Acoustic Solid Justage-Set
Servicestation für Tonarme und Tonabnehmer
Text von: Roland Kraft
Eine Rundum-Servicestation für Tonarme und Tonabnehmer löst jedes Justageproblem!
Wie so oft ist das richtige Werkzeug das A und O für vernünftige Arbeit. Das gilt auch für die Justage eines Plattenspielers, zu der man naturgemäß das eine oder andere Hilfsmittel benötigt. So etwa eine brauchbare Schablone für die Tonarmgeometrie, eine Auflagekraftwaage, eine Wasserwaage oder, ganz klar, die richtigen Einstell-Informationen zum Tonarm. Aber Sie und ich wissen, wie es in der Praxis dann wirklich ist: Mr. Murphy schlägt zu. Und das bedeutet: Irgendwas fehlt immer …
Um das Analog-Murphy-Problem dauerhaft zu lösen, bietet nun die bekannte Manufaktur der Acoustic-Solid-Laufwerke, nämlich die Firma Wirth Tonmaschinenbau, eine Komplettausstattung an, die imstande sein sollte, fast jede auftauchende Fragestellung anzugehen. Komplett im Laufwerks-„Arztkoffer“ verpackt, steht nun ein Werkzeugset für Profis – etwa Händler – und natürlich Vieljustierer bereit. Die Krönung des Ganzen stellt sicherlich die aus dickem Aluminium gefertigte Geometrie-Schablone dar, die im Stil der altbekannten Dennesen-Einstelllehre gemacht ist. Dabei ist die Basisplatte, die über die Spindel gesteckt wird, mit einer sauber gefertigten Acrylhalterung plus Feststellschraube mit Aluknopf versehen; die „Brücke“ zum Tonarm-Drehpunkt passt präzise „saugend“ in die Halterung. Von reichlich Fleißarbeit zeugt ein beiliegendes DIN-A4-Büchlein, das auf zehn Seiten die entscheidenden Daten von nicht weniger als 316 Tonarmen enthält (falls ich richtig gezählt habe). Und dass es derart viele Tonarme gab und gibt – das Werk enthält natürlich auch eine gehörige Portion nicht mehr aktueller Arme –, war mir zugegeben nicht klar.
Aber selbstverständlich enthält die Kiste noch weitere Goodies. So etwa eine kleine mechanische Tonarmwaage, die zwar hinreichend funktioniert, aber kein Ausbund an Genauigkeit ist – doch zu diesem Thema gleich mehr. Eine Dosenlibelle liegt ebenfalls bei, und außerdem gibt’s ein sonderbares Bohrwerkzeug. Dessen Durchmesser entspricht exakt jenem Maß, welches das Mittelloch einer Schallplatte hat. Oder besser: haben sollte. Zeigt die Erfahrung doch, dass dem nicht so ist, diverse schwarze Scheiben schlicht Unterdurchmesser aufweisen und deshalb nur mit Gewalt über die Spindel passen. Hier schafft der genaue Handbohrer schnell Abhilfe – eine gute Idee.
Last but not least finden wir eine Stroboscheibe vor. Die ist klein genug, um über das Label zu passen, liegt sie doch optimalerweise auf einer Schallplatte. Befindet sich dann noch die Nadel in der Rille, sind exakt jene Verhältnisse gegeben, bei denen man – möglichst exakt – die Drehzahl des Laufwerks einstellen sollte. Falls die passende 50-Hertz-Beleuchtung nicht zur Stelle ist, greift man dankbar zur Stroboskoplampe im Koffer; sie hat eine grellweiße LED plus die entsprechende Ansteuerung eingebaut und funktioniert dank Batterien praktisch immer.

Das beiliegende Buch mit den Daten von mehr als 300 Tonarmen stellt sicher die größte Fleißarbeit dar …

Die Genauigkeit der elektronischen Tonarmwaage beträgt nachvollziehbar ein Zehntel Pond
Von den vielen mechanischen Tonarmwaagen, die mir untergekommen sind, konnte mich keine so richtig überzeugen. Das lag entweder an der umständlichen, nicht selten für den Nadelträger sogar gefährlichen Handhabung oder an der mangelnden Genauigkeit mechanischer Lösungen. Geht es nämlich um Zehntelpond, mutiert die Mechanik schnell zum Schätzeisen. Denn schließlich will man den Tonabnehmer ja auch schonen und die Vorgaben des Herstellers exakt einhalten oder nur so viel Auflagekraft zugeben, dass vernünftige, nicht überzogene Abtastwerte erreicht werden. Die meiner Erfahrung nach beste Lösung des Problems ist eine elektronische Waage. Die dort üblicherweise angegebene Genauigkeit von 0,1 Gramm wird erfahrungsgemäß genau eingehalten, ja sogar übertroffen. Für unsere Zwecke sind flache, höchst kompakte Bauformen solcher Waagen angesagt. Trotzdem sind aufgrund der Höhe der Gerätchen normalerweise Zusatzteile nötig, die über die Waage gelegt werden und so gestatten, die Auflagekraft ganz knapp über dem Plattenteller zu messen; befände sich ein Tonarm ein Stück höher über der Tellerebene, wäre die Messung ja höchstwahrscheinlich falsch. Entscheidend ist folglich, dass geeignete Waagen über eine Tariermöglichkeit verfügen, um das Gewicht dieser „Brücke“ auszugleichen, die Anzeige also auf null zu bringen. Mein Waagen-Tipp kommt ebenfalls aus dem Hause Acoustic Solid: Es handelt sich um eine ganz flache, runde Waage, der eine kleine Aluminium-„Brücke“ aufgelegt wird. Auf deren Seitenwangen senkt man den Tonabnehmer ab. Mit Unterstützung zweier Knopfzellen sollte diese Waage dauerhaft ihren Job machen können. In der Praxis funktioniert das Ganze übrigens perfekt und mit wiederholbarer Präzision.
Produktinfo
Plattenspieler-Justageset von Acoustic Solid
Inhalt: Geometrie-Schablone, Dosenlibelle, Mittellochbohrer, Tonarmwaage mechanisch, Buch mit Tonarm-Daten, Stroboscheibe, Strobolampe 50 Hz
Optional: elektronische Tonarmwaage
Preise: Set im Koffer 280 Euro, mit elektr. Waage 329 Euro; Waage einzeln 206 Euro
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