Error icon

Keine Berechtigung! Sie werden zum Login weitergeleitet...

Laufwerk Brinkmann Balance

Zeitlos schön und zeitlos gut?

Text von: Heinz Gelking

„Unser Ziel war es, zeitlose Schönheit, hohe Klangqualität und Per­fek­tion in der Verarbeitung zu einem Ganzen zu verbinden.“

Als Helmut Brinkmann mir erzählte, dass er den Balance „so um 1985 herum“ entwickelt habe, das Laufwerk in seiner Grundkonstruktion also schon gut zwanzig Jahre alt ist, war ich doch etwas perplex. Zum Thema „Laufwerksklassiker, die heute noch gebaut werden“ wäre mir zuerst ein schottisches Laufwerk eingefallen und dann, nach langem Nachdenken, vermutlich ein französisches. Aber nicht der Balance. Er sieht aus wie auf der letzten High End zum ersten Mal präsentiert. Zugegeben, technisch hat es zwischendurch die eine oder andere Verbesserung gegeben, vorwiegend an der Elektronik und nicht an der Mechanik. Aber im Vergleich zum ersten LP12 von 1973 oder zur Platine Verdier von 1979, die seit ihrer Jungfernfahrt durchaus tief greifende Veränderungen erfahren haben, zeigt der Balance die größere Konstanz.

Nur für eine rasche Einordnung auf dem Zeitstrahl unserer Biografien: 1985 haben wir (hoffentlich nicht) Modern Talking mit „You’re My Heart, You’re My Soul“ gehört, die standen nämlich sechs Wochen auf dem ersten Platz der deutschen Hitparade. Boris Becker gewann mit siebzehn Jahren Wimbledon. Michail Gorbatschow wurde General­sekretär der KPdSU. Helmut Brinkmann entwickelte einen Plattenspieler. Dafür musste er nicht bei null anfangen. Er war zuvor bereits an der Entwicklung des Konstant der (damaligen) Firma Audiolabor beteiligt. In den Balance sind Änderungswünsche von Helmut Brinkmann und von Konstant-Besitzern eingegangen, die sich aus der Erfahrung mit dem Laufwerk ergeben hatten, darin aber nicht mehr umgesetzt wurden. Der so lange währende Erfolg des Balance beruht aber nicht nur darauf, dass jemand als junger Mann ein paar gute Ideen hatte. Zwei Aspekte mussten hinzukommen: Erstens durfte die Fertigungsqualität über die Jahre nicht sinken. Es sind schon Hersteller daran gescheitert, dass sie anfangs geweckte Qualitäts­erwartungen im Verlauf einer Serie nicht ­halten konnten. Zweitens musste sich ein Produkt wie der Balance auch rechnen. Es musste seine Kosten einspielen und den Erbauer ernähren. Darum war der Balance nie billig. Gerade eben sind die Preise wieder gestiegen, weil Aluminium innerhalb eines Jahres anderthalbmal so teuer geworden ist.

Es hat eine Zeit gegeben, in der deutsche Ingenieure ihre Entscheidungen nach Qualitätskriterien gefällt haben und nicht nur nach Kostengesichtspunkten. Es war die Zeit, als die Mercedes-Baureihe W124 an den Start ging, die zehn Jahre lang gebaut wurde und deren Nachfolger, die Baureihe W210, 30 Prozent billiger in der Herstellung gewesen sein soll, was leider nicht nur die Aktionäre mit Freude, sondern auch einige Käufer mit Schrecken gemerkt haben, als ihnen die Türen wegrosteten. Es war die Zeit vor José Ignacio López, jenem Einkäufer, der mit seiner Tätigkeit bei Opel und VW den Ruf deutscher Produkte (der immer auch auf dem Ruf deutscher PKW beruhte) nachhaltig beschädigte. Es gibt HiFi-Freunde, die beim Anblick eines Balance in Begriffen aus Kunst und Design denken und für die Helmut Brinkmann eine Art Künstler ist. Für mich nicht. Oder nur zum Teil. Für mich sind seine Arbeiten, auch aktuelle Entwicklungen wie der LaGrange, Relikte aus einer Zeit, als die alte Vorstellung von „German engineering“ und „made in Germany“ noch zutraf. „German engineering“ war die Verarbeitung von hochwertigen Materialien durch qualifizierte, gut bezahlte Fachleute in kompro­misslos sorgfältigen Fertigungsprozessen zu teuren Maschinen und Geräten mit hohem Funktionswert und langer Haltbarkeit. Ob diese Vorstellung von „German engineering“, die mir beim LaGrange und beim Balance immer wieder unwillkürlich in den Sinn flackert, tatsächlich auf den Laufwerksklassiker zutrifft, das habe ich in den vergangenen Wochen erprobt.

Auf der vom Entwickler vorgeschlagenen, leider nicht billigen HRS-Basis kommt der Brinkmann Balance optisch und klanglich hervorragend zur Geltung. Selbstverständlich funktionieren auch andere Stellflächen mit einer Grundfläche von 40 x 60 Zentimetern – Hauptsache, sie verkraften das Gesamtgewicht von rund 35 Kilogramm. Man kann nicht sagen, dass der Balance mimosenhaft auf unterschiedliche Unterbauten reagiert. Aber er macht jede Veränderung wahrnehmbar

Über den LaGrange schrieb ich damals: „Man kann eine mechanische Apparatur anders bauen, aber nicht besser.“ Das habe ich beim Anblick und im Umgang mit dem Balance wieder so empfunden, und an dieser Stelle muss fairerweise ein zweiter Name genannt werden: Ebenso wie der LaGrange wird auch der Balance von Werner Röschlau gebaut. Er war als Ingenieur in der Flugzeug­industrie tätig und fliegt noch immer Verkehrsflugzeuge. Außerdem hat er ein Haus, in dem sich Drehmaschinen, Fräsmaschinen und Bohrmaschinen befinden. Und wenn man sich die Oberflächen und die Pass­genauigkeiten ansieht, die schiere Perfektion, mit der dieser Plattenspieler gebaut wird, dann ist Werner Röschlau ein Hundert­fünfzigprozentiger. Natürlich gibt es auch Vor­lieferanten. Die schwarzen edel-matten Oberflächen des Plattenspielers entstehen ja nicht durch Anodisierung in der Regentonne, sondern durch eine Eloxierung des Aluminiums in einem Spezialbetrieb, der auch alle Umweltauflagen erfüllt. Auch die Kristallglasplatte auf dem Plattenteller wird zugeliefert – von einem Werk, das optische Gläser und Präzisionsglas herstellt.

Ein typisches Resultat aus Idee, Erfahrung und Fertigung ist das Tellerlager. Es sieht erst einmal ziemlich konventionell gebaut aus: Eine glatt polierte Stahlachse läuft in zwei übereinanderliegenden Buchsen aus Aluminium. Überraschenderweise gibt es keine Kugel, auf der die Achse sich dreht, wie bei Transrotor-Lagern, oder gar zwei, wie beim GML 30 von Rossner & Sohn. Das Ende der Achse ist einfach nur verrundet und hat in etwa die Form eines umgedrehten Uhrglases. Es dreht sich auf einem Lagerspiegel aus Teflon; der Druckpunkt ist dabei verhältnismäßig groß, was bei einer Tellermasse von zwanzig Kilogramm sicher nicht verkehrt ist.

An dieser Stelle wird deutlich, dass Helmut Brinkmann kein Freund extrem leicht laufender Lager ist. Nicht möglichst leicht, sondern möglichst konstant, lautet sein Motto zum Thema Lagerreibung. Der große Druckpunkt des Lagers in Verbindung mit den ­stabilen Temperaturverhältnissen und der extremen Passgenauigkeit, die erst durch die Lagerheizung möglich werden, sollen ein gleichmäßiges Lastmoment für den Antrieb zum Ergebnis haben. Helmut Brinkmann erklärt mir im Hinblick auf die fragile Optimierung des Zusammenspiels zwischen Lager und Motor: „Der Motor ist sehr schwach, im Betrieb mit Nenndrehzahl (bei 33 ca. 450 U/min, bei 45 ca. 600 U/min) erzeugt er gerade mal gut ein Watt Leistung. Im Anlauf wird er natürlich stärker angetrieben, aber danach muss er die Drehzahl nur noch aufrechterhalten. Damit das nicht zu Drehzahlschwankungen führt, ist ein Lager notwendig, das ein kleines, aber sehr gleichmäßiges Lastmoment darstellt. Alle ruckartigen Bremsmomente, die ein nicht sauberes Lager erzeugen würde, könnten von diesem Motor nicht ausgeregelt werden. Wenn das Lastmoment kleiner wäre, beispielsweise durch Einsatz einer Keramik- oder Metallkugel, würde der Gleichlauf leiden.“ Der Motor stammt übrigens von Pabst und wird nicht mehr gebaut. Es handelt sich um einen so genannten „Scheibenläufer“, in dem sich nur ein Magnetring dreht und die Antriebsspulen stillstehen. Die beiden fürs Plattenhören relevanten Drehzahlen lassen sich über Trimmer feinjustieren. Ein aufwendiges Netzteil versorgt ihn mit Energie; das früher als ­Sonderausstattung lieferbare Röhrennetzteil wird gerade überarbeitet.

Eines der ersten Balance-Exemplare steht bei einem Lautsprecherentwickler. Und dieser Lautsprecherentwickler lässt den Balance permanent „durchlaufen“. Irgendwann, jenseits der 50000 Betriebsstunden, war der Balance zur Wartung bei Helmut Brinkmann. Er erzählte mir, dass er das Lager aus Neugier geöffnet und mal reingeguckt habe: „Es war makellos. Seitdem haben wir nie wieder ein Lager geöffnet.“ Die meisten Bauteile des Balance bestehen aus einem Mate­rial mit der Handelsbezeichnung „Dur-Aluminium“, im Volksmund auch „Flugzeug-Aluminium“ genannt. Es hat eine ähnliche Reiß­festigkeit wie Stahl, ist jedoch viel leichter. Dem Material des 90 Millimeter starken Plattentellers sind Blei und Kupfer beigemengt; dadurch soll der Teller noch resonanzärmer sein als die übrigen Bestandteile des Balance. Am Rande klang das Gewicht des Tellers schon einmal an: 20 Kilogramm. Aber auch hier betreibt Helmut Brinkmann keine pure Gigantomanie, keine Materialschlacht um der Materialschlacht willen. Das macht er nämlich nirgendwo. Vielmehr ist das Gewicht von 20 Kilogramm ein Resultat langer Hörsitzungen und einer Frage: „Wie schwer muss ein Plattenteller sein, bis man nicht mehr hört, dass er schwerer wird?“ Wegen der Glasoberfläche des Tellers hatte ich Helmut Brinkmann anlässlich des LaGrange-Tests befragt. Er wies damals auf die harten Metallteller von Neumann-Schneidemaschinen hin. Um den vollen Dy­namikumfang einer Aufnahme zu erhalten sei eine harte Telleroberfläche am besten, und wegen der fes­ten, flächigen Verbindung zwischen Glas und Teller würden sowohl die Oberflächenwellen des Aluminiums als auch die Eigenschwingungen des Glases optimal gedämpft.

Mir stand ein Balance in der Kombination mit dem Tonarm 10.5 (für 3800 Euro) und dem Brinkmann EMT-ti (für 2500 Euro) zur Verfügung. Mit dieser Tonarm/System-Kombination habe ich mich noch vor kurzem, nämlich in image hifi 1/2006, anlässlich meines Artikels über den LaGrange beschäftigt; der Tonarm war zuvor (image hifi 2/2002) auch schon einmal von Dirk Sommer besprochen worden, so dass ich hier nur die wesentlichen technischen Eigenschaften noch einmal in Erinnerung rufe: Es handelt sich um einen kardanisch gelagerten Arm mit kleinen und darum leichtgängigen Schweizer Präzisionslagern, die sich selbst zentrieren, sobald der Tonabnehmer durch Absenken auf die rotierende Plattenoberfläche einen Zug auf den Arm ausübt. Das Tonarmrohr besteht aus Aluminium, welches durch Harteloxierung eine hochfeste und widerstandsfähige Oberfläche bekommt. Das hat von der Idee her durchaus eine Nähe zu den Keramikrohren der Graham-Tonarme. Die Antiskating-Justage erfolgt per Magnet und berührungsfrei. Bei der Innenverkabelung können Kundenwünsche berücksichtigt werden. Der Tonabnehmer beruht, wie der Name nahelegt, auf einem Modell des Studio-Ausrüsters EMT. Der Abtastdiamant und der Nadelträger werden von Van den Hul beigesteuert, und wesentliche Teile des offenen Systemkorpus, beispielsweise die Kontaktfläche zum Head­shell, bestehen aus dem fes­ten und leichten Werkstoff Titan. Das System klingt energiereich, körperhaft und direkt, aber nicht unbedingt charmant oder besonders fein. Wer seinen Hörgeschmack in dieser kraftvollen Unmittelbarkeit wiedererkennt und beim Musikhören den Live-Charakter sucht, der wird hier fündig. Ich befinde mich derzeit in einer Phase, in der mir das nicht (mehr) so gut gefällt, weshalb ich dem universell einsetzbaren Tonarm auch andere, ­feiner klingende Systeme ins Headshell geschraubt habe. Das soll nur ein Hinweis sein. Ich bin davon überzeugt, dass ein Laufwerk wie der Balance nur selten „von der Stange“, also genau in unserer Test-Kombination, gekauft wird. Wer sich für ihn interessiert, hat vermutlich längst einen Lieblings­tonabnehmer.

Fernbedienung? Natürlich nicht! Doch weil der Antriebsmotor gewöhnlich links hinten beim Laufwerk steht, hat Helmut Brinkmann ihm eine Bedienungseinheit mit drei Sensortasten vorgelagert

Das Chassis des Balance besteht aus vier Zentimeter starkem Flugzeug-Aluminium und hat die Form eines Tropfens. Die Fläche ruht auf drei höhenverstellbaren Spikes. Vor dem Lager befindet sich der Anschluss für die Stromversorgung der Lagerheizung. Die Tonabnehmersignale werden über Cinchbuchsen in der Tonarmbasis weitergeleitet. An dieser Stelle sind auf Kundenwunsch auch andere Lösungen möglich

Bei der Systemwahl ist man ohnehin ganz und gar frei, weil das Laufwerk selbst vollkommen frei von Eigenklang ist. Man braucht da nichts zu kompensieren, und jeder Tonabnehmer kommt mit seinen individuellen Klangeigenschaften zur Entfaltung. Helmut Brinkmann ging es bei der Entwicklung des Balance nie „um den typischen ­Masselaufwerks-Sound“, wie er erzählt. Sein Laufwerk sollte „einfach nur neutral“ klingen. Manche verwechseln das mit einem unterkühlten, sachlichen Klangbild, das alles zum Klingen bringt, aber mit nichts zu fesseln vermag. Damit liegt man im Falle des Balance total daneben. Ich empfinde das Hören mit diesem Laufwerk als besonders spannend, weil es wie kaum ein anderes die Fähigkeit besitzt, Kontraste innerhalb einer Aufnahme darzustellen.

Vielleicht wirkt es etwas paradox, das am Beispiel einer Gattung zu beschreiben, auf die traditionellerweise eher Begriffe wie Ausgewogenheit, Anmut und harmonischer Zusammenklang angewendet werden, nämlich die Kammermusik. Aber sowohl bei Aufnahmen des Quartetto Italiano mit Haydn-Quartetten (Philips 835370 LY) als auch bei einer LP von Mitgliedern des Wiener Oktetts, die Dvoráks Streichsextett spielten (DECCA SDD 315), erlebte ich zwar nach wie vor ein auf den homogenen, harmonischen Zusammenklang bedachtes Spiel, aber zugleich eine intensive Zuspitzung der Kontraste. Um es geradeaus zu sagen: Mit dem Balance klingt das Laute lauter und zugleich das Leise leiser. Und dazwischen gibt es mehr feine Abstufungen, als ich es von anderen Laufwerken kenne. Außerdem beherrscht er die Kunst, gegensätzliche Bewegungen gleichsam un­verschmierter als andere nebeneinanderzustellen. Wenn in Mozarts Klavierkonzert Nr. 21 (C-Dur KV 467) die Hörner leiser und gleichzeitig die Holzbläser lauter werden, wenn Friedrich Gulda sich am Klavier einen Freiraum im Klangbild erobert und die ­Streicher der von Claudio Abbado geleiteten Wiener Philharmoniker ihm selbstbewusst gegenübertreten (DG 2530548), wenn es darum geht, Dialoge voller Spannung und Intensität fesselnd wiederzugeben, dann ist der Balance in seinem Element. Nur eines kann er nicht: langweilig klingen und rein dekorative Klangtapeten ankleben.

Endlich einmal sichtbar: Unter dem Tellerlager befindet sich ein Leistungs-MOSFET samt Regelkreis und hält das Lager auf konstanter Temperatur. Helmut Brinkmann möchte damit unerwünschte Materialschwankungen verhindern, welche die Präzision des Lagers beeinträchtigen könnten

Das Prinzip funktioniert verblüffend gut: Der kleine Ring hebt sich im Zentrum des Plattentellers um vielleicht einen Millimeter aus der Fläche und damit die aufgelegte LP in der Mitte leicht an. Die LP-Klemme übt weiter außen einen Druck aus, so dass sich die Platte auf der gesamten Fläche an die Glasoberfläche des Plattentellers anschmiegt. Der Druck wird nicht durch schieres Gewicht erzeugt, sondern durch ein Gewinde, und kann damit vom Nutzer fein dosiert werden

Die Tonarmbasis lässt sich auf so gut wie jeden Tonarm bis zehneinhalb Zoll anpassen. Die abgebildete Basis trug den Brinkman 10.5, der über eine durchgehende Innenverkabelung verfügt, die mit den Übergabepunkten im Innern der Basis verbunden wird. Wer einen Zwölfzöller oder zwei Arme betreiben möchte, muss bei Brinkmann allerdings auf den LaGrange ausweichen

Mein Transrotor Orfeo Doppio mit seinem Acrylteller klingt hingegen eine winzige Spur weicher und verbindlicher, minimal matter in den Farben und flacher in der Dynamik. Dafür wirkt der von ihm entworfene Raum zwei, drei Zentimeter weiter. Trotzdem, die griffiger und plastischer wirkenden Instrumente stellt mir der Balance auf die imaginäre Bühne. Vielleicht muss ich den Orfeo ja doch irgendwann auf den Metallteller des Apollon umrüsten lassen … Denn wie herrlich glaubwürdig gelingt es dem Balance mit seinem schweren Metallteller, Instrumenten auf einer Bühne „authentische“ Präsenz zu verleihen, wie etwa bei Beethovens Quintett Es-Dur op. 16 für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott, aufgenommen im Juli 1962 von Claus Strüben und Heinz Wegener in einem Raum mit ausgezeichneter Akustik (Eterna 826080). Allein ein paar Gleichlaufschwankungen der Bandmaschine, am einfachsten am Klavierklang hörbar, trüben den Genuss dieser wunderbar „natürlich“ klingenden Aufnahme. Und auf der anderen LP-Seite, wo der berühmte Meister-Hornist der DDR, Peter Damm, Beethovens Hornsonate F-Dur op. 17 spielt, zeigt der Balance die große Kunst der anmutigen Nachzeichnung feiner Kantilenenbögen. Das kann er auch.

Er kann aber auch anders. Nämlich mauern. Unnachgiebig und auf dem stabilsten Bass­fundament stellt er mir das Chicago Symphony Orchestra zwischen die Lautsprecher, und das „Seestück“ namens Der Fliegende Holländer entfaltet er so packend und wuchtig, dass man ahnt, was Wagner selbst empfunden hat, als er 1839 auf einem Segelschiff aus Riga flüchtete. Das Schiff geriet in einen so heftigen Sturm, dass seine Frau Minna sich (angeblich) an ihn binden ließ, um den Tod gemeinsam mit ihrem Mann zu erleben. Wagners Musik scheint viel von dem Gefühl vermitteln zu wollen, was es heißt, Spielball von „Gewitter und Sturm aus fernem Meer“ zu sein (Decca-LP 642375, mit Georg Solti).

Doch noch ein Wort zum Unterschied zwischen dem LaGrange und dem Balance? Einverstanden. Ich kann heute, rund ein Jahr nach dem LaGrange-Test, zwischen dem Klang der beiden Brinkmann-Dreher keine Unterschiede mehr nennen. Gelegentlich wird dem Balance nachgesagt, er klinge mächtiger als der LaGrange, dafür aber nicht so leichtfüßig. Ich habe das anders erlebt. Vielleicht liegt das an der von Helmut Brinkmann empfohlenen HRS-Basis. Möglicherweise verhilft sie ihm zu einer lebendigeren Spielweise. Andererseits hatte ich auch für den LaGrange schon eine ungeheuer wuchtige und trocken-präzise Tiefbass-Wiedergabe in Erinnerung. Ich finde, beide Laufwerke nehmen sich nichts. Dennoch würde ich für mich selbst dem LaGrange den Vorzug gegenüber dem Balance geben: Man kann auf ihm mehr als einen Tonarm und auch Zwölfzöller montieren. Klanglich sind dem Balance keine Grenzen gesetzt. Da gehört er seit zwanzig Jahren zur Weltspitze. Er ist zeitlos schön und zeitlos gut. Das wird auch die nächsten zwanzig Jahre so bleiben.

Produktinfo

Laufwerk Brinkmann Balance

Funktionsprinzip: Masselaufwerk mit Riemenantrieb

Ausführungen: Schwarz/Messing oder Schwarz/Edelstahl

Besonderheiten: beheiztes Tellerlager

Maße (B/H/T): 60/30/40 cm

Gewicht: 33 kg

Garantiezeit: 3 Jahre

Preis: 12000 Euro

Kontakt

www.brinkmann-audio.com