Harmonix TU-800EX improved und TU-812
Matte und Klemme im Probierpaket
Text von: Heinz Gelking
Wie bringt man die teuerste Plattenmatte der Welt unters Volk? – Indem man ein Probierpaket schnürt und es Interessenten kostenlos und unverbindlich zum Ausprobieren zuschickt.
Was Harmonix angeht, ist Leugnen für mich zwecklos: Roomtuning und Gerätefüße sind fester Bestandteil meiner Anlage. Deren Wirkungsweise habe ich mir nie erklären können. Aber ich habe festgestellt, dass es „mit“ besser klang. Autosuggestion? Nein. Ich glaube meinen Sinnen mehr als einem psychologischen Erklärungsmodell.
Noch immer könnte ich als Begründung für die Funktion der Harmonix-Produkte nur die Legende mit der Übertragung von Erkenntnissen aus Forschungen an Guarneris, Amatis und Stradivaris weitertragen – wenn ich an sie glauben würde. Aber ich bin überzeugt, dass man uns Wesentliches dabei verschweigt. Also nur das Halbgewusste zusammengefasst, ohne jede Gewähr auf Richtigkeit und wissend, dass ich mich damit von Harmonix vor den Karren der Legendenbildung spannen lasse: Kazuo Kiuchi soll es gelungen sein, Erkenntnisse aus den Schwingungsmustern von Meisterinstrumenten auf seine Zubehörprodukte zu übertragen; er hat sie daraufhin entwickelt, in bestimmter Weise zu resonieren. Außer Herrn Kiuchi scheint niemand, erst recht kein HiFi-Journalist dieser Welt, mehr über die Funktionsweise von Harmonix-Produkten zu wissen.
Was macht die Matte? Jetzt also – ja, was überhaupt? Die Harmonix TU-800EX improved besteht aus drei Schichten mir unbekannten Materials, wovon die untere eine Struktur aus langen Fasern hat, über die mittlere nur ausgesagt werden kann, dass sie sehr dünn ist, und die obere ein wenig an schwarzes Tonpapier erinnert, wie wir es aus den Bastelstunden in der Schule kennen. Es ist allerdings dicker und die Oberfläche ist glatter. Und sie ist nicht ganz unempfindlich. Mein – offenbar schon durch viele Hände gegangenes – Testexemplar hatte leichte Macken, die allerdings wohl kaum einen Einfluss auf die Wirksamkeit haben dürften.
Ich lege die Matte auf, ändere den VTA am SME 3500 und setze das Merlo Reference (demnächst mehr zu diesem MC) in der Einlaufrille ab. Etwas ganz und gar Subjektives wird mir bei der Orchestereinleitung von Mozarts Klavierkonzert B-Dur KV 595 sofort klar: Die Musik klingt reicher und harmonischer. Das ist Ihnen zu wenig konkret? Mir auch. Weshalb ich im Laufe einiger Tage, in denen ich mal mit, mal ohne TU-800EX improved höre, zu dem Ergebnis komme, dass auch seitens der „bloßen“ HiFi-Kriterien einiges passiert: Die Matte vergrößert die Raumabbildung (aber nicht so stark wie die Millennium-Matte), sie dunkelt den Hintergrund ab und wandelt künstlich strahlende Klangfarben um in natürliche Farben (besser als die Millennium-Matte, die mehr nach „HiFi“ klingt) und sie verändert etwas an der Dynamik. Das Orchester, aber auch einzelne Instrumente entfalten sich unangestrengter, vor allem tönen sie im Forte weniger höhenbetont (dass sie vorher höhenbetont klangen, merkt man natürlich erst, wenn man’s mit TU-800EX improved gehört hat). Der Konzertflügel klingt tragfähiger, gewissermaßen „kommunikativer“. Ganz subjektiv: Vorher hörte ich Alfred Brendel beim Spielen zu, jetzt habe ich stärker das Gefühl, er spiele für mich.

Das Auflagegewicht TU-812 stellt allein durch seine Masse einen innigen Kontakt zwischen LP und Matte TU-800EX her. Dass dabei das Resonanzverhalten günstig beeinflusst wird, können wir allenfalls hören, aber nicht erklären

Schwarze Scheibe für schwarze Scheiben: TU-800EX wird wie eine normale LP auf den Laufwerksteller gelegt und bildet die Auflagefläche fürs Vinyl
Die Plattenklemme Harmonix TU-812 presst die Schallplatte durch ein recht hohes Eigengewicht auf die Matte oder auch direkt auf den Plattenteller. Für Subchassis-Laufwerke ist sie vermutlich ungeeignet. Sie scheint aus einem oder aus zwei verschiedenen Metallen hergestellt zu werden. An der Unterseite, im direkten Kontakt zum Vinyl, besteht sie aus dunklem Holz. Ein weiterer Bestandteil ist Leinwand. Ich habe die Klemme sowohl unabhängig von der Matte ausprobiert als auch mit anderen Klemmen (dem Transrotor-Gewicht und der Clearaudio-Klemme) verglichen. Ihre Wirkung war jedoch nicht so stark wie die der Matte allein. Aber sie geht in dieselbe klangliche Richtung. Die Musik bekommt dunklere und „natürlichere“ Farben. Das kann die Clearaudio-Klemme nicht. Und die Musik klingt „fließender“ – was schwer zu beschreiben ist. Gerade bei Klaviermusik und den „perlenden“ Läufen hört man es aber. In dem Punkt zieht die viel preiswertere Clearaudio-Klemme allerdings gleich. Trotzdem, wer schon weiß, dass er sich allenfalls eines von beiden leisten kann oder will, sollte nicht die Klemme, sondern die Matte ausprobieren. Sie bringt mehr.

Harmonix geht keine ausgetretenen Pfade: Wer hätte je Materialien wie Leinwand, Holz und Metalle zu einer Plattenklemme verbunden?
Und zusammen? Ja. Da geht noch was. Noch mehr Raumtiefe, noch mehr Hintergrundschwärze, noch schlüssigere dynamische Entfaltung, mehr Dreidimensionalität, Plastizität. Und überraschenderweise sogar ein besser durchgezeichneter Oberbass- und Mitteltonbereich. Die Holzblasinstrumente der Orchestereinleitung stehen noch greifbarer im Raum, sie spielen aus einem definierten Fokus, von dem aus ihre Energie in den Aufnahmeraum strahlt. Die Klangfarben verlieren an Brillanz und gewinnen an Differenzierung, es klingt, als hätte jemand das Neonlicht ausgeschaltet und einen Vorhang vom Atelierfenster weggezogen, um natürliches Licht reinzulassen. Die Musik „trägt“ noch besser, und es stellt sich etwas ein, das ich am besten mit einem Begriff beschreiben kann, der mir in einem Interview mit dem Pianisten Christoph Ullrich begegnet ist: Projektion. Das umschreibt die Fähigkeit eines Musikers, mit dem Publikum zu kommunizieren und es spielend für sich und die Musik einzunehmen. Ich weiß, dünnes Eis, diesen Gedanken auf HiFi übertragen zu wollen. Aber das Empfinden, dass sich eine Aufnahme öffnet und entfaltet, dass die Musik kommuniziert und dass sich Energie überträgt – eine solche Art der Projektion erlebe ich mit Matte und Klemme.
Heinz, du schwafelst, pflegte meine Deutschlehrerin zu sagen, wenn ihr die Argumente zu neblig wurden. Das liegt bei Harmonix ein wenig in der Natur der Sache. Es passiert zwar auch auf der Ebene von HiFi-Kriterien viel, aber nicht das Wesentliche. Etwas entzieht sich der Denkweise von „besser oder schlechter“. Für mich klingen vertraute Platten mit TU-800EX improved und TU-812 harmonischer und reicher, involvierender und natürlicher. Aber probieren Sie das doch einfach selbst aus. Und dann versuchen Sie mal, das Erlebte zu „belegen“. Wer etwas „belegen“ kann, der darf auch alles behaupten, sagte meine Deutschlehrerin. Ich behaupte hier gar nichts und empfehle schlicht: Ausprobieren!
Produktinfo
Plattenmatte Harmonix TU-800EX improved
Stärke: 5 mm
Gewicht: 300 g
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: 300 Euro
Plattenklemme Harmonix TU-812
Maße (B/H/T): 7/5/7 cm
Gewicht: 700 g
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: 450 Euro
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