Air Tight Cartridge Enhancer AT-LCE-1 und Stylus Pressure Gauge AT-SPG-1
Text von: Dirk Sommer
Tonabnehmer-Entmagnetisierer gibt es viele. Air Tights AT-LCE-1 soll zusätzlich die Einspielzeit von Systemen verkürzen können. Und die Tonarmwaage AT-SPG-1 passt einfach gut dazu.
Bisher ließen sich die Entmagnetisierer für Tonabnehmer grob in zwei Gruppen einteilen: elektronisch oder mechanisch arbeitende. Beide haben zur Aufgabe, magnetische Felder, die sich während des Abspielvorgangs im Tonabnehmer aufbauen, vom Generator zu entfernen. Im Prinzip geht es um denselben Effekt, den man von Tonköpfen und Bandführungen bei Tonbandmaschinen und Cassettenrecordern her kennt. Dort benutzte man eine vom Netzstrom durchflossene Drossel, die man an die zu entmagnetisierenden Teile heranführte und dann langsam wieder entfernte. Beim Tonabnehmer werden elektronisch arbeitende Geräte mit den Anschlusspins eines Kanals des Systems respektive mit einem Stecker des Tonarmkabels verbunden und schicken ein sinusförmiges Signal durch die Spule des Tonabnehmers, das nicht abrupt abbricht, sondern analog dem langsamen Entfernen der Drossel gleitend ausgeblendet wird. Die bisher einzige mechanische Variante stellen Schallplatten dar, die einen entsprechenden Sinuston liefern, der nach einer gewissen Zeit allmählich im Pegel reduziert wird.
Beim Air Tight AT-LCE-1 wandelt laut Produktinformation ein π-Filter eine von einem Mikrocomputer erzeugte Schwingung in einen perfekten Sinus, der dann von einem Class-A-Verstärker aufbereitet und einem Schwingungserzeuger zugeleitet wird. Das damit verbundene Plättchen, auf das die Nadel des Tonabnehmers aufzusetzen ist, vibriert dann alternierend mit 800 und 600 Hertz. Ein Zyklus dauert 15 Minuten und setzt sich aus je drei Intervallen der beiden genannten Frequenzen zusammen. An deren jeweiligem Ende klingt die Schwingung langsam aus. Wenn die Behandlung dem Entmagnetisieren dienen soll, ist gemäß Bedienungsanleitung die Verbindung des Systems zum Tonarm aufzutrennen. Die Pins eines jeden Kanals sollen stattdessen mit farblich exakt gekennzeichneten Drähtchen verbunden und so die Spulen des Abtasters kurzgeschlossen werden.
Air Tight schreibt dem AT-LCE-1 aber noch eine weitere Funktion zu: Es bewirke eine „Aktivierung“ der Dämpfung des Systems. Der deutsche Vertrieb konkretisiert diesen doch recht schwammigen Begriff mit „Verkürzung der Einspielzeit“. Ich bekenne es offen: Ich habe den AT-LCE-1 nicht als Entmagnetisierer eingesetzt. Aber nicht, weil ich die Notwendigkeit der Maßnahme prinzipiell in Frage stelle. Wer seinen Tonabnehmer täglich im Einsatz hat, sollte ihm nach meinen Erfahrungen alle zwei bis drei Monate eine Behandlung zukommen lassen. Air Tight schlägt übrigens eine Anwendung pro Viertel-, mindestens aber eine pro Halbjahr vor. Allerdings sammelt auf meinem LaGrange fast kein System derart viele Betriebsstunden, als dass der AT-LCE-1 dort hartnäckige Magnetfelder vertreiben müsste. Ich habe den Air Tight vielmehr bei vorschriftsmäßig im Tonarm verkabelten Systemen als „Aktivator“ für die Dämpfung noch nicht vollständig ein- respektive freigespielter Tonabnehmer eingesetzt. Und das, wie auch im Artikel über das Koetsu Coral Stone detailliert nachzulesen ist, mit überraschend guten Ergebnissen. Schon ein einziger 15-minütiger Zyklus ist deutlich hörbar: Wie nach einer um ein Vielfaches längeren Einspielzeit spielt die Tonzelle anschließend geschmeidiger, reagiert spontaner auf Impulse und erlegt sich im Tieftonbereich weniger Zurückhaltung auf.

Die Auflage für die Nadel wird von einer weißen LED beleuchtet, die Einwirkungszeit per Taster gewählt und von drei weiteren LEDs angezeigt

Mit dem in die rechte Gehäuseseite eingelassenen Rändelrad muss die Anzeige vor der Messung auf null gebracht werden
Wer also braucht den Cartridge Enhancer? Der Handel, einschlägig tätige Redaktionen und engagierte Analogfans, die mehr als einen Abtaster ihr Eigen nennen, sollten auf den AT-LCE-1 nicht verzichten. Denn er verkürzt nicht nur die Einspielzeit merklich, sondern setzt die Nadel hierbei auch keinerlei Verschleiß aus. Auch wenn man über mehr Systeme als freie Plätze im Headshell verfügt, leistet der Air Tight gute Dienste: Nach einer längeren Ruhepause weckt er das System wieder auf. Mit seiner kräftigen LED-Beleuchtung des schwingenden Plättchens und dem in dezentem Air-Tight-Grau lackierten Metallgehäuse dürfte der Enhancer auch für betuchte Analogfans zum Objekt der Begierde werden, die einfach nur einen Entmagnetisierer benötigen, gutes „Werkzeug“ aber zu schätzen wissen.
Für die Tonarmwaage spricht, dass sie dank der großen roten Anzeige und weißer LED-Illumination für den Aufsetzpunkt der Nadel auch an weniger hellen Orten problemlos eingesetzt werden kann. Sie verlangt jedoch – ebenso wie die noch kostspieligere Winds-Waage – nach einer Nullstellung per Rändelrad. Nach erfolgreicher Justage und einer kurzen Stabilisierungsphase hält sie dann die Einstellung bei. Versuche mit dem „Eich“-Gewicht der Technics-Waage über einen etwas längeren Zeitraum belegen, dass sie den Wert exakt und ohne jegliche Abweichung anzeigt. Der Umgang mit der AT-SPG-1 macht einfach Spaß. Ihrem Erwerb dürfte aber vorrangig eine emotionale Entscheidung zugrunde liegen – wie etwa auch dem einer mechanischen Uhr.
PS: Wer nicht unbedingt auf dem Luxus eines Metallgehäuses und einer Batteriespannungsanzeige bis auf ein Hunderstel Volt besteht, dem sei als Alternative die Clearlight Audio CR-B5 empfohlen, die zwar aus chinesischer Produktion stammt und in einem Plastikgehäuse daherkommt, aber dennoch gute Dienste leistet – und zwar zu einem Bruchteil des Preises der AT-SPG-1.
Produktinfo
Entmagnetisierer Air Tight AT-LCE-1
Energieversorgung: 9-V-Block
Maße (B/H/T): 101/48/45 mm
Gewicht: 235 g
Preis: 900 Euro
Tonarmwaage Air Tight AT-SPG-1
Messbereich: 0,01–15,00 g
Energieversorgung: 9-V-Block
Maße (B/H/T): 101/48/45 mm
Gewicht: 243 g
Preis: 900 Euro
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