: 1460 Euro

Tonarm Linn Akito

Effektive Länge: 229 mm

Überhang: 18 mm

Effektive Masse: 10 g

Garantiezeit: 5 Jahre

Preis: 1050 Euro

Tonabnehmer Linn Adikt

Funktionsprinzip: Moving Magnet (MM)

Ausgangsspannung: 6,5 mV bei 5 cm/s

Empfohlener Abschlusswiderstand: 47 kΩ

Besonderheiten: feste Justagehilfe für Linn-Tonarme

Gewicht: 7 g

Garantiezeit: 5 Jahre (ausgenommen Nadel­verschleiß)

Preis: 345 Euro (Ersatz-Nadeleinschub 180 Euro)

Kontakt

www.linn.co.uk

www.linngmbh.de